Die Permakultur und die Kräuterspirale

Die Klimakrise zwingt uns, unseren Umgang mit der Natur zu überdenken. Im vergangenen Jahr, als sich durch die Corona-Pandemie viele Alltäglichkeiten und Selbstverständlichkeiten plötzlich veränderten, begannen viele Menschen auch deswegen, über ihr Leben nochmal neu nachzudenken. Das Spazierengehen und Draußensein wurden neu oder wiederentdeckt, Gemüse im eigenen Garten angebaut. Der Bezug zur Natur wurde für viele Menschen wieder stärker. Viele begannen, sich zu fragen: In was für einer Gesellschaft möchte ich leben? Wie wirken sich unsere Entscheidungen auf künftige Generationen aus? Kann ich mein Leben anders gestalten? Der Ansatz Permakultur kann hier helfen!


In diesem Monat dreht sich bei uns alles um das Thema Garten. In der Klimachallenge laden wir euch ein, euren Garten unter ökologischen Gesichtspunkten in den Blick zu nehmen. Hierbei gibt es unterschiedliche Ansätze, wie man einen Garten gestalten kann. Heute möchten wir euch einen weiteren Ansatz aufzeigen.

Permakultur – Was ist das?

Bei dem Finden von Antworten auf diese Fragen kann die Permakultur ein hilfreicher Begleiter sein und wichtige Denkanstöße liefern. Permakultur lehrt uns, in Gesamtzusammenhängen zu denken. Sie lädt uns ein, eingefahrene Denkmuster zu verlassen und uns zu fragen: „Was würde die Natur tun?“ Sie lässt Freiheit und basiert nicht auf Vorschriften. Vielmehr bietet sie vielfältige Lösungen und Möglichkeiten. In der Permakultur wird versucht, nur das zu verbrauchen, was wir benötigen und was für uns verfügbar ist.

Der Begriff Permakultur ist ein Kunstwort aus permanent und Kultur („ununterbrochener Ackerbau“). Entwickelt haben den Begriff die beiden australischen Umweltschützer Bill Mollison und David Holmgren in der Mitte der 1970er-Jahre. Sie beobachteten und bewerteten weltweit welche landwirtschaftlichen Methoden den Boden schonen, die Fruchtbarkeit und Artenvielfalt erhöhen. Bill Mollison erhielt dafür 1981 den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award). Permakultur befasst sich jedoch nicht nur mit der Bewirtschaftung und Gestaltung des Gartens, sondern ist vielmehr „eine Lebensweise, die ihrer Zeit voraus ist und gleichzeitig ans Leben unserer Vorfahren anknüpft: nachhaltig und ökologisch.“ (aus: Praxisbuch Permakultur von Jessi Bloom & Dave Boehnlein)

Die ethisch einzig richtige Entscheidung besteht darin, Verantwortung für unsere eigene Existenz und die unserer Kinder zu übernehmen.

Bill Mollison, Wissenschaftler und „Vater“ der Permakultur

Earth Care – People Care – Fair Share

Bei jeder gestalterischen Entscheidung, egal ob es um die Anlage eines Blumenbeets, ein Carport, einen Kinderspielplatz oder die Planung eines Hauses geht, sollten drei ethische Richtlinien mitbedacht werden.

