Die Lichtverschmutzung und was du dagegen tun kannst

Auf dem Weihnachtsmarkt, am Balkon oder im Garten: dekorierte Lichter sorgen an Weihnachten und in der dunklen Jahreszeit für passende Stimmung und eine gemütliche Atmosphäre. Sie tragen aber auch erheblich zur Lichtverschmutzung bei. Dies hat Konsequenzen auf die Umwelt, Tier- und Insektenwelt.[1] Tausende Insekten sterben aufgrund von Lichtverschmutzung, dies hat erheblichen Einfluss auf die Nahrungspflanzen des Menschen. Denn ohne Bestäubung kein Obst und Gemüse![2] 

Was ist Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung ist eine künstliche Lichtquelle, die den Nachthimmel aufhellt. Staubpartikel in der Luft und Wolken am Himmel streuen das Licht, wodurch auch ein Teil wieder auf die Erdoberfläche reflektiert wird. So erscheint der Himmel gräulich und Sterne werden kaum sichtbar und überstrahlt.[3]

Lichtverschmutzung und seine Auswirkungen auf den Mensch

Unsere innere biologische Uhr ist mit dem Tagesgang der Sonne synchronisiert, also mit Sonnenauf- und -untergang.  Künstliches Licht in der Nacht kann Stress verursachen. In extremen Fällen kann es sogar zu einem höheren Krebsrisiko und Depressionen führen. Eine komplett dunkle Nacht wäre für uns gesünder. Vor allem aber ist die Lichtverschmutzung ein Albtraum für die Tierwelt.[4]

Auswirkungen auf die Tierwelt und unser Ökosystem[5]

Insekten

Neben dem Straßenverkehr und der Verwendung von Insektiziden ist die Beleuchtung eine der wesentlichen Ursachen für Insektensterben. Insekten werden von künstlichen Lichtquellen angezogen und verenden irgendwann an Erschöpfung. Hierzu gab es eine Studie[6]  in Kiel, bei der allein in einer Nacht an den 20.000 Straßenleuchten ungefähr 4,5 Millionen Insekten gestorben sind. Das ist ein enormer Eingriff ins Ökosystem!

Vögel

Lichtverschmutzung ist auch für Vögel verwirrend, insbesondere für Zugvögel, die in der Nacht ziehen und sich dann nicht mehr am Sternenhimmel orientieren können. Sie verändern ihre Sing-und Fortpflanzungsverhalten. Für zu früh geschlüpfte Küken kann dies den Tod bedeuten, da noch zu der frühen Jahreszeit zu wenig Nahrung vorhanden ist.

Wasserwelt

Für Tiere in Gewässern werden Lichtquellen zur Gefahr. So verenden z.B. Meeresschildkröten, weil sie Beleuchtung mit glitzernden Wasser verwechseln. Für Fische stellen beleuchtete Brücken ein unüberwindliches Hindernis dar,  was z.B. Lachse bei ihrer Wanderung einschränkt.

Pflanzen

Pflanzen werden weniger bestäubt und damit ist die Fortpflanzung von Pflanzen und somit unser Nahrungskreislauf gefährdet. Zudem wachsen Pflanzen unter künstlichem Licht schlechter als unter Sonnenlicht, was bei einigen Pflanzen zum Rückgang von Blütendichte führt.

Und JETZT?

Projekte gegen Lichtverschmutzung

Es gibt einige Projekte, die den dramatischen Auswirkungen entgegenwirken wollen. Diese stellen Handlungsempfehlungen an Kommunen, Behörden und Unternehmen, um die  Beleuchtung umweltfreundlicher zu gestalten. Denn nach dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz kann in Sachen Lichtverschmutzung im kommunalen, unternehmerischen und privaten Bereich nahezu jede:r etwas tun.[7]

Unter anderen hat sich ein Expertennetzwerk zur Eindämmung der Lichtverschmutzung entwickelt. Die Initiative „Paten der Nacht“ bieten Lösungsvorschläge und Empfehlungen für den privaten und öffentlichen Bereich.[8]

Was das Mikroplastik in unseren Meeren, Seen und Böden, ist das Kunstlicht in unserer Atmosphäre!

Paten der Nacht
Rabe, Andreas: LG im Kampf gegen Lichverschmutzung. Online unter: https://addis-techblog.de/2016/11/lg-im-kampf-gegen-lichtverschmutzung/ abgerufen am 24.9.2021

Um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren, muss so wenig wie möglich künstliches Licht erzeugt werden und somit eine möglichst dunkle Nacht entstehen.

