3 starke Alternativen als Gegentrend zur Fast Fashion

Derzeit werden jährlich mehr als hundert Milliarden Kleidungsstücke hergestellt – das sind mehr Kleidungsstücke, als alle Menschen auf diesem Planeten jemals auftragen können. Treiber ist die sogenannte Fast-Fashion-Industrie: Hersteller und Händler, die auf schnelle Kollektionswechsel setzen – bei Marktführern wie Zara und H&M bis zu 24-mal im Jahr. Aber wer soll diese Kleidung tragen? Und was bedeutet das für unsere Umwelt, für unsere Gesellschaft? Gibt es einen Ausweg aus der Fast Fashion? Und was heißt hier eigentlich Fast Fashion?


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Als einer der ersten Industriezweige musste sich die Textil- und Bekleidungsindustrie in Deutschland den Herausforderungen der Globalisierung stellen. Produktionsverlagerungen in das kostengünstigere Ausland – zunächst nach Südeuropa, später auch nach Süd- und Ostasien – läuteten ab den 1970er-Jahren einen Strukturwandel ein, der die Branche bis heute prägt. Die großen deutschen Bekleidungshersteller, wie zum Beispiel Adidas, Hugo Boss und s. Oliver greifen heute auf globale Lieferketten eigener und ausgelagerter Produktionsstandorte zurück. Insgesamt stammen dadurch ca. 90 Prozent der in Deutschland gekauften Bekleidung aus dem Import, zum größten Teil aus China, der Türkei und Bangladesch.

Gleichzeitig zeigt eine Studie von McKinsey aus dem Jahre 2020, dass die Bekleidungsindustrie im Jahre 2018 rund 2,1 Milliarden Tonnen Treibhausgase (THG) produzierte und damit weltweit rund 4 % der gesamten Emissionen verbrauchte.

Wie ist der Weg eines Kleidungsstückes?

Bis ein T-Shirt im Laden hängt, hat es in der Regel bereits eine lange Reise hinter sich. Der Lebenszyklus eines Kleidungsstückes umfasst verschiedene Stationen von der Faserzeugung bis zur Entsorgung der Klamotte. Textile Kette nennt man diese Abfolge. Angebaut, erzeugt, produziert, genäht und verschifft werden viele Dinge aus der Bekleidungsindustrie auf der ganzen Welt und danach dann wieder durch die ganze Welt transportiert. Dabei werden die Aufträge über unzählige Zwischenstufen weitergereicht an Sub-Sub-Subunternehmer. 

Die handelsübliche Kleidung macht dabei eine Weltreise und legt eine Strecke von etwa 34.225 km zurück. Einmal um die Erde auf Äquatorhöhe, würde eine Stecke von 40.075 Kilometer bedeuten. Hierzu würden noch rund 5.000 Kilometer fehlen.

Welche Probleme gibt es bei der Fast Fashion?

Wie das Wort es bereits sagt – die Mode ist sehr schnelllebig. Was heute modern ist, ist nächstes Jahr schon wieder abgeschrieben. Wo es früher eine Sommer- und Winterkollektion auf den Markt gebracht wurde, ändert sich heutzutage die Kollektionen monatlich. Neben dem Co2-Verbrauch gehen aber auch noch weitere Faktoren in die Bilanz eines Kleidungsstückes:

Ressourcennutzung

Der Baumwollanbau für ein einziges T-Shirt verschlingt bis zu 2300 Liter Wasser. Für Jeans im Used-Look werden zudem tausende Liter Wasser zur Herstellung benötigt.

(Plastik-) Müll

Neben der natürlichen Ressource Baumwolle werden die heutigen Kleidungsstücke oftmals auch aus einem synthetischen Stoff wie Polyester, Elasthan oder Polyacryl hergestellt. Hierbei wird Erdöl, Erdgas und Kohle verwendet. Gleichzeitig landen weltweit mehr als 70 Prozent der produzierten Kleider auf der Deponie. Auf den Deponien verrottet ein pflegeleichtes Sportshirt im Übrigen aufgrund des Polyesters erst nach gut 500 Jahren.

