Bernadette Weiling-Erning, wieso sind Bio-Bananen oft in Plastik eingepackt?

Bernadette Weiling-Erning (Jahrgang 1967) ist Leiterin des Musterladens des Biohändlers Weiling. Neben ihrem Engagement im Familienbetrieb sieht man die Tochter des Firmengründers oft gemeinsam mit ihrem Mann das Münsterland mit dem Mountainbike erkunden.


Frau Weiling-Erning, eine Frage beschäftigt mich schon sehr lange: wie viel Plastik gibt es rund um eine Banane?

Bei der traditionellen Bananenerzeugung wird im Ursprung an vielen Stellen Plastik verwendet. Beispielsweise werden Plastiktüten über die Fruchtstände gezogen, damit diese von den bewegten Blättern im Wind nicht zerkratzt werden und vor Insekten geschützt sind. Bunte Plastikbänder werden eingesetzt, um den Reifegrad der Stauden für die Erntehelfer zu markieren. Zusätzlich trennt Schaumstoff die Stauden voneinander, damit die einzelnen Hände der Stauden sich gegenseitig nicht durch Reibung beschädigen. Außerdem nutzen die Erzeuger Spannschnüre aus Plastik, um die Bananenpflanzen bei Wind vor dem Abknicken zu schützen.

Wir arbeiten mit den Dominique Farms aus Kolumbien zusammen. Das sind Pioniere, die auf insgesamt drei Fincas mit einer Gesamtfläche von 145 ha Bio-Bananen plastikfrei anbauen. Während sich 100 ha derzeit in der Umstellung befinden, wachsen auf den weiteren 45 ha bereits die Bio-Bananen in biologisch-dynamischer Qualität. Diese handeln wir seit letztem Jahr als Verbandsware exklusiv unter der Marke „bioladen*Dominique“. Alle bisherigen Plastikmaterialien wurden im Herbst 2020 durch Alternativen aus Papier ersetzt.

Über viele Jahre versuchten Luis und sein Team von Dominique Farms dieses Plastik durch Papier zu ersetzen. Nach zahlreichen Versuchen und Tests mit insgesamt 16 verschiedenen Papierqualitäten ist ihnen die Umstellung endlich gelungen. Alle bisherigen Plastikmaterialien wurden durch Alternativen aus Papier ersetzt.

Sind Ihre „Dominique“ Bananen dann 100% plastikfrei?

Während wir bei unseren Bananen von Dominique nun eine plastikfreie Produktion haben, fällt bei der Verpackung trotz Mehrwegkisten noch Plastik in Form eines Kunststoffbeutels (Banavac) an. Auch hier sind wir in einem Versuchsprojekt dabei das Plastik durch Papier zu ersetzen. Seit ca. 12 Wochen bekommen wir jede Woche zwei Paletten Bananen, bei denen der Kunststoffbeutel bereits durch Papier ersetzt worden ist. Die qualitativen Ergebnisse sind vielversprechend, sodass wir in Vorbereitung auf eine komplette Umstellung stehen. Damit wäre dann auch der letzte Teil Einweg-Plastik vermieden.

Sie nutzen also auch Mehrwegtransportkisten. Wie funktioniert dieses Prinzip und was ist der Vorteil?

Unsere bioladen- und bioladen fair-Bananen haben grundsätzlich keine Endverbraucherverpackung: Sie werden nach der Ernte direkt in die Mehrweg-Transportverpackung (IFCO bzw. Caja de Oro) verpackt, mit der sie auch im Einzelhandel angeliefert werden.

Diese Transport-Mehrwegverpackung besteht aus dem Kunststoff Polypropylen.  IFCOs RPCs (Reusable Plastic Containers) sind zu 100% recycelbar und recycelt. Im Gegensatz dazu müssten Einwegverpackungen wie Kartons bereits nach jedem Gebrauch recycelt werden, was nicht nur Energie verbraucht, sondern auch dazu führt, dass die Verpackung nach dem Recycling auf den Status „keine Lebensmittelqualität“ herabgestuft wird. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus eines RPCs, so ist eindeutig, dass Mehrwegbehälter umweltfreundlicher sind als Einwegbehälter. Im Vergleich zu Einwegverpackungen produzieren IFCO RPCs bis zu 60% weniger CO₂ Emissionen und etwa 86% weniger Feststoffabfall, während 64% weniger Energie und 80% weniger Wasser verbraucht werden. Zudem werden Lebensmittelabfälle vermieden, da sich die Anzahl der Produktschäden beim Transport um über 96% reduziert.

