3 Fragen an … Saskia Land über vegane Ernährung

Saskia Land (Jahrgang 1978) ist gebürtige Coesfelderin und lebt gemeinsam mit ihrer Familie in der schönen Berkelstadt. Die gelernte technische Systemplanerin ist ehrenamtlich im Vorstand der Maria- Montessori-Grundschule aktiv.

Saskia, wann hast du dich entschieden, dich komplett vegan zu ernähren und wie kam es dazu?

Wir, mein Mann und ich, hatten schon häufiger vegetarische Phasen, sind aber nach einiger Zeit immer wieder in den alten Trott verfallen. Das sollte sich im Frühjahr 2015 endlich grundlegend ändern. Wir folgten einem Aufruf und wollten während einer 4-wöchigen Challenge ausprobieren, wie sich eine strikt vegane Ernährung auf den Körper auswirkt. Besonders haben wir uns darauf gefreut, neue Lebensmittel kennenzulernen und leckere Rezepte auszuprobieren.

Unser Haushalt war schnell mit einigen Basics auf die vegane Küche umgestellt und wir gewöhnten uns sehr leicht an den Umgang mit Produkten wie Hülsenfrüchte, pflanzliche Milch, Nüsse, Mandelmus oder Tofu. Neben Obst und Gemüse gehören sie zur ausgewogenen Versorgung mit Nährstoffen dazu. Seit mittlerweile fast 6 Jahren ernähren wir uns ausschließlich pflanzlich und haben die Entscheidung von 2015 nie bereut.

„Die einfache Umsetzbarkeit und das Ergebnis köstlicher Rezepte verbunden mit einem „leichten Bauchgefühl“ nach den Mahlzeiten, machten uns schnell klar, dass wir auch nach den 4 Wochen nicht mehr zurück zur alten Ernährungsform wollten.“

— Saskia Land

Was ist für dich persönlich die größte Herausforderung (in Coesfeld) und wie klappt die Umsetzung in deinem Familien- und Arbeitsleben?

Nach anfänglicher Skepsis im Familien- und Freundeskreis überwogen schnell interessierte Nachfragen und der ein oder andere wurde im Laufe der Zeit mutiger, auch mal „unsere Speisen“ auf Festen oder beim gemeinsamen Kochen zu probieren. Es gibt überwiegend positives Feedback für unsere veganen Kuchen, Dips oder Suppen, aber konsequent umstellen wollte bisher keiner unserer Bekannten.

Unseren Kindern (9 und 4 Jahre) haben wir von Anfang an die Wahl gelassen, zu essen, was ihnen schmeckt. Es gab also keine komplizierten Auflagen an die Großeltern oder beim Mittagessen in Kita bzw. Schule. Zu Hause kochen wir ausschließlich pflanzlich und die Kinder haben gelernt, sehr offen und neugierig auf fast alles zu sein, was wir anbieten. Mittlerweile mögen Kinder weder Fleisch noch Milchprodukte. Nur auf zwei Sachen möchten sie nicht verzichten: Eier und Gummibärchen. Die gibt es für sie also auch bei uns.

Die Herausforderung im Arbeitsleben hält sich in Grenzen. Ich bin als Selbstversorgerin unterwegs und kann daher glücklicher Weise frei bestimmen, wie mein Lunchpaket aussieht. Mein Mann hat in der Kantine mindestens die Salatbar und manchmal ist das vegetarische Gericht auch zufällig vegan.

Hier wäre es oft ein Leichtes, die letzte tierische Zutat wie Sahne oder Hühnerbrühe als Soßenbasis durch pflanzliche Produkte zu ersetzen und wahrscheinlich würde es niemandem auffallen. Auf Nachfrage wird dem auch zugestimmt, aber es ist in vielen Küchen einfach noch nicht „Standard“.

In der Coesfelder Gastronomie hat sich in Sachen vegane Alternativen leider in den letzten Jahren nur sehr wenig getan. Es gibt in zwei Läden pflanzliche Burger und zur Pommes auch eifreie Majo. Glücklicherweise bietet eine Eisdiele zwei vegane Sorten Eis an und sogar eine Waffel dazu. Aber warum es für Cafébetreiber immer noch zu kompliziert sein soll, eine Packung Hafermilch oder pflanzliche Barista für einen Cappuccino bereitzustellen, verstehe ich im Jahr 2021 wirklich nicht. Dabei wäre das nicht nur freundlich für eine noch relativ kleine Gruppe Veganer, auch Allergiker und Laktose intolerante Personen dürften das Angebot begrüßen. Vielleicht fragen wir einfach zu wenig nach Alternativen und trinken statt dessen lieber Tee. Ich werde es bei nächster Gelegenheit unbedingt wieder mal auf die Probe stellen.

Was wären deine drei Tipps an jemanden, der diesen Weg auch mal ausprobieren möchte und noch ganz am Anfang steht?

  • Sei neugierig, informiere dich über die vielen Vorteile und finde deinen persönlichen Trigger: Willst du das Tierleid verringern? Deinen persönlichen CO2 Abdruck einfach aber deutlich reduzieren? Oder einfach mal spüren, wie gut sich pflanzliche Ernährung auf deinen Körper auswirkt? (einen Überblick findest du z.B. bei PETA)
  • Ersetze einzelne Gerichte durch pflanzliche Alternativen, probiere z.B. eine Linsenbolognese oder esse dein Müsli mit Reis- oder Hafermilch. Besonders, wenn du nicht für dich alleine kochst und deine Familie noch nicht überzeugt ist, bietet sich diese Möglichkeit für einen Einstieg gut an. Du kannst dich zusätzlich im Internet auch einer Gruppe Gleichgesinnter anschließen, der Austausch motiviert und inspiriert zu gleich.
  • Mein ganz persönlicher Tipp: Radikal die 4-Wochen-Challenge strikt und ohne Ausnahme durchziehen! 4 Wochen – das kann man schaffen und danach weißt du, wovon du sprichst und bist nicht auf die Argumente Anderer angewiesen. Du beurteilst anhand deiner persönlichen Erfahrungen, ob du das Thema für dich abhaken kannst, ob du erstmal „langsam“ weitermachst oder ob du dich selbst überzeugt hast und die positiven Auswirkungen rein pflanzlicher Ernährung auch in Zukunft nicht missen möchtest. 

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