3 Fragen an … Cristine Bendix über naturnahe Gärten

Cristine Bendix (Jahrgang 1958) ist gelernte Biologin. Gemeinsam mit ihrem Mann lebt die gebürtige Kölnerin seit 2014 in Coesfeld. Im Jahre 2009 erwarben beide einen Hof im Gaupeler Land mit dem Ziel, all ihre Gartenträume zu verwirklichen.

Cristine, wie kamst du auf das Thema naturnaher Garten und was hat dich und deinen Mann dazu bewegt, den Gaupeler Landgarten zu erwerben und umzugestalten?

Warum machen wir das mit dem Gärtnern? Warum haben Matthias und ich es nicht vorgezogen, unseren Unruhestand auf einem Kreuzfahrtschiff zu verbringen, in der Weltgeschichte herumzureisen, in teuren Luxushotels zu nächtigen und uns in ebensolchen Restaurants einen dicken Bauch anzufuttern? Warum stehen wir stattdessen morgens mit unseren Hühnern auf, einen jeden Tag, und beginnen relativ pünktlich mit der „Arbeit“ im Garten? Nun, ganz einfach! 

„Wir sind nirgens glücklicher als hier!“

— Cristine Bendix

Weil es uns hinaustreibt in die frische Luft, weil wir kreieren wollen, die schon erschaffenen Areale verbessern, die neu zu schaffenden anlegen wollen. Weil wir pflegen wollen… uns berauschen an der Natur um uns herum. Weil wir die Temperatur, die Luft, das Wetter spüren wollen, uns am Gesang der Vögel und am Brummen der Insekten erfreuen. Weil wir schlichtweg auf der Suche sind nach unserem Paradies auf Erden – und weil es ein unerhört kreativer und befriedigender Prozess ist, es selbst zu erschaffen. Und wenn wir dann sehen, dass manch schon in dieser Gegend ausgestorben geglaubtes Tier wieder ein Zuhause findet bei uns, dann ist das der schönste Lohn und das größte Glück, das wir zurück bekommen.

Unsere Gartenphilosophie lautet: Natur trifft Garten! Garten ist für uns ein Stück Natur, das wir uns ausleihen, um es zu gestalten, um wunderschöne Bilder mit Pflanzen zu malen. So wird der Garten einerseits zur Kunstform, andererseits würden wir niemals so weit gehen, die Natur auszusperren. Es gibt absolut gestaltete Elemente in unserem Gaupeler Landgarten, gleich daneben allerdings lassen wir immer Raum für die Natur. So stehen in Form geschnittene Eiben und Buche gleich in der Blumenwiese oder daneben, gestaltete Beete direkt neben einer Vogelhecke, sehr gepflegte Gebiete, in denen kein Wildwuchs geduldet wird, neben einer wilden Brennnessel- und Distelecke. So fühlen wir uns der Natur so nah wie nur irgend möglich, in einem doch künstlich gestaltetem Bereich. 

Und immer ist da auch ein wenig ein schlechtes Gewissen. Schließlich haben wir zwar ein Stück Land gekauft, in unserem Fall ein sehr großes, aber was heißt das schon? Gekauft??? Bezahlt haben wir nicht das Land, das geht gar nicht. Bezahlt haben wir die Möglichkeit, auf ihm das Beste und Schönste zu kreieren. Und wir möchten mit diesem der Natur entrissenen Stück so verantwortungsvoll wie nur möglich umgehen. Für uns ist es ein großes Ziel, diese Leihgabe so zu gestalten, dass Tiere und Pflanzen sich in großer Vielfalt wieder wohl fühlen bei und auch mit uns. Darin finden wir unser Glück.

Unser Garten ist aus einer ehemaligen Monokultur-Weihnachtsbaumplantage entstanden. Wir mussten zuerst einmal viele Bäume entfernen, um ganz bei Null beginnen zu können. Es gab viele Gartenbereiche, wie eine Streuobstwiese, einen Beeren- und einen Gemüsegarten, Blumenwiesen, Totholzbereiche, Natursteinmauern, und viele viele Blumenbeete natürlich auch, die auf unserem inneren Wunschzettel standen und die wir verwirklichen konnten. Es sollte eine lange und breite Vogelhecke Lebensraum und Nahrung für unendlich vielen Vögeln zur Verfügung stellen. 

Unser Ziel war es, dem uns alle bedrohendem Insektensterben etwas entgegenzusetzen. 

Das geht nur, indem man pflanzt, so viel und so vielfältig wie nur irgend möglich. So entstand ein Biotop von ganz besonderer Güte, welches sich Jahr um Jahr artenreicher präsentiert.

Worauf sollte man hierbei deiner Meinung nach achten?

Wenn man einen naturnahem Garten gestalten möchte, muss man nur auf sehr wenig achten:

  1. Kein Gift und kein künstlicher Dünger!
  2. Eine Anpassung seiner Ordnungsprinzipien an die Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen. Es müssen Lebensräume für Arten geschaffen werden, das geht schlecht, indem man den Garten klinisch „sauber“ hält. Ein Laubblatt ist nur ein Lebensraum, wenn man es liegen lässt. Im Laubsauger nicht mehr. Das bedeutet nicht, dass man einen Messi-Garten haben muss. Man muss halt mit Gespür für die Ästhetik und für die Natur jonglieren, um etwas schönes Ganzes zu erreichen.
  3. Man muss alles tun, um Insekten in den Garten zu locken. Alle Insekten! Nicht nur Schmetterlinge. Das bedeutet, man muss Vielfalt pflanzen.
  4. Hat man dies geschafft, dann kommen Vögel und Kleinsäuger in großer Menge nach – von ganz allein.
  5. Man muss Lebensräume schaffen. Holzhaufen, heimische Büsche und Bäume pflanzen, Steinhaufen, Nischen und Ecken lassen… überall entstehen Lebensräume.

Welche 3 Tipps würdest du jemandem geben, der naturnah seinen Garten gestalten möchte, aber selber komplett neu in diesem Bereich unterwegs ist?

  1. Pflanze einen Apfelbaum, denn ein älteres Exemplar ist ein Lebensraum für sich!
  2. Pflanze grundsätzlich heimische Pflanzen!
  3. Lass in jedem Garten auch eine Wilde Ecke, in der man der Natur das Zepter übergibt!

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