Der Klimawandel in unseren Gärten – wir können was tun!

Seit den sich wiederholenden Hitzesommern ist Wassermangel für viele Gärtner:innen zum Problem geworden. Gleichzeitig kann der Frost im Frühjahr doch noch mal kommen, wobei die Pflanzen, die bereits am austreiben waren, einen herben Frostschaden davon tragen können.


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Laut dem LWG Bayern gibt es folgende Prognosen für einen Garten in der Zukunft:

  1. Es gibt immer öfter auch länger dauernde Perioden mit ausgeprägter Sommertrockenheit
  2. Es wird öfter Starkregenereignisse geben
  3. Der „verlängerte“ Sommer sorgt in Kombination mit der nach den ersten Herbstregen oft erhöhten Bodenfeuchte für einen erhöhten Humus-abbau und somit auch zu einer stärkeren Stickstofffreisetzung im Herbst
  4. Der typische Herbst dauert länger, manchmal beginnt der Winter erst im neuen Jahr
  5. Mit den durchschnittlich erhöhten Temperaturen bleibt auch der Boden ganzjährig wärmer.
  6. Die Schadwirkung von Spätfrösten steigt, weil die Vegetation in solchen Frostnächten oft bereits stark verfrüht und somit empfindlicher ist.

Die Ursache der Veränderung: Der Klimawandel. Viele (Hobby-) Gärtner:innen müssen deswegen umdenken und manchmal auch eine alternative Pflanzenwahl treffen. Aber jede:r von uns kann auch einen großen Beitrag dazu leisten, die Biodiversität im eigenen Garten zu erhöhen oder gar zurück zubringen. Deshalb laden wir euch ein, im Mai an unserer Klimachallenge teilzunehmen. Rein in die Gummistiefel und macht eure Garten wieder naturnah und erlebbar!

Wir können etwas tun!

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern.“

Afrikanisches Sprichwort

Dieser Spruch aus Afrika geht Antje, NABU-Mitglied aus Coesfeld, nicht mehr aus dem Kopf, wenn sie Balkone, Vorgärten und Gärten sieht. Gärten, egal wie groß, sogar Topfgärten, haben eine „Trittsteinfunktion“. Sie verbinden sich untereinander, schaffen so „Wege“ zu Grünanlagen, Außenbereichen, Parks, Schutzgebieten und Nationalparken. Sie bilden so die Grundlage für den Austausch der Arten vom Außenbereichen in die Stadt und umgekehrt. Je nach Qualität, tragen die vielen kleinen und großen Gartenanlagen dazu bei die Biodiversität zu fördern und zu sichern. Auch verändert dieses Band das Mikro-sowie das Stadtklima und kann sogar das globale Klima beeinflussen.

Laut NABU gibt es in Deutschland ca. 13 Millionen Privatgärten. Die Fläche aller deutschen Gärten zusammen entspricht damit in etwa der gesamten Fläche der Naturschutzgebiete des Landes. Auch wenn die bestehenden Naturschutzgebiete natürlich nicht durch den Naturschutz im Garten ersetzt werden können, so rückt dennoch der eigene Garten, vor allem der Naturgarten, verstärkt in den Vordergrund, wenn es darum geht, einen Beitrag zur Erhalt und das Überleben unserer heimischen Tierwelt zu leisten. 

Warum ist eine Biodiversität eigentlich so wichtig?

Der Begriff Biodiversität bedeutet Vielfalt der Ökosysteme, also der Lebensbereiche. Hierbei gilt: je vielfältiger, desto besser. Laut Quarks spielt jede Art in ihrem Ökosystem eine eigene Rolle. Viele nehmen wir nicht bewusst war, weil wir sie gar nicht sehen. Aber das Wattenmeer und die Böden wären ohne Regenwürmer nicht vorstellbar. Jedes Ökosystem umfasst dabei ein kompliziertes Geflecht von Millionen von Arten, die sich gegenseitig beeinflussen. Die Systeme streben ein Gleichgewicht an und regulieren sich selbst. 

