365 Tage „Wissen macht Klima“: Ein persönlicher Jahresrückblick

In unserem heutigen Beitrag wird es persönlich. Schaut hinter die Kulissen von Wissen macht Klima und erfahrt, was die Gründe für diesen Blog waren. Begebt euch (erneut) auf die spannenden Reise der Klimachallenge mit vielen Hintergrundinformationen und lasst euch überraschen, was das Team rund um Wissen macht Klima im kommenden Jahr so alles vorhat.

Die nicht vorhandene Notwendigkeit eines weiteren Blogs zum Thema Klimawandel

„Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum.“ 

Jane Fonda

Braucht es wirklich einen weiteren Blog in diesem Internetuniversum zum Thema Klimawandel? Nein. Das war lange Zeit meine Antwort auf diese Frage. Die Informationen bezüglich des Klimawandels sind doch alle da. Man muss nur Begriffe wie Kippelemente oder Klimaneutralität googlen (oder im besten Falle „ecosian“) und wird schier erschlagen von der Masse an Artikeln. Zum einen Teil sehr gut recherchiert, zum anderen Fakenews oder subjektive Meinungen. Wie soll man die gut recherchierten Artikel noch toppen? Das war der Grund, warum ich über ein halbes Jahr brauchte, um den Gedanken dieses Blogs in die Tat umzusetzen.

Letztendlich hat mich die einfache Frage getrieben: Wie viele Coesfelder:innen kennen eigentlich die Bedeutung von Kippelementen? In einem Gespräch mit einer Pressevertreterin habe ich dann auch diese Frage so gestellt. Niemand konnte mir damals diese Frage beantworten. Und auch heute würde ich mich im Übrigen noch nicht trauen, eine Schätzung abzugeben. Was ich als viel alarmierender empfand: auch dort wussten nicht alle teilnehmenden Personen, was ein Kippelement ist. Wie können wir konstruktiv über notwendige Maßnahmen diskutieren, wenn noch nicht einmal alle wissen, was da auf uns zukommt?

Das kleine Wörtchen Kippelemente und seine Bedeutung für mich persönlich

Jede Reise hin zu einem klimafreundlichen Leben hat einen Startpunkt. Oder einen persönlichen Grund, was die Reise auslöst oder den Wunsch verstärkt, etwas zu verändern. Bei mir persönlich sind es die Kippelemente. Wenn ein Kippelement im Klimasystem kippt, dann wird ein Dominoeffekt erzeugt, den wir, ähnlich wie bei Corona, nicht aufhalten können. Es markiert ganz gravierend die Endlichkeit einer Sache. Die Endlichkeit von fossilen Brennstoffen und damit einhergehend auch unsere eigene menschliche Endlichkeit in Summe auf diesem Planeten.

Bei der Eröffnungsfeier des Klimahauses in Bremerhaven sagte Sir Bob Geldorf im Juni 2009: „Keiner von uns wird entkommen, wenn es uns nicht gelingt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 zu halbieren.“ Damals wäre eine Halbierung bis 2050 ausreichend gewesen. Da die Emissionen seitdem aber sogar weiter gestiegen sind, müssen wir sie bereits im Jahre 2030 halbiert haben. Wir können nicht mehr das Problem auf die nächste Generation verschieben. Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen bereits feststellt und die letzte Generation, die an den gravierenden Auswirkungen noch etwas verändern kann. Niemand von uns kann sich aus der Verantwortung winden. Nicht privat und nicht im beruflichen Rahmen. Nicht als Politiker:in und nicht als Teil dieser Gesellschaft. ABER: #Gemeinsamsindwirviele.

Dann halt noch ein Blog!

„In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat.“ 

Carl von Ossietzky

An dem Wochenende habe ich mich hingesetzt und die Klimachallenge als ersten Baustein erstellt. Sie soll helfen, die dringend notwendigen Veränderungen runter zu brechen und greifbar zu machen. Immer mit dem Hintergedanken: Fakten aufweisen, sowie Möglichkeiten und Alternativen anbieten. Und da das Thema so viel umfangreicher als ein einfaches Dokument ist, habe ich einfach weitergemacht und über einen großen Dienstleister den ersten Entwurf von „Wissen macht Klima“ gestartet.

Die Klimachallenge und der Beginn einer spannenden Reise

„Wenn Sehnsucht größer als Angst ist, dann wird Mut geboren“

unbekannt

Als der Blog an dem besagten Wochenende im Dezember 2020 online ging, war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte mich jetzt ganz feierlich (in meinen Augen) und höchst offiziell und vor allem öffentlich als Klimaaktivisten geoutet. Das fühlte sich erst einmal richtig gut an, obwohl ich natürlich auch Bedenken hatte, was das mit uns als Familie machte. Denn auch ich lebe nicht klimaneutral (was aktuell noch nicht einmal theoretisch umsetzbar ist). Auch ich bin nicht mit der Erkenntnis geboren worden, dass wir ziemlich bescheiden mit unserer Umwelt umgehen. Will sagen: Ich habe auch einmal ein anderes Leben geführt und bin nicht unangreifbar vor Kritik. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich in den ersten Monaten zwar in den Medien zitiert wurde, aber immer größte Sorgfalt hab walten lassen, dass ich niemals mit Bild oder Ton erscheine.

