Alle Jahre wieder: Die Suche nach dem klimafreundlichen Weihnachtsbaum

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Der beliebteste Christbaum der Deutschen ist die Nordmanntanne. Was viele nicht wissen: Sie wächst ursprünglich gar nicht bei uns. Überhaupt haben etwa drei Millionen der fast 30 Millionen verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland weite Transportwege hinter sich. Sie kommen aus Nachbarländern wie Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen oder Tschechien zu uns – entsprechend groß ist der ökologische Fußabdruck. Und das alles für Holz, das wir nach vier Wochen wegwerfen.

Woran erkenne ich einen nachhaltigen Weihnachtsbaum?

Ein Baum aus einem regionalen (Misch)Wald ist besser als aus Monokultur oder aus dem Ausland.

Ein erstes und sehr einfaches Kriterium ist die Wahl der Baumart. Es ist besser, sich für eine regionale Baumart zu entscheiden. Das wären zum Beispiel  Fichten, Kiefern oder Tannen. Eine Möglichkeit dafür sind Bäume aus regionaler Forstwirtschaft. 

Ökologisch nachhaltige Weihnachtsbäume werden ohne Pestizide angebaut. Sie werden entweder mechanisch oder durch Schafbeweidung von Aufwuchs freigehalten. Die Ausscheidungen der Tiere sorgen dabei sogar für extra Naturdünger. Zudem überleben im Ökoanbau nützliche Insekten, die einen Totalverlust durch Schädlingsbefall wie in einem konventionellen Betrieb verhindern können. Darüber hinaus wird auf Mineraldüngung oder Entwässerung verzichtet. [1] Erkennen kannst du diese Bäume am einfachsten durch ihr Siegel für ökologischen Landbau wie Bioland, Naturland oder Bio. Oder am Siegel für ökologisch ausgerichteten Waldbau wie Naturland oder FSC.

Bei uns in der Region zum Beispiel findest du eine Auflistung BIO-zertifizierter Nordmann-Tannen bei Robin Wood (Link in den Quellen).[2] Solltest du also z.B. in Münster arbeiten, schau dort gerne mal vorbei. Auch BioLesker aus Stadtlohn bietet ökologische Weihnachtsbäume an.

Wie ist die Klimabilanz eines Plastikbaumes?

Im ersten Moment erscheint der Gedanke gut. Wir kaufen einen Baum aus Plastik, den wir jedes Jahr relativ einfach wieder zusammenbauen können. Allerdings sprechen laut Utopia auch einige wesentliche Argumente gegen diese Idee, denn die meisten Plastik-Weihnachtsbäume kommen aus Fernost. 3] Diese Bäume haben einen langen Transportweg hinter sich. Dementsprechend groß ist ihr ökologische Fußabdruck, von den noch immer eher geringen Sozial- und Umweltstandards an Produktionsstandorten wie China mal ganz abgesehen. Eine Studie der Ellipsos wollte es im Jahre 2009 genau wissen und betrachtete die CO2-Emissionen. Das Ergebnis[4]:

To put things into perspective, the emitted CO2 over the entire life cycle are approximately 3.1 kg CO2 per year for the natural tree and 8.1 kg CO2 per year for the artificial tree (48.3 kg for its entire life span). These CO2 emissions roughly correspond to driving an average car (150 g/km) 125 km and 322 km, respectively. Therefore, carpooling or biking to work only one to three weeks per year would offset the carbon emissions from both types of Christmas trees.

Ellipsos

Die Wahl des Verkehrsmittels zur Arbeit und die Länge der Fahrt würden dabei einen deutlich größeren Unterschied machen, als die Wahl zwischen künstlichem und echtem Baum.

Wer also unbedingt Kunststoff will, sollte vor allem eines tun: Das Plastik möglichst lange verwenden. Der Plastik-„Baum“ muss mindestens sechs Jahre verwendet werden, damit er besser abschneidet. Das gilt aber nur bei reiner CO2-Betrachtung. Weiterhin muss man natürlich bedenken, dass Plastik vor allem begrenzte fossile Rohstoffe verbraucht, die CO2 freisetzt. (Leseempfehlung: Welche Arten von Plastik gibt es?)

Auch der Weihnachtsschmuck spielt eine Rolle beim ökologischen Weihnachtsbaum!

Natürlicher Weihnachtsschmuck eignet sich besser als Plastik und ist genauso bruchsicher.

Wer nun seinen Weihnachtsbaum natürlich schmücken möchte, greift zu Dekoration aus Nüssen, Holz, Stoffbändern, Papier, Stroh oder Bienenwachs. Auch Essbares wie Plätzchen oder Obst steht dem Weihnachtsbaum gut. Papiersterne basteln, Anhänger aus Salzgebäck ausstechen und bemalen, Zapfen, Samen und Früchte von Bäumen und Sträuchern verwenden oder getrocknete Fruchtringe von Äpfeln, Orangen oder Aprikosen auffädeln.

Schnee- oder Glitzersprays hingegen sollten nicht auf Weihnachtsbäumen landen. Glitzer besteht häufig aus PET, was wiederum sich als Mikroplastik in der Umwelt nur sehr langsam abbauen lässt. Außerdem können Tannen mit Glitzerspray nicht kompostiert werden.

Und jetzt?

Der Großteil des Saatguts für die Weihnachtsbaumproduktion stammt im Übrigen aus Georgien. Die Zapfenpflücker:innen arbeiteten dort oft unter gefährlichen Bedingungen.[5] Hier also ein paar Anregungen für einen Weihnachtsbaum mit einem möglichst geringen Co2-Ausstoß:

  • Gärtnereien verkaufen oftmals auch Tannenbäume mit Ballen. Vielleicht gibt es auch in deinem Umfeld eine lokale Gärtnerei, wo du solche Bäume kaufen kannst. Danach kannst du diese einfach mitsamt dem Ballen und eines Topfes wieder in deinem Garten ausquartieren. Wichtig ist hierbei die Pflege bzw. das Vorgehen der Akklimatisierung des Baumes zu beachten. Frag einfach mal nach.
  • Pflanze eine Tanne in deinem Garten und schmücke diese einfach jedes Jahr.  So entfällt auch das lästige Wegfegen der Tannennadeln oder die Entsorgung. Dies ist die ökologischste Form, denn nicht nur du hast etwas zu Weihnachten von dem Baum, sondern auch die Tier- und Vogelwelt hat das gesamte Jahr etwas davon.
  • Vielleicht kennst du eine:n Landwirt:in oder Hobbygärtner:in mit Wald? Auch dort müssen regelmäßig Bäume gefällt werden, um dem restlichen Bestand Luft, Raum oder die Wasserversorgung zu garantieren.

Du bist bereit für ein Weihnachten ohne Nadeln? Dann schaut mal bei Ecosia oder Pinterest vorbei. Dort gibt es immer schöne Ideen als Alternative.


Unsere Quellenangaben:


Foto von Any Lane von Pexels

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