Der Mensch hat dieses Gleichgewicht durch seine Dominanz erheblich gestört. Dabei ist er in hohem Maße auf die Vielfalt der Spezies und Ökosysteme angewiesen. Die Tropen bieten nicht nur Lebensraum für besonders viele Tierarten, sie produzieren auch einen Großteil des Sauerstoffs, den der Mensch zum Atmen benötigt. Insekten, Bakterien und Pilze zersetzen totes Material, damit die Nährstoffe erneut durch die Nahrungskette wandern– und letztlich auch den Menschen ernähren.

Mit kleinen Entscheidungen einen Schritt in die richtige Richtung

Wir haben Antje gebeten, uns einfache Anregungen zu geben, um einen Garten (wieder) naturnah zu gestalten. Die Expert:innen unter euch können runterscrollen auf den zweiten Aufgabenbereich der Challenge.  

Torffreie Blumenerde

Dieser Schritt ist eigentlich ganz leicht. Gehe in eine Gartenhandel oder Baumarkt (in Coesfeld z.B. zu Ikings Paradies oder Hagebaumarkt) und kaufe mit offenen Augen Blumenerde ein. Du findest auf der Rückseite der Säcke die „Zutatenliste“. ACHTUNG: nicht jede BIO- Blumenerde ist auch torffrei. Frage auch in deiner Gärtnerei nach torffreier Erde und nach den Erden, in denen die Topfpflanzen angebaut sind. Denn die Nachfrage entscheidet über das Angebot.

Warum?

  • Obwohl Moore nur drei Prozent der Landfläche unserer Erde bedecken, binden sie doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt. (Lesetipp: NABU Torffrei)
  • Ein Torfkörper wächst extrem langsam, nur etwa einen Millimeter pro Jahr. Bis sich ein Moor mit einer ein Meter mächtigen Torfschicht entwickelt hat, dauert es etwa 1.000 Jahre. (aus „Unsere Moore- Schutz und Entwicklung“)
  • Ein großer Teil des Torfes wird heute importiert und hat so weite Transportwege.
  • Moore sind ein ganz spezieller Lebensraum. Mit torffreier Blumenerde trägt jede:r zum Artenschutz bei. (Absolute Sehempfehlung: Das Moor – Faszination Deutschland mit Jasmin Neudecker)

Wildpflanzen

Dieser Schritt verlangt etwas Hintergrundwissen und Experimentierfreude. Ein sehr lohnenswertes Buch zu diesem Thema: „Das Wildpflanzen Topfbuch“ von Reinhard Witt. Aus diesem stammen auch die folgenden Ausführungen. „Wir finden mit heimischen Wildpflanzen im Topf relativ anspruchslose Mitbewohner. Die es lange ohne Betreuung aushalten und die man auch im Winter draußen getrost vergessen kann.“

Warum?

  • Wildpflanzen auf dem Balkon oder der Terrasse können für den fehlenden Naturgarten entschädigen.
  • Die heimischen Arten stellen die Überlebensgarantie für unzählige Blütenbesucher.
  • Viele Pflanzen der mageren Standorte sind in der Natur der nahezu vollen Lichteinstrahlung ausgesetzt, so sind sie ideale Arten der sonnigen Balkone oder Terrassen, denn sie sind zudem an Hitze und Trockenheit angepasst. Das ersetzt allerdings nicht das zuführen von Wasser….

Begrünung eines Zaunes oder einer Wand

Die Begrünung eines Zaunes oder einer Hauswand bringt viel Grün auf relativ wenig Fläche – anders als bei der Pflanzung einer Hecke. Bei der Pflanzenwahl steht ein breites Angebot zur Verfügung, sowohl immergrüne, blühende oder fruchttragende Arten.

Warum?

  • Sichtschutz der wenig Raum in Anspruch nimmt, aber viel Lebensraum bietet. Für Vögel und Insekten bieten Kletterpflanzen Deckung, Brut- sowie Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung.
  • Vielleicht kann auch über die Begrünung von besonders sonnenexponierten Wänden nachgedacht werden, denn das könnte das Haus im Sommer kühler halten und im Winter den Wärmeverlust verringern.
  • Die Begrünung trägt dazu bei das Mikroklima des Gartens positiv zu beeinflussen. Denn durch den hohen Anteil versiegelter Flächen in der Umgebung ist die Luft trockener und die Temperaturen können höher sein. Zudem binden die Pflanzen mehr Staub und Abgase aus der Luft. (aus „Wohnvergnügen“/Broschüre NABU)
  • Weitere Infos: „StadtKlimaWandel“ des NABU 

