Die Heizung und unsere Möglichkeit der Co2-Reduzierung

Der Oktober ist da. Nass und kalt. In vielen Haushalten wird spätestens jetzt die Heizung angemacht. Zeit für uns, diese mal genauer zu betrachten. Welchen Anteil hat unsere Heizung eigentlich an unserem persönlichen Co2 Fußabdruck?  Welche Hebelwirkungen habe ich hier und warum wird dies gerade in einer klimaneutralen Zukunft eine enorme Rolle spielen?


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Betrachtet man die CO2 Emissionen eines privaten Haushaltes etwas genauer, wird man feststellen, dass Wohnen und damit die Heizenergie bereits 36% des gesamten Energieverbrauchs ausmacht. Damit liegt dies noch über dem durchschnittlichen CO2 Ausstoß für Verkehr mit 26,6%.

Im weiteren Verlauf möchten wir nur auf die üblichen und weit verbreiteten Systeme zur Beheizung eingegangen. Die Aufzählung ist daher nicht vollständig.

Heizkonzepte: Fußbodenheizung vs. Heizkörper

Stellen wir uns gedanklich einen 20m² großen Raum vor. Durch verschiedene Methoden lässt sich ausrechnen, wie viel Heizenergie benötigt wird, um diesen Raum zu erwärmen.  Dabei spielt die gewünschte Raumtemperatur ebenso eine Rolle, wie die Hüllflächen des Raumes (Innenwand, Außenwand, Fenster, Decke zum beheizten Raum, Dach, Fußboden). Ist die Gebäudehülle wenig gedämmt, wird mehr Energie benötigt als bei einer gut gedämmten Hülle.

Wird nun dieser Raum durch einen 1,5m² großen Heizköper beheizt, muss das Heizungswarmwasser ca. 55°C erhitzt sein. Bei einer Fußbodenheizung hingegen stehen 20m² als Heizfläche zur Verfügung, so dass hier die Vorlauftemperatur entsprechen auf ca. 35°C abgesenkt werden kann.

Lüftungsanlage zentral und dezentral?

Die benötigte Heizenergie kann auch über die Luft in den Raum eingebracht werden. Auf der einen Seite kann die Umluft über einen Wärmetauscher direkt beheizt werden. Diese Geräte werden z.B. in Bürogebäuden häufig zum Heizen und Kühlen eingesetzt.

Durch eine zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage wird frische Luft in den Raum eingebracht. Diese wird durch eine Wärmerückgewinnung und ggf. einer weiteren Heizung erwärmt und in den Raum eingebracht.

Was sind die gängisten Arten der Wärmeerzeugung?

Um ein Gebäude zu wärmen, hat man unterschiedliche Möglichkeiten. Hier möchten wir einmal auf die bekanntesten eingehen:

  • Als Wärmeerzeuger ist der Brennwertkessel im Bestand weit verbreitet. Hier wird durch das Verbrennen von Öl oder Gas das Heizungswarmwasser erwärmt. Zur Wärmeübertragung an den Raum können sowohl Heizkörper also auch eine Fußbodenheizung zum Einsatz kommen.
  • Bei einem Neubau wird heute häufig eine Wärmepumpe eingebaut. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht die Heizenergie der Außenluft, mit Hilfe von Strom, und gibt die Energie an das Trägermedium, meist Wasser weiter. Bei einer Erdreich-Wärmepumpe wird die im Erdreich gespeicherte Sonnenenergie entzogen. Diese Wärmepumpe kann nur in Kombination mit einer Fußbodenheizung, aufgrund der niedrigen Vorlauftemperatur, effizient betrieben werden. Bei einer Luft-Luft-Wärmepumpe wird die Energie ebenfalls der Luft entzogen, aber hier an die Raumluft weitergegeben.
  • Eine Solaranlage wird selten auch zur Heizungsunterstützung eingesetzt, sondern in der Regel zum Erwärmen des Trinkwarmwassers. Hierbei wird das Trägermedium im Solarkollektor direkt von der Sonne erhitzt, welches die Wärme über einen Wärmetauscher an das Wasser abgibt.
  • Eine PV-Anlage produziert Strom und ist besonders in Kombination mit einer Wärmepumpe sinnvoll.