Veränderung durch Gesetze

Grundsätzlich müsste es per Gesetz verpflichtende Regelungen gegen Lichtverschmutzung geben, wie es bereits in anderen Ländern[9] der Fall ist. Ein Beispiel wäre, dass Straßenlaternen nur mit tiefgelben Leuchtmittel verwendet werden dürfen, die zudem nach unten abstrahlen müssen. Das schützt den Nachthimmel am nachhaltigsten![10] 

Was können speziell Kommunen gegen die Lichtverschmutzung tun?

Straßenbeleuchtungen müssen mit ihrer Strahlungsintensität deutlich minimiert werden. So geht die Stadt Fulda als Vorbild heran. Diese ist die erste sogenannte „Sternenstadt“ in Deutschland. Damit handeln sie aktiv und schützen den Erhalt der Nacht, in dem sie sich für nachhaltige Beleuchtung im öffentlichen und privaten Bereich verpflichten.[11]

© Stadt Fulda

Was machen die Stadtverwaltungen in Coesfeld und Rosendahl gegen die Lichtverschmutzung?

Natürlich wollten wir es genauer wissen und haben die Städte Coesfeld und Rosendahl angeschrieben und nachgefragt.

Die Stadt Coesfeld sagte uns, dass seit dem Jahre 2014 die Leuchtmittel ausgetauscht wurden und aktuell der Umrüstungsgrad bei ca. 62 % des Gesamtbestand an Lichtpunkten liegen. „So kommen neue LED-Leuchten zum Einsatz, deren Leuchtenkörper das Licht zielgerichtet auf die zu beleuchtenden Verkehrsflächen leitet, Umgebungsbereiche wie Vorgärten, Hofzufahren oder Fassaden, hingegen nicht angestrahlt werden. Dies ist möglich durch den Einsatz verschiedener Reflektoren und Streuscheiben in den modernen LED-Leuchten.“, weiß Frau Zirkel, Pressesprecherin der Stadt, zu berichten. „Weiterhin kommt eine Nachtabschaltung der Anlage zum Einsatz, die in der Zeit von 22.30 bis 5.30 Uhr den Energieverbrauch um 50% reduziert.“

Auch die Stadt Rosendahl hat sich mit dem Thema befasst. Hier werden unterschiedliche Maßnahmen angeführt:

  • Leistungsreduzierung ¼ der Zeit 50%, ¼ der Zeit 30%
  • Abstrahlung nur in den unteren Halbraum
  • Gezielte Beleuchtung der Straßen und Bürgersteige, weniger Beleuchtung von nicht relevanten Flächen
  • Lichtfarbe von 3000K wirkt angenehmer

Was kann jede:r von uns tun? [12]

Um nochmal zurückzukommen auf unsere leuchtende Weihnachtszeit… Weihnachtsbeleuchtung ist unbestritten etwas sehr Schönes. Sie trägt aber auch gehörig zur Lichtverschmutzung bei. Die umweltfreundlichste Weihnachtsbeleuchtung ist leider definitiv die, die erst gar nicht produziert, gekauft und dann betrieben wird.“ Paten der Nacht

Ein Tabu muss es aber auch nicht sein. Vor allem macht die Dosis das Gift.
Das bedeutet je weniger Licht, desto besser für die Umwelt und den Menschen.

  • Besonders sollte die Beleuchtung im Außenbereich möglichst vermieden werden.
  • Warmweißes Licht ist immer zu bevorzugen, da Insekten davon weniger angezogen werden als von kaltweißen Licht.  
  • Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder können gute Alternativen sein, damit Beleuchtung nur dann genutzt wird, wenn man sie benötigt. Vor allem aber nach 22 Uhr sollte es keine Beleuchtung geben

Quellenangaben:

[1]FH Münster: https://www.fh-muenster.de/hochschule/aktuelles/news/index.php?newsId=1025

[2]Nabu: https://www.nabu-stuttgart.de/naturschutz-in-stuttgart-1/insekten/insekten-und-lichtverschmutzung/#gsc.tab=0

[3]FH Münster

[4]FH Münster

[5]Utopia: https://utopia.de/ratgeber/lichtverschmutzung-so-beeinflusst-sie-menschen-insekten-und-andere-tiere/

[6]Fh Münster

[7]BMU: https://www.bmu.de/pressemitteilung/bmu-und-bfn-foerdern-insektenfreundliche-strassenbeleuchtung

[8]Paten der Nacht: https://www.paten-der-nacht.de/strassenbeleuchtung/

[9]Lesehinweis: http://www.lichtverschmutzung.de/seiten/gesetze.php

[10]Fh Münster

[11]Sternenstadt Fulda:  https://www.sternenstadt-fulda.de/

[12]Empfehlungen für umweltverträgliche Weihnachten. PDF. Paten der Nacht

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