Gerade im Coronajahr 2020 führte der Lockdown zu einer skurillen Situation: Zu Beginn des Jahres wurde bekannt, dass aufgrund des Pandemie-bedingten Lockdowns der stationäre Mode und Textilhandel bis Ende Januar 2021 ca. 500 Mio. unverkaufte Winterartikel als Überschuss-Ware lagert. Dazwischen kam immer wieder die Diskussion auf, was nun mit der nicht verkauften Ware passieren kann.

Wenn man da die Kosten für das Einlagern gegenrechnet, dann ist es für die Verantwortlichen günstiger, die Ware zu entsorgen – ob im Reißwolf oder in der Verbrennungsanlage, sei mal dahingestellt.

(Geschäftsinhaber und Präsident des Handelsverbands Hessen Jochen Ruths im Gespräch mit tagesschau.de)

Chemikalien

Obwohl Baumwolle nur auf 2,4 Prozent des globalen Ackerlands angebaut wird, stehe sie für 24 Prozent der weltweit versprühten Insektizide und 11 Prozent der verkauften Pestizide, sagt der WWF.  In vielen Arbeitsschritte, wie bei der Fasererzeugung, kommen zudem Chemikalien zum Einsatz. Diese wiederum werden dann einfach ungefiltet in die Flüsse geleitet. Das führt in manchen Herstellungsorten dieser Welt zu einem grotesken Bild: In der indischen Stadt Tiruppur ist das Grundwasser so verseucht, dass Bauern sich fürchten, Gemüse anzubauen.

Arbeitsbedingungen

Fast immer muss Stoff gefärbt, bedruckt, imprägniert und/oder gebleicht werden. Die Arbeiter:innen sind hierbei oftmals hohen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, da sie mit schwer abbaubaren und giftigen Chemikalien arbeiten. Gleichzeitig gibt es immer wieder Berichte über Kinderarbeit, menschenunwürdiger Bezahlung oder katastrophalen Arbeitsbedingungen.

Das gesamte Ausmaß ist seit spätestens 2013 weltweit bekannt: Am 24. April 2013 stürzt in Bangladesch eine Textilfabrik ein. 1.135 Menschen werden getötet, mehr als 2.000 Menschen verletzt.Schon am Tag zuvor hatte man Risse in dem Gebäude entdeckt, die Arbeiter:innen aber gezwungen weiterzuschneidern.

Gibt es Alternativen?

Slow Fashion

Unter dem Begriff Slow Fashion sammelt sich die nachhaltige, entschleunigte, bewusste Mode, die im Gegensatz zur schnelllebigen Massenware steht. Dazu zählt beispielsweise Kleidung, die aus Biostoffen oder recycelten Materialien zu kaufen sind, gebrauchte Sachen, Produkte von kleineren Labels, die lokal produzieren oder einfach Stücke, die länger halten und nicht aus der Mode kommen. Das Prinzip, das hier vertreten wird, nämlich seltener und bewusster Shoppen zu gehen, steht ebenfalls im Gegensatz zum Prinzip des Wegwerfens und Neukaufens. 

Cradle to Cradle

Cradle to Cradle (C2C) bedeutet von der Wiege zu Wiege und ist eine Form der Kreislaufwirtschaft. Gemeint ist ein Wirtschaftssystem, in dem alle Produkte am Ende ihrer Lebenszeit in etwas Neues, Gleichwertiges verwandelt werden – anders als bei der heutigen linearen Wirtschaft, in der die meisten Produkte wenig benutzt und dann weggeworfen werden.