Einfamilienhäuser

Zunächst ist es wichtig diese Gruppe in Neubau und Bestand zu unterteilen.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben gemäß Gebäudeenergiegesetz kurz GEG (früher Energieeinsparverordnung EnEV) muss ein Neubau zur Beheizung ein bestimmtes Maß an regenerativer Energie einsetzen. In Kombination mit Fördermitteln gemäß Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) (Früher kfw) wird häufig eine Wärmepumpe verbaut. Durch dieses Heizsystem in Verbindung mit einer gut gedämmten Hülle ist die Effizienzhaus-Stufe 55 (vorher kfw55) gut zu erreichen. Im Weiteren werden folgende Standards durch die kfw Bank gefördert:

  • Effizienzhaus 55, 55 Erneuerbare Energien (EE) oder 55 Nachhaltigkeit (NH)
  • Effizienzhaus 40, 40 EE oder 40 NH
  • Effizienzhaus 40 Plus

Hier ist es wichtig, mit einem Energieberater zusammen zu arbeiten. Dieser kann Anträge stellen und beratend tätig werden. Eine entsprechende Liste findest du hier: https://www.energie-effizienz-experten.de.

Was muss ich bei einer Sanierung beachten?

Bei einer Sanierung im Bestand sind andere Faktoren wichtig. Hier ist jedes Gebäude anders und muss ebenfalls von einem Energieexperten bewertet werden. Wird das Gebäude kernsaniert, kann es nahezu auf den Stand eines Neubaus gebracht werden. Hier gibt es ebenfalls Fördermöglichkeiten für ein Effizienzhaus wie beim Neubau.

Ist allerdings das Budget begrenzt, empfiehlt es sich genauer hinzuschauen. Bei der Wahl der neuen Heizung sind u.a. folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Wird die Gebäudehülle saniert und damit mehr Dämmung angebracht? Durch eine gedämmte Gebäudehülle wird für das gesamte Gebäude weniger Heizenergie benötigt als zuvor und die Heizung kann kleiner dimensioniert werden.
  • Saniere ich den Fußboden, sodass ich eine Fußbodenheizung einbauen kann? Bei einer Fußbodenheizung ist eine geringere Vorlauftemperatur notwendig und ich kann als Heizung eine Wärmepumpe einsetzen.
  • Will ich eine Lüftungsanlage nachrüsten? Im Bestand ist es nur schwer möglich, eine zentrale Lüftungsanlage nachzurüsten, da die Kanäle unter der Decke sichtbar wären. Hier kann man dezentrale Lüftungsgeräte ins Mauerwerk bohren. Diese haben etwa die Größe einer CD. Hierbei kann es ausreichend sein nur die Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Badezimmer oder den Hauswirtschaftsraum auszustatten.

Bei der Sanierung im Bestand kommt es immer auf ein Gesamtpaket kann, bei dem die einzelnen Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Gefördert werden Einzelmaßnahmen wie z.B. die Sanierung des Daches oder auch der Austausch der Heizung. Bei einer Betrachtung des Gesamtgebäudes muss eine entsprechende Energiestufe erreicht werden.

Was gilt bei Mehrfamilienhäusern?

Bei einem Neubau eines Mehrfamilienhauses gibt es bereits häufig eine gemeinsame Heizung für alle Mietwohnungen. Über einzelne Zähler für jede Wohnung wird dann separat die Energiemenge erfasst. In Kombination mit der Beheizung über den Fußboden ist der Einsatz einer bzw. mehrere Luft-Wasser- oder Erd-Wärmepumpen möglich.  

