E-Auto: Die Zukunft des Individualverkehrs?

elektrisches Auto

In diesem Monat geht es um das Thema Mobilität auf diesem Blog. Dabei darf das elektrische Auto – das E-Auto – natürlich nicht fehlen. Was sind die Unterschiede in diesem Antrieb? Hilft uns ein E-Auto bei der Verkehrswende und wo finde ich innerhalb Coesfelds eine öffentliche Ladestation?


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Der Verkehrssektor hat 2019 rund 163 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert. Laut der Bundesregierung ist er nach der Energiewirtschaft und der Industrie mit rund 20 Prozent CO2-Ausstoß (2019) der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Den weitaus größten Teil (94 Prozent) der Verkehrsemissionen verursacht hierbei der Straßenverkehr. Für etwa 59 Prozent davon sind Benzin- und Diesel-Pkw verantwortlich. Seit 1990 ist der CO2-Ausstoß des Verkehrs nicht gesunken. Grund: Die Fahrzeuge sind zwar energieeffizienter, aber es fahren sehr viel mehr schwerere und leistungsstärkere Pkw auf den Straßen als vor 30 Jahren.

Eine Zukunft ganz ohne Autos ist aktuell nicht möglich. Deswegen ist es wichtig, sich hier einmal genau mit dem Auto der Zukunft zu beschäftigen.

Gibt es Unterschiede in der Art des Elektroautos?

Als Elektroauto im Sinne des Elektromobilitätsgesetzes gelten laut Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur das

  • reine Batterieelektrofahrzeug (Battery Electric Vehicle – BEV),
  • von außen aufladbare Hybridfahrzeug (Plug-in-Hybrid Vehicle – PHEV) und
  • das Brennstoffzellenfahrzeug (Fuel Cell Electric Vehicle – FCEV)
Energetischer Gesamtwirkungsgrad verschiedener Antriebsoptionen
Energetische Gesamtwirkungsgrad der verschiedenen Antriebsoptionen (Quelle: zukunft-mobilitaet.net)

E-Auto

Ein reines E-Auto besitzt ein sogenanntes E-Kennzeichen. Hierfür muss das Fahrzeug eine elektrische Mindestreichweite von 40 Kilometern (ab dem Jahr 2022: 60 km) erreichen oder höchstens 50 Gramm CO₂ pro Kilometer emittieren.

Elektroautos inkl. Batterie schneiden bei einer Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus sowohl beim Energieverbrauch als auch beim Treibhausgasausstoß besser ab als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Plug-in-Hybrid

Hybridfahrzeuge verfügen über mindestens zwei verschiedene Antriebstechniken und separate Energiespeicher (z. B. Verbrennungs- und Elektromotor). Sie wirken einzeln oder kombiniert für den Antrieb.

Der Boom der Elektroautos in Deutschland findet derzeit zu einem wesentlichen Teil bei großen Plug-in-Hybridfahrzeugen statt, von denen mehr als drei Viertel als Firmenwagen zugelassen sind. Da sie im täglichen Betrieb in der Regel überwiegend den Verbrennungsmotor nutzen, emittieren sie deutlich mehr CO2 als für die Berechnungen der deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 bisher angenommen wurde. Das ist das Ergebnis einer Studie vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu), dem Öko-Institut e. V. und „Transport & Environment“ im Auftrag des Bundesumweltministeriums. Zudem haben Plug-in-Hybride wegen Bauform, Motorisierung und Gewicht oft einen überdurchschnittlichen Energiebedarf. Etwa ein Drittel der neu zugelassenen Plug-in-Hybride sind SUVs oder Geländewagen.

Brennstoffzellenfahrzeug

In einem Brennstoffzellenfahrzeug wandelt in den meisten Fällen eine Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle Sauerstoff und Wasserstoff in elektrische Energie mit Wärme und Wasser als Beiprodukten um. In Brennstoffzellenfahrzeugen wird die in der Brennstoffzelle erzeugte Energie entweder direkt in Elektromotoren in Bewegung umgewandelt oder zeitweise in einer Traktionsbatterie zwischengespeichert. Der notwendige Brennstoff (meistens Wasserstoff) wird in Drucktanks aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (350–800 bar) mitgeführt. Diese ermöglichen eine Reichweite von 500-800 Kilometer. Das komplette Wasserstoff-Tanksystem eines Pkw mit Druckwasserstoffspeicherung wiegt heutzutage etwa 125 kg. Der Energieaufwand für die Komprimierung auf 700 bar beträgt ca. 12 % des Energieinhaltes des Wasserstoffs. Ein Nachteil der Gasform ist, dass sich der Tankinhalt eines Wasserstoffautos schon nach kurzer Zeit in Luft auflöst. Denn das Wasserstoffatom ist so klein, dass es kaum gelingt, alle Bauteile gegen ein Austreten in Dampfform abzudichten.