Blumenwiese

Dies ist ein Schritt mit langem Atem. Wem eine Rasenfläche zur Verfügung steht, kann diese in eine Blumenwiese verwandeln . Hier hast du unterschiedliche Möglichkeiten mit unterschiedlichen Arbeitsaufwand: (aus „Gartenlust“/NABU)

  1. Du hast Geduld: Setze die nährstoffreichen Böden auf Diät, indem du Grasschnitt entfernst, nicht düngst und groben Sand und Kies einarbeitest. Der Erfolg wird mit jedem Jahr größer indem diese Diät aufrecht erhalten wird. Du kannst über die Zeit beobachten, welche Wildkräuter sich von selber einstellen oder Samen ausbringen.
  2. Du hast Lust auf Gartenarbeit: Trage die oberste, nährstoffreiche Schicht des Bodens ab und fülle mit magerem Boden auf. Danach kann Blumenwiesen Saatgut ausgebracht werden.
  3. Du möchtest erst im Kleinen ausprobieren: Runde „Beete“ in der Rasenfläche anlegen ist eine schöne Alternative für Menschen mit großem Ordnungssinn, zum Üben oder für die Überzeugungsarbeit. Denn sie lassen sich schnell anlegen, versprechen schnellen Erfolg, lassen Platz zum Spielen und Rasenmähen.

Blumenwiese auf dem Dach

Was beim Hausbau verloren ging, kann der Natur auf dem Dach in Teilen zurückgegeben werden. So können Garagen- oder Carportdächer neuen, artenreichen Lebensraum schaffen. Geeignete Mischungen bieten zum Beispiel SyringaHof Berggarten oder auch Rieger-Hofmann

Warum?

  • Verbesserung des Mikroklimas und Verdunstungsschutz
  • Steigerung der Biodiversität im eigenen Garten.
  • Blumenwiesen müssen nur zweimal im Jahr gemäht werden, je nach Witterung und Region im Juni/Juli und im Oktober. 

Bauerngarten – Blumenbeet

Stauden, besonders die altbekannten Sorten aus Bauerngärten, bieten nicht nur für uns Menschen attraktive Blüten, sondern locken mit ihren ungefüllten pollenreichen Blüten Tag- und Nachtfalter, Bienen, Hummeln und Käfer an. Besonders geeignete Stauden für so einen Bauerngarten sind z.B.: Phlox, Nachtkerzen, Kugeldisteln, Quendel, Glockenblumen, Verbenen, Sonnebraut, Margeriten.

Hier hilft eine gute Gärtnerei weiter oder auch Staudenbörsen. Für reine Biopflanzen findet man eine große Auswahl auf der Internetpräsenz von Hof Jaebel oder Gärtnerei Strickler, die viele heimische Pflanzen verkaufen. Es sollte darauf geachtet werden, dass übers Jahr immer etwas blüht. Hierbei können auch Zwiebelgewächse wie Krokusse, Osterglocken und Wildtulpen hilfreich sein.

Warum?

  • Reiches Nahrungsangebot und Überwinterungsplätze für viele Käfer und Hautflüglerarten, besonders wenn die Stauden erst im Frühjahr herunter geschnitten werden.
  •  Bewährte Arten, die häufig besonders gut an unsere Standorte angepasst sind.
  • Gute Alternative zu Schnittblumen vom Floristen, die oft lange Transportwege hinter sich haben oder unter klimaunfreundlichen Bedingungen gezogen wurden.

Alles erledigt und Lust auf mehr? 

Dann kommen hier die Expertentipps! Nun möchten wir dir natürlich auch noch einen Masterplan an die Hand geben. Für Jede:n mit einem eigenen Garten haben wir hier noch eine Auflistung, die weitere praktische Tipps beinhalten. 

Unser 30-PUNKTE PLAN zum Download. Mit freundlicher Unterstützung von Cristine Bendix, Biologin und NABU-Mitglied.


Dieser Beitrag wurde von Antje mit viel Sorgfalt recherchiert und erstellt.

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