3 Fragen an… Daniel Gewand über Gottes Gedanken zum Klimawandel

Daniel Gewand (Jahrgang 1983) ist Pastoralreferent im Bistum Münster. Aktuell arbeitet er in Coesfeld aus der „Schmiede“ heraus für die Kirchengemeinden St. Lamberti und Anna Katharina für das Projekt frei.raum.Coesfeld. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter lebt er in Münster.

Daniel, im Lukasevangelium steht:

„Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so geschieht es. Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß. Und es geschieht. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu deuten. Warum könnt ihr dann diese Zeit der Entscheidung nicht deuten?“ (Lk 12,54-56)

Wenn Gott jetzt zwischen uns beiden sitzen würde, was glaubst du, würde er dazu sagen, wie wir aktuell mit seiner Schöpfung umgehen?

Ich würde mal salopp vermuten: Er wäre not amused. Spannend ist die Bibelstelle, die du zitierst. Da geht es zwar nicht um die Bewahrung der Schöpfung, sondern um das theologische Thema der Naherwartung und die Vorbereitung auf das Ende der Zeit. Trotzdem passt die Stelle zum Thema deines Blogs. Jesus wirft den Menschen vor, dass sie die Zeichen der Zeit zwar sehen, aber nicht bereit sind, sie zu deuten und ihr Verhalten entsprechend zu ändern. Und damit sind wir ja beim Thema.

Die Zeichen sind da: Die Hitzewelle in Nordamerika und der Starkregen samt Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Wetterextreme werden heftiger und häufiger, aber wir Menschen tun uns schwer damit, unser Verhalten zu entsprechend ändern.

Dabei ist – wie du schreibst – 1,5 vor zwölf und biblisch gelesen ist es unser Auftrag als Menschen für die Schöpfung zu sorgen. Im Schöpfungsbericht sagt Gott zu den Menschen nach ihrer Erschaffung: „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“ (Gen 1,28) Das Unterwerfen ist hier nicht als bedingungsloses Herrschen und Ausbeuten zu verstehen, sondern meint vom hebräischen Original her fürsorgendes Verwalten. Der Mensch steht wie ein guter König an der Spitze der Schöpfung und ist in dem Sinne verantwortlich die Schöpfung zu bewahren und zu beschützen.

Wenn wir so den Auftrag Gottes an uns Menschen verstehen, dann würde Gott wohl sagen: Auftrag nicht erfüllt. Oder aber er sagt: Versteht endlich die Zeichen, deutet sie und ändert euch. Jetzt!

Die Coronakrise ist da, die Klimakatastrophe wird folgen bzw. ist auch schon hier im Münsterland sichtbar. Fraglich ist nur das Ausmaß, was daran liegen wird, wie schnell wir umlenken können. Ziemlich unsichere Zeiten für uns Menschen auf dieser Erde. Wie kann unsere Gesellschaft einen Weg aus der Krise finden?

Wir müssen solidarisch bleiben und vor allem global solidarischer werden. In den letzten Monaten haben wir gemerkt, wie die Corona-Krise unsere Gesellschaft verändert. Es gibt beides: Populismus und Egoismus, aber auch Solidarität und Verantwortung.

Ich denke, dass der Weg aus den Krisen mit Solidarität und Verantwortung gepflastert ist. Wir bewältigen die Krisen nur gemeinsam, nur wenn wir daran denken, dass wir nicht alleine auf der Welt leben und auch nach uns noch Menschen hier leben wollen. Und vor allem müssen wir alle entsprechend handeln. So verstehe ich als Christ den biblischen Schöpfungsauftrag.

Laut Verdi beschäftigen die evangelische und katholische Kirche bzw. ihre Organisationen (Diakonie und Caritas) ca. 1,3 Millionen Mitarbeiter. Damit ist die Kirche in Deutschland nach dem öffentlichen Dienst der zweitgrößte Arbeitgeber. Wie erlebst du deinen Arbeitgeber in Bezug auf ein klimaschonendes Leben? Findet hier ein Umdenken statt und wenn nicht – woran liegt das?

Ich würde sagen, dass in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden hat. Und vor allem gibt es den Willen, sich als Kirchen verstärkt im Klima- und Umweltschutz zu engagieren.

Papst Franziskus und verschiedene Bischöfe versuchen politischen Einfluss zu nehmen und fordern die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens oder den schnelleren Ausbau von erneuerbaren Energien. Der katholische Umweltbischof Rolf Lohmann kommt aus dem Bistum Münster und platziert das Thema nicht nur auf Bundesebene, sondern auch hier im Münsterland.

Im Bistum Münster gibt es z.B. das Projekt „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften im Bistum Münster“. Egal, ob es um recyceltes Papier, sparsame Beleuchtungssysteme oder Heizen mit nachwachsenden Rohstoffen geht. Die Kirchengemeinden und Einrichtungen vor Ort werden unterstützt, auf nachhaltige Beschaffungsformen umzustellen und mit dem Zertifikat „Öko-Faire Einrichtung“ ausgezeichnet. Die Kolping Bildungsstätte in Coesfeld ist schon seit 2016 Öko Fair, die beiden Coesfelder Kirchengemeinden sind auf dem Weg und bereiten sich gerade auf die Umstellung vor.

Das ist gut. Sicherlich ist aber auch bei den Kirchen, den kirchlichen Einrichtungen und Organisationen noch mehr Potential.


Quellenangaben

Titelbild: Verena Fuhrmann

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