  • Earth Care: Sorge für die Erde. Das wichtigste Grundprinzip sollte stets sein, gut für unseren Planeten zu sorgen. Gesunde Ökosysteme sollten geschützt und in Ruhe gelassen werden. Lebensmöglichkeiten für alle Lebewesen sollten erhalten bleiben, auch wenn wir keinen direkten Nutzen daraus haben. Andererseits ist es an uns, in unseren bebauten Flächen und auf unseren Grundstücken Nischen und Plätze für Tiere zu schaffen.
  • People Care: Für die Menschen sorgen. Erst wenn unsere Grundbedürfnisse nach Nahrung und Gesundheit erfüllt sind, können wir uns gut weiterentwickeln und entfalten und haben Kapazitäten, die Umwelt zu schützen. Wir sollten also zunächst an uns selbst, unsere Familien und Nachbarn denken. Darüber hinaus lohnt es sich gerade bei der Gartengestaltung, auch die nachfolgenden Generationen miteinzubeziehen. Denn dann erst lohnt es sich so richtig, heute schon Bäume zu pflanzen, von denen wir selber nicht mehr essen werden. Dann erst lohnt es sich, denn Boden ökologisch zu behandeln und keinen Dünger mit „Sofortwirkung“ einzusetzen.
  • Fair Share: Gebe Überschuss weiter und beschränke deinen eigenen Konsum. Viele Menschen erkennen mittlerweile, dass es in der Natur kein ewiges Wachstum gibt. Wir sollten daher eine Welt schaffen, die auch weiter funktioniert, wenn das Wachstum aufhört.

Permakultur ist somit mehr als eine ökologische Bewirtschaftung von Flächen, vielmehr ist es ein Oberbegriff für die Gestaltung ganzer Lebensräume. Mittlerweile beziehen auch Architekten, Städteplaner und auch Ökonome die Prinzipien der Permakultur in ihre Überlegungen ein.

Einige Leitgedanken zur Gartengestaltung

Warum kann dieser Ansatz auch für euch wichtig sein? Vielleicht plant ihr die Neuanlage eures Gartens, vielleicht soll auch nur ein Element verändert oder ergänzt werden. Dabei kann es sinnvoll sein, einen Blick zurückzutreten, und euer Projekt im Gesamtzusammenhang zu sehen. Hilfreiche Fragen könnten sein: Entsprechen meine Pläne den Abläufen der Natur? Fördert die Gestaltung meiner Anlage die biologische Vielfalt? Nutze ich alle Ressourcen optimal? Einen kleinen Leitfaden mit Anregungen findest du bei Biotopicafarm.

Beim Anlegen eines Gartens nach den Grundgedanken der Permakultur geht es darum, alle Ressourcen optimal zu nutzen, in Kreisläufen zu denken und mit möglichst wenig Aufwand ein selbstständiges Wachstum der Pflanzen zu erzielen. Für die Gartenarbeit sind dabei drei Kernideen wegweisend:

  1. Der Boden sollte nicht unbedeckt bleiben.Sowohl zu starke Hitze als auch Nässe und Kälte werden durch die Bodendeckung verringert. Daher sollte der Boden mit Mulch, Stroh, Rasenschnitt etc. bedeckt werden.

  2. Die Erde sollte so wenig wie möglich bearbeitet werden.Indem man den Boden nicht umgräbt, wird seine Weichheit und Luftdurchlässigkeit bewahrt. Hilfreich ist stattdessen das Lüften des Bodens mit einem Grelinette-Spaten.

  3. Alles wird verwendet und wiederverwendet, der Garten sollte ein möglichst geschlossener Kreislauf sein. Gartenabfälle können in einem Kompost recycelt werden. Möglichst viel Regenwasser wird im Garten gesammelt und den Pflanzen gezielt zugeführt.

Es gibt einige typische Gestaltungselemente der Permakultur, die schnell und leicht in den eigenen Garten integriert werden können. Eines davon stellen wir an dieser Stelle kurz vor.

Die Kräuterspirale

  • Die Kräuterspirale ermöglicht, fast die komplette Bandbreite der Kräuter zu kultivieren. Sie besteht aus einer Trockensteinmauer, die auf einen Schotterhügel führt. In einer Spirale führt ein Beet nach oben. Die Steine speichern die Sonnenwärme, sodass sich vor allem Kräuter aus dem Mittelmeerraum wohl fühlen. So nutzt man einen kleinen Raum optimal aus, um sich mit vielen Kräutern aus dem eigenen Garten zu versorgen.

Unsere Quellen

  • Jessi Bloom, Dave Boehnlein: Praxisbuch Permakultur
  • Robert Eiger: Permakultur leicht gemacht
  • www.permakultur.de

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