An der Mobilität der Zukunft kann Wasserstoff in Verbindung mit der Brennstoffzelle einen Anteil haben, zum Beispiel im öffentlichen Personennahverkehr, für Lkw oder den Lieferverkehr. 

Sind E-Autos wirklich klimafreundlicher?

Der Mythos hält sich, dass der Diesel unser Klima retten wird. Hierzu sagt die Deutsche Umwelthilfe:

2019 lagen die Kohlendioxid-Emissionen von neu zugelassenen Benzin-Pkw im Flottendurchschnitt mit 157,6 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer (g CO2/km) unter denen von Diesel-Pkw mit 167,6 g CO2/km. Der Gesamtdurchschnitt aller neuen Pkw lag übrigens sogar bei lediglich 157 g CO2/km – aufgrund der Hybrid- und Elektroautos. Vom Diesel als Klimaretter kann also keine Rede sein.

DUH (2020)

2020 erschien in der Fachzeitschrift „Nature Sustainability“ eine Studie, die die CO2-Bilanz von E-Autos über den gesamten Lebenszyklus (d. h. Herstellung, Betrieb und Recycling) sowohl für das Jahr 2015 als auch die Zukunft analysierte. Die Autoren studierten dabei zunächst die Bilanz im weltweiten Durchschnitt und teilten die Welt schließlich in 59 Regionen auf, die sie dann einzeln analysierten, um regionale Unterschiede zu erkennen. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass bereits im Jahr 2015 die Nutzung eines durchschnittlichen E-Autos verglichen mit einem durchschnittlichen fossil angetriebenen Autos deutlich weniger Kohlendioxid produziert hätte. Demnach waren E-Autos immer dann klimafreundlicher als Verbrenner, wenn Strom getankt wurde, bei dessen Produktion weniger als 1100 g CO2/kWh anfiel.

E-Autos sind somit erst dann wirklich gut fürs Klima, wenn auch der Strom, mit dem sie fahren, klima- und umweltfreundlich erzeugt wurde – wie zum Beispiel der Strom aus Solar- oder Windkraftanlagen. Ein großer Teil des Stroms wird heute aber noch aus Kohle gewonnen und bei dieser Art der Stromerzeugung entstehen ebenfalls eine Menge CO2 und anderer klimaschädlicher Gase.

Was sind die Herausforderungen der Zukunft?

Rohstoffe

Antrieb und Batterie sind auf Ressourcen wie Kupfer, Nickel, Kobalt und Lithium angewiesen. Diese Rohstoffe werden zum Teil unter unfairen und nicht nachhaltigen Bedingungen gefördert. Lieferwege sind lang, der Aufwand zudem hoch. Da viele der benötigten Rohstoffe nicht in Deutschland oder der EU gewonnen werden, wird ein Großteil der negativen Folgen in Drittländern verursacht. Die in den Abbauregionen häufig existierenden niedrigen Umwelt­- und Sozialstandards sowie deren ungenügende Durchsetzung haben gravierende Folgen für die dort lebenden Menschen und die Natur. Der von uns in den letzten Jahrzehnten bei der Gewinnung fossiler und nuklearer Brennstoffe begangene Fehler, unseren Wohlstand und unseren Lebensstil auf den Schultern wehrloser Dritter zu errichten, sollte dieses Mal vermieden und Wiedergutmachung geleistet werden.

Ressourceneinsatz Brennstoffzelle (Quelle: Zukunft Mobilität)

Energiegewinnung beim Wasserstoff

Wasserstoff kommt in der freien Natur nicht vor, sondern muss aus Wasser, Biomasse oder fossilen Kohlenwasserstoffen wie Kohle und Erdgas herausgelöst werden. Dieser Prozess ist sehr energieintensiv. Zudem kann nur ein gewisser Teil des freigesetzten Wasserstoffs gespeichert werden.

Elektrischer Größenwahn

Die meisten Käufer von E-Autos entscheiden sich für einen großen und schweren Wagen mit einem großen Akku. In den meisten Fällen reicht hierbei eine Nummer kleiner, auch beim Akku. Diese Entscheidung zu einem größeren Auto belastet die Umwelt unnötig – und verschlechtert die Klimabilanz. Nichtsdestotrotz gibt es eine lückenhafte Versorgung vor allem mit Schnellladestationen an den Fernstrecken. Und genau deshalb ist die Reichweite eine weitere Herausforderung. Aktuell ist nicht gewährleistet, dass ich mit dem Auto von Deutschland nach Österreich fahren kann, ohne mir Gedanken über die Stromversorgung machen zu müssen.