Unser Wattbewerb Schaufenster in der Coesfelder Innenstadt

Und direkt im Januar ging es Schlag auf Schlag. Mit unserer Energieanalyse über die Stadtwerke Coesfeld und dem Aufruf, sich einmal Gedanken über das Thema Ökostrom zu machen, hatten wir direkt die Stadtwerke Coesfeld auf den Plan gerufen. Die wiederum befinden sich aktuell im Wandel und waren kurz vor dem Start des Windparks „Letter Bruch“. Es flatterte also eine erste Mail in meinem Postfach ein. Der CEO Ron Keßeler würde sich über ein Gespräch mit mir freuen. Ja, mein Herz rutschte kurzfristig in die Hose. Im Endeffekt war es ein sehr gutes Gespräch und vor allem: Ich hatte sauber recherchiert und das ist mein größtes Anliegen. Insgesamt kann ich sagen, dass wir größtenteils dieselben Ansichten teilen und kannten uns aufgrund unserer Diskussion (später auch in größerer Runde), als wir auch die Unterstützung der Stadtwerke für unseren Wattbewerb suchten.

Gleichzeitig wurden wiederum Pressevertreter:innen auf die Klimachallenge aufmerksam. Wir durften bei Radio Kiepenkerl das Erste von einigen Male die „geschenkte Minute“ für die Vorstellung der Klimachallenge nutzen. Auch die Allgemeine Zeitung Coesfeld fand die Idee so gut, dass die Coesfelder:innen seit Januar jeden Monat eine Person aus Coesfeld vorgestellt bekommen, die die Klimachallenge angenommen hat.

Coesfeld und das Ökoversum

„Man sollte nie daran zweifeln, dass eine kleine Gruppe kluger, engagierter Bürger die Welt verändern kann. In der Tat ist das der einzige Weg, der jemals Erfolg hatte.“

Margaret Mead

Gerade die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten, fand ich dabei im vergangenen Jahr am Spannendsten. Die Interviews waren immer eine absolute Bereicherung für mich persönlich und haben mir gezeigt, dass sich auch hier in Coesfeld bereits einiges tut. Dabei durfte auch ich selbst viel lernen. Mir war bisher nicht bewusst, wie viel Plastik auch bei Bio Bananen anfallen. Ich fand das Gespräch mit Bernadette Erning-Weiling zuerst ernüchternd und dann ermutigend, wie ein Unternehmen sich dieser Herausforderung annimmt und aktiv zu einer Plastikreduzierung beitragen will. Als kompletter Neuling in Sachen Gartengestaltung konnte ich sehr viel über Biodiversität mithilfe von Cristine Bendix und Norbert Jentsch erfahren. Gerade im Mai war ich also überwiegend im Garten anzutreffen und seit zwei Wochen wächst ein Weißdornstrauch in unserem Garten, den mir Cristine wärmstens empfohlen hat.

Die Gartengestaltung nach ökologischen Gesichtspunkten war auch für mich ein neues Gebiet.

Gerade im vergangenen Jahr hat der Druck sich aus der Gesellschaft erhöht, davon bin ich überzeugt. Es wäre aber auch unser Untergang, wenn wir so weiter machen wie bisher! Das sehen auch immer mehr Coesfelder:innen so, auch wenn der „innere Schweinehund“ bei einigen Themen noch relativ stark ausgeprägt ist. Der Fahrradschlüssel scheint oftmals schwerer zu wiegen als der Autoschlüssel, den Stromanbieter zu wechseln zu aufwendig und den Impuls, eine eigene Photovoltaikanlage zu installieren, wird mit dem Argument der verwendeten Ressourcen weggewischt. Da bedarf es wohl noch einiger Überzeugungsleistung und der Aufweisung wunderbarer Alternativen auch unsererseits auf diesem Blog.

Und JETZT?

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ 

Mahatma Gandhi
Die Planung für 2022 steht bereits in den Grundzügen – wir machen weiter!

JETZT machen wir weiter! So viel steht fest. Der Testballon „Wissensblog aus Coesfeld“ hat sich auch nach den Besuchendenzahlen zu urteilen gelohnt und wir haben uns entschieden euch weiterhin mit relevanten Informationen zu versorgen.

Wir haben uns für das kommende Jahr viele spannende Themen überlegt. Auf unserem Zettel stehen Schwerpunkte wie nachhaltiges Bauen, der notwendige Ausbau von Photovoltaikanlagen oder wie Landwirtschaft im Einklang mit der Natur funktionieren kann.

Gleichzeitig findet ihr einen Teil unserer Blogteams nun auch auf Instagram. Schaut mal bei @Stefanie.von.Wissenmachtklima und @Susanne.von.Wissenmachtklima vorbei.

Es wird auch eine neue Rubrik geben: Christa wird einmal im Monat euch mit in Gartenthemen versorgen und euch spannende Dinge wie den Bokashi Komposter vorstellen. Auch Steffi ist mit ihren veganen Rezepten weiterhin dabei und wird an jedem 1. Sonntag im Monat euch Vorschlägen rund um ein nachhaltiges Essen anbieten. Und natürlich wird es die Erläuterung weiter Kippelemente geben. Insgesamt gibt es 16 – wir haben also noch Stoff für weitere Beiträge 😉


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8 Antworten

  1. Silvia Kutsch sagt:

    Klasse, dass du das mit deinem Team machst!
    Tolle Beiträge, danke für die gute Recherche und die vielen Ideen!
    Danke, dass ihr euch traut zu sagen, was nicht mehr sein darf!
    Sehr gerne weiter so!!

  2. Andrea Kormann sagt:

    Da kann ich mich nur anschließen. Hut ab! Viel Kraft beim „weiter so“…
    Viele liebe Grüße aus Ramsdorf

  3. Doris Vogt sagt:

    Danke, für das immer wieder anstupsen. Mögen die inneren Schweinehunde (ich nenne meinen Günter) immer leiser werden.

  4. Susanne Hoppenau sagt:

    Auch von mir Danke! Deine Arbeit ist Mut machend und motivierend.
    Susanne , Borken

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