3 Fragen an … Gabriele Küper über nachhaltige Friseurbetriebe

Gabriele Küper (Jahrgang 1963) ist gelernte Friseurin und Friseurmeisterin. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Familie seit 2002 in Coesfeld. Im Jahre 1994 eröffnete Gabriele in Coesfeld ihren Friseursalon „Mensch und Haar“.


Gabriele, du arbeitest schon seit 41 Jahren als Friseurin und hast dich früh um das Thema Nachhaltigkeit bemüht. Wie kam das und warum ist dir dieses Thema so wichtig?

Das fing in den 90er Jahren an und der Einstieg in das Thema war für mich die ökologisch-wertvolle Ernährung. Was im privaten Bereich anfing, ging dann natürlich schnell über in den beruflichen Bereich, wo ich mich gefragt habe, was eigentlich in unseren Haarpflegeprodukten drin ist. Eine Kundin hatte sehr stark auf Konservierungsstoffe reagiert. Da habe ich Dinge hinterfragt. 

„Mich hat interessiert, was hinter den Worten „Natürliche Konservierungsstoffen“ wirklich steckt. “

— Gabriele Küper

Ich habe für mich persönlich erkannt, dass das weder für Umwelt noch für den Menschen gut sein kann, was normale Shampoos alles an Inhaltsstoffen haben. Die Erkrankung der Kundin war also für mich noch einmal ein Auslöser. Meine Ausbildung zur Friseurin habe ich aber in einem konventionellen Friseurbetrieb gemacht. Im Jahre 1990 habe ich die Meisterschule besucht, weil ich mich immer schon selbstständig machen wollte. Nach 10 Jahre in einem „normalen“ Friseurbetrieb konnte ich mich dann 1994 selbstständig machen. Aber auch im beruflichen Bereich war das Thema Nachhaltigkeit ein längerer Prozess und es gab noch nicht so viele Unternehmen mit Produkten. Ich habe den Kontakt zu dem Unternehmen „Culumnatura“ in Österreich gesucht und lange mit denen telefoniert. Das hat mich noch einmal in meinem Wunsch bestätigt und ich habe mich im Jahre 2000 ganz von der Chemie verabschiedet.

Klimaschutz und der Besuch beim Friseur würden jetzt nicht alle Coesfelder:innen  direkt in Verbindung bringen. Kannst du uns erklären, welche Dinge man bei diesem Thema berücksichtigen kann?

  • Chemie vermeiden. Das ist weder gesund für den Kunden, noch für die Friseure. Viele Friseurinnen haben Hautprobleme durch die Arbeit mit den chemischen Haarfarben und das Tragen von Handschuhen. Für den Kunden ist das auch nicht gesund, denn die Inhaltsstoffe gehen auf den Körper über.
  • Alufolie austauschen. Das ist eines der einfachsten Dinge für alle Beteiligten! 1 Kopf hat zwischen 50-100 Strähnchenfolien. Wenn man in einem Betrieb 3 Mitarbeitenden hat und am Tag xx Kunden, die Strähnchen haben möchten – das läppert sich! Alternativ kann man Papier nehmen. Color Paper nennt sich das im Friseurbereich.
  • Wasserverbrauch verringern. Wir brauchen für unseren Beruf viel Wasser, gerade fürs Färben. Die Rückwärtswaschbecken kann man schnell und unkompliziert mit Wasserpelatoren ausstatten, das spart total viel Wasser. 
  • Personal langfristig binden. Das ist für mich auch etwas zum Thema Nachhaltigkeit: Die Friseure vernünftig ausbilden und bezahlen. Wenn ein Haarschnitt 15 EURO kostet, wie viel kommt dann beim Mitarbeitenden an? Da haben auch die Verbraucher:innen einen Einfluss drauf. 

Merkst du, dass das Thema Klimaschutz in deiner Branche angekommen ist? Gibt es für dich mehr Möglichkeiten als früher, dein Konzept zu verfolgen?

Die Kunden sind wesentlich informierter als in den Anfängen meiner Friseurzeit. Da habe ich jeder Kundin bei der Erstbehandlung lange über Zusatzstoffe und so beraten. Heute sind die Kunden gut informiert, auch kritischer, aber eben weil sie informierter sind. Sie suchen sich explizit ein Friseur aus, der dieses Konzept hat. Viele kommen über den Weg, dass sie eine Haarfarbe ohne Chemie suchen.

Tatsächlich sehe ich aber nicht, dass sich die Anzahl der Möglichkeiten, mein eigenes nachhaltiges Konzept zu verfolgen, in den letzten Jahren erweitert hat. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mehr Auswahl als früher habe, weil ich sehr darauf achte, was wirklich nachhaltig heißt. Die Produkte müssen nicht nur nachhaltig sein, sondern das Unternehmen dahinter dieses auch nachhaltig produzieren und gut mit ihren Mitarbeitenden umgeht. Ich möchte nicht konsum- oder trendorientiert arbeiten. Die Gewinnung eines guten Naturprodukts hat eine gewisse Währung, wie ich finde. Manchmal habe ich auch Produkte, die ich aufnehme, die eigentlich aus einem anderen Bereich kommen. Ich habe z.B: ein Haar-Pflegeprodukt, was von einem Unternehmen kommt, die eigentlich Körperprodukte machen. Die haben dann auch das Bio-Siegel, wo keine belastende Inhaltsstoffe drin sind. Das ist mir wichtig.

Es gibt nämlich viele Firmen, die nach außen hin ein Umweltkonzept haben. Aber in Wirklichkeit nur Marketing Strategien und den Konsum anregen möchten, aber nicht nachhaltig ökologisch arbeiten.

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Eine Antwort

  1. 24. April 2021

    […] Mensch & Haar  sieht das Thema Nachhaltigkeit nicht als Trend, sondern als Lebenseinstellung. Alle Produkte sind aus nachwachsenden Ressourcen. Die Pflanzenfarben sind frei von chemischen Pigmenten, Konservierungen, Duft- und Farbstoffen, Emulgatoren, Paraffin und Silikon.  Ökostrom, eine Wasseraufbereitungsanlage, unverpackte Pflegeprodukte und Müllvermeidung sind weitere Bestandteile und die Strähnchen werden bei Gabriele Küper mithilfe von Papier statt Alufolie gemacht. […]

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