Pendeln Ihre Mehrwegtransportkisten somit zwischen Ihrer Zentrale in Coesfeld und den Dominique Farms in Kolumbien?

Nein. Die Mehrwegkisten pendeln nicht von uns aus, sondern sie werden zu einer Spülstraße retourniert, da die Kisten ja gereinigt werden müssen. Jeder unserer Lieferanten ordert dann die benötigten Kisten selbst.

Wie finanziert sich so eine Umstellung und wie kann man diese Erkenntnisse für den Handel verfügbar machen?

Die gesamte bisher gelaufene Entwicklung in der nachhaltigen Optimierung unseres Bio-Bananenhandels wurde von uns u.a. auch finanziell unterstützt. Nun nehmen wir auch an einer weiteren Studie teil, um diesen Prozess noch zu verbessern. Ferner ist es unser Bestreben auch eine Umstellung auf plastikfreien Anbau für unsere „Bioladen fair Bananen“ zu ermöglichen. Dafür haben wir unsere bioladen fair-Erzeuger in der Dominikanischen Republik und in Ecuador mit ins Boot geholt. Eine Studie zusammen mit u.a. Demeter und der Universität von Hohenheim, wo neben den Umweltaspekten auch wirtschaftliche und soziale Aspekte wissenschaftlich untersucht werden. Zusätzlich experimentieren wir in der Dominikanischen Republik auch mit dem Anbau ganz ohne Verpackungen.

Sie haben sich bei Weiling ein großes Ziel gesteckt. 99% der Obst-und Gemüsewaren sollen plastikfreie“Endverbraucherverpackungen“ haben. Warum ist Ihnen dieses Thema eine Herzensangelegenheit und wie war der unternehmerische Weg dorthin?

Grundsätzlich haben viele Produkte von Natur aus schon eine gute Verpackung, ihre Schale, mitbekommen. Aus unserer Sicht ist in den allermeisten keine weitere als diese Verpackung, die beste Verpackung. Deshalb sind über 90% aller Obst- und Gemüseprodukte bei Weiling auch unverpackt. Bei etwas weniger als 10% haben wir noch eine sogenannte Endverbraucherverpackung, weil diese Produkte sonst schlecht oder gar nicht zu handhaben wären (z.B. Beerenobst). Hier haben wir uns aber das Ziel gesetzt, nach und nach auf kunststofffreie Verpackungen umzustellen, weil es geht und auch von unseren Kunden gewünscht wird.

„Grundsätzlich haben viele Produkte von Natur aus schon eine gute Verpackung, ihre Schale, mitbekommen. Aus unserer Sicht ist in den allermeisten keine weitere als diese Verpackung, die beste Verpackung.“

— Bernadette Erning-Weiling

In unseren „Weiling-Leitlinien“ steht u.a., dass wir unseren Beitrag leisten, damit wir unseren Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Welt übergeben können und dass wir dies ökologisch, ökonomisch, sozial und ethisch im Gleichgewicht erreichen wollen. Das ist Teil unserer DNA geworden und wird im Unternehmen tagtäglich gelebt.

Generell betrachten wir mehrere Aspekte und dazu gehört auch der CO₂-Fußabdruck von Verpackungen. Hier kann Kunststoff tatsächlich unter Umständen sinnvoller sein. Insgesamt werden aber alle CO₂-Emissionen bei unseren Obst- und Gemüseprodukten, inklusive ihrer Verpackungen vom Saatgut bis zum Einzelhändler, bilanziert und in einem international anerkannten Projekt nach höchstem Gold-Standard kompensiert. Dies wird auch auf unserer Internetseite dargestellt.

Mehrweg Pfandflaschen im Bioladen Weiling

Für Endverbrauchende ist es oftmals sehr schwierig, sich in dem Verpackungsdschungel zurechtzufinden. Was sind Ihre 3 effektivsten Tipps gegen die Plastikflut?

Kunststoff zu vermeiden ist natürlich die beste Lösung. Ansonsten wäre meine Empfehlung:

  1. Bringen Sie zum Einkauf Ihre eigenen Behälter für Obst, Gemüse, Brot etc. mit.
  2. Überlegen Sie bei Umverpackungen: „Geht es auch ohne?“.
  3. Beobachten Sie sich selbst beim Einkaufen von Kosmetik, Textilien, Deko-Artikeln etc. und fragen sich: Welche Rohstoffe wurden verwendet?

Wichtig ist schlussendlich, sein eigenes Tun immer wieder zu überdenken und bewusst einzukaufen. Jeder Einkauf ist ein klares Bekenntnis.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.