Und JETZT?

Das hört sich erst einmal super an, oder? Wir tauschen einfach unsere aktuellen Autos gegen eine E-Variante ein und dann passt das schon. Hier müssen wir allerdings direkt sagen: NEIN! Ganz so einfach ist das nicht. Das elektrische Auto ist nicht DIE Lösung der Zukunft. Wichtiger für einen effektiven Klimaschutz und einem gesellschaftlichen Wandel werden für Kurzstrecken das Fahrrad oder ähnliche Lösungen sein (Leseempfehlung: Wie viel verbrauche ich mit meinem Auto?).

Die britische Automarke Jaguar verabschiedet sich komplett vom Verbrennungsmotor. Schon in vier Jahren will der Traditionshersteller ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge anbieten. Das ist ein richtiger und notwendiger Schritt für weniger Emissionen im Individualverkehr.

In Coesfeld haben wir im Übrigen 13 öffentliche E-Ladestationen:

  • Bahnhof Coesfeld, Schulzentrum
  • Parkplatz am WBK
  • Parkplatz Rekener Straße zwischen den Bahngleisen
  • Parkplatz Agentur für Arbeit
  • Parkplatz am Bahnhof
  • Parkplatz Davidstraße
  • Parkplatz am Tüskenbach
  • Parkplatz Hohe Lucht
  • Rathaus Coesfeld
  • Marktgarage
  • Pictorius Berufskolleg
  • Parkplatz Pfauengasse
  • Parkplatz zwischen Hagebau und Icking`s Paradies

Aktuell ist auch eine Station in Lette in Planung.


Quellenangaben

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2 Antworten

  1. David sagt:

    E-Autos werden insbesondere im ländlichen Raum zukünftig ein Baustein der Mobilität sein. Neben den Auswirkungen auf das Klima sollten jedoch auch die übrigen Umweltauswirkungen betrachtet werden.
    Der Reifenabrieb von PKW ist die größte Einzelquelle von Mikroplastik, das über Bäche und Flüsse ins Meer transportiert werden kann. Der Bau von Straßen und Parkplätzen für Autos bedeutet einen enormen Flächenverbrauch. Die damit einhergehende Bodenversiegelung wirkt sich nachteilig auf die Umwelt aus. Bezüglich dieser beiden Punkte bieten E-Autos keinerlei Vorteil gegenüber PKW mit Verbrennungsmotor.
    Dort wo es sinnvoll möglich ist, sollte Verkehr daher vermieden werden. Wenn man unterwegs ist, sollte man möglichst die wirklich umweltfreundlichen Verkehrsmittel (Bus, Bahn und Fahrrad) nutzen. Falls es doch mal das (elektrische) Auto sein muss, ist es im Sinne der Umwelt, einen PKW, der Platz für vier oder fünf Personen bietet, nicht alleine zu nutzen.

    Bezüglich der Förderung des Radverkehrs ist Coesfeld unter anderem mit den Planungen zu weiteren Fahrradstraßen auf einem guten Weg. Auch das Angebot von Bus und Bahn ist nicht schlecht: Zu allen Nachbarorten gibt es direkte Verbindungen und fünf Großstädte sind umsteigefrei erreichbar. Wenn Coesfeld am Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs arbeitet, könnte dieser bald für noch mehr Menschen zu einer echten Alternative zum Auto werden.

    Quellen:
    https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publikationen/2018/kunststoffe-id-umwelt-konsortialstudie-mikroplastik.pdf
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung#was-ist-bodenversiegelung
    https://www.bund-bremen.net/mobilitaet/autoverkehr/strassenbau/flaechenverbrauch/

    • Susanne sagt:

      Hallo David,
      vielen Dank für dein Feedback (und auch für die Quellenangaben).
      Du hast mit deinen Anmerkungen auf jeden Fall recht! Das E-Auto wird nur EIN Baustein sein. Das hier ein enormes Umdenken notwendig ist, haben wir in unserem Beitrag über die Verkehrswende bereits deutlich gemacht. Gerne werde ich dies aber noch einmal im Beitrag aufnehmen und deutlicher herausarbeiten.
      Das Thema Mikroplastik ist uns sehr wichtig. Beim Thema Luftverschmutzung haben wir diesen Aspekt ganz kurz angedeutet. Und weil Mikroplastik so wichtig ist, wird es in Zukunft einen extra Beitrag dazu geben. Deshalb haben wir dies in diesem Beitrag nicht ausführlich beleuchtet.
      Einen schönen Tag wünsch ich dir noch,
      Susanne

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