Bei Wohnungen im Bestand hingegen wurde häufig als Heizkonzept ein Gas-Brennwertkessel pro Wohneinheit in Kombination mit Heizkörpern eingebaut. So kann jede:r Mieter:in selbst einen Vertrag mit einem Anbieter für Gas abschließen. Häufig sind dabei die Wohnungen reine Geldanlagen. Im Falle einer Sanierung wird selten eine Kernsanierung mit der Installation einer Fußbodenheizung vorgenommen, da dies Mietausfälle nach sich zieht. Es wird die Fassade von außen erneuert und ein neuer effizienter Gas-Kessel in der Wohnung installiert.

Aber es geht auch anders. Beispielhaft sei hier die niederländische Initiative „Energiesprong“ genannt, welche in Deutschland von der „dena“, der Deutschen Energie-Agentur unterstützt wird. Diese Sanierungslösung baut auf vollautomatisierte Vorfertigung einer kompletten Gebäudehüllen in Modulbauweise. Das vorgefertigte Modul mit Wärmepumpe, PV-Modul und Lüftungssystem wird im Zuge der Montage der Gebäudehülle an die Außenwand gesetzt oder alternativ das System direkt in die neue Außenhülle integriert werden. Durch die Sanierung wird ein Null-Energiegebäude erreicht.

Und Jetzt?

Gemäß Klimaschutzplan der Bundesregierung soll Deutschland 2050 weitgehend treibhausgasneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, muss bei der Sanierung von Gebäuden ein neuer Weg eingeschlagen werden. Es gibt bereits innovative Lösungen, die nun umgesetzt werden müssen. Hierzu müssen die Investoren mutiger werden, neue Wege zu gehen und altbewährte Sanierungsstrukturen aufzubrechen.

Die Zeit des „Das haben wir immer schon so gemacht“ ist vorbei!


Quellenangaben


Über die Autorin:


„Die Investition in die Sanierung oder den Neubau eines Gebäudes lohnen sich. Es ist eine Investition in unsere Zukunft. Seit mutig dabei! Es gibt sehr viel Potenzial“

— Sarah

Sarah (Jahrgang 1986) ist Ingenieurin der Bauphysik bei einem familiengeführten Bauunternehmen. Ihr Spezialgebiet liegt im Wärme- und Schallschutz. Die junge Mutter will ihren zwei Jungs eine Zukunft ermöglichen, die sie selbst gestalten können und nicht von Klimakatastrophen diktiert wird.

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2 Antworten

  1. David sagt:

    Danke für den interessanten Beitrag. Ein paar Aspekte möchte ich ergänzen:
    Der Energieverbrauch für das Heizen sollte schon bei der Wahl der Wohnung berücksichtigt werden, denn jeder Quadrameter Wohnfläche mehr muss auch beheizt werden. Die Wahl einer angemessen kleinen Wohnung ist somit ein nennenswerter Beitrag zum Klimaschutz. Leider passiert in Deutschland genau das Gegenteil und die pro Person beanspruchte Wohnfläche nimmt weiterhin zu (siehe z. B. https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#wohnflache-pro-kopf-gestiegen).
    Außerdem ist bezüglich des Heizens eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus gegenüber einem frei stehenden Einfamilienhaus im Vorteil, denn die Menge der abfließenden Wärme hängt nicht nur von der Dämmung, sondern auch von der Temperaturdifferenz ab. Diese ist an einer Außenwand natürlich deutlich größer als an einer Wand zwischen zwei Wohnungen.
    Eigentlich selbstverständlich, aber leider noch nicht von allen praktiziert ist auch das richtige Lüften: Also das Fenster nicht auf Kipp stellen, sondern kurzes Stoßlüften, am besten mit Durchzug. Das setzt natürlich voraus, dass die Fensterbänke so weit frei sind, dass man die Fenster ohne großen Aufwand vollständig öffnen kann.

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