Auf dem Internetauftritt von C2C heißt es: „Materialien bleiben als Nährstoffe innerhalb von zwei Kreisläufen nützlich. Im biologischen Kreislauf werden ausschließlich Stoffe verwendet, die sich am Ende ihrer Nutzung biologisch abbauen können. Dies ist bei Verbrauchsprodukten, die durch ihrem Umgang teilweise oder sogar komplett in die Umwelt gelangen, besonders wichtig. Innerhalb des technischen Kreislaufs werden alle Materialien so verwendet, dass sie nach der Nutzung sortenrein getrennt und vollständig wiederverwendet werden können. Auf diese Weise bleiben biologische und technische Nährstoffe kontinuierlich nützlich und dienen damit immer wieder als neuer Nährstoff für etwas Anderes.“

Einige Unternehmen haben bereits auf diese Kreislaufwirtschaft umgestellt. Die Sportmarke Trigema, die zu 100 Prozent in Deutschland in ressourcensparenden Produktionsanlagen produziert, hat eine komplette C2C-zertifizierte Kollektion im Sortiment. Im Onlineshop von Avocadostore kannst du nach Produkten aus diesem Bereich speziell suchen und auch im Onlineshop von C&A kannst du fündig werden, auch wenn es hier noch keine komplette Umstellung gibt.

Ein „zweites Preisschild“

In einem vom Umweltbundesamt durchgeführten Forschungsvorhaben aus dem Jahre 2020 mit dem Titel „Umweltkosten von Konsumgütern als Ansatzpunkt zur Verbesserung marktlicher und nicht-marktlicher Verbraucherinformationen“ wurde die Umsetzbarkeit eines „Zweiten Preisschildes“ untersucht. Hier heißt es: Für ein „Zweites Preisschild“ werden zunächst die bei der Herstellung eines Produktes entstehenden Umweltbelastungen ermittelt, etwa der Ausstoß von Treibhausgasen und Luftschadstoffen. Diese werden daraufhin in einen Geldwert umgerechnet. Der Geldwert bezieht sich dabei auf die Kosten, die zur Beseitigung oder Vermeidung der Umweltbelastung beziehungsweise für die Beseitigung der durch die Umweltbelastungen entstandenen Schäden nötig wäre. Diese Kosten werden auch als Umweltkosten oder externe Kosten bezeichnet, da sie nicht vom Verursacher bezahlt werden, sondern von anderen, etwa der Allgemeinheit über Steuergelder oder Krankenversicherungsbeiträge. Am Ende können die Kosten verschiedener Umweltbelastungen eines Produkts zusammengerechnet werden und ergeben, addiert auf den Verkaufspreis, einen Gesamtpreis, der als „Zweites Preisschild“ auf oder neben dem Produkt sichtbar sein könnte, um Verbraucher*innen eine leicht verständliche Orientierung für den Kauf möglichst umweltfreundlicher Produkte zu bieten. Bezahlt werden müsste weiterhin lediglich der tatsächliche Verkaufspreis.

Und JETZT?

Jeder Deutsche kauft im Jahr durchschnittlich 60 Kleidungsstücke. In Zukunft kannst du dich also fragen: Ist das wirklich notwendig? Und wir müssen auch klarstellen:

Seine aussortierten Klamotten bei einem gewissen schwedischen Bekleidungshersteller abzuliefern und mit dem dafür bekommenden Einkaufsgutschein wieder neue Ware zu shoppen – das ist leider nicht der Weg, den wir einschlagen müssen.

Coesfeld for Future

Wie immer geht es um das Bewusstsein für ein Problem und danach um die Lösung. Die folgenden Aspekte werden dir sicher auch helfen, dem Problem der Fast Fashion in deinem Alltag entgegenzuwirken:

  1. Vorhandene Mode pflegen & respektieren. Bei Pflege und Wäsche solltest du zudem auf die Verwendung von umweltschonenden Produkten achten. Hier gibt es beispielsweise auch Waschmittel ohne Mikroplastik.
  2. Besser auswählen und weniger neu kaufen. Kleidung shoppen als Befriedigung ist immer eine schlechte Entscheidung. Wie oft hast du schon etwas aus Frust gekauft und nie getragen? Beim nächsten Mal kannst du also einfach mal in dich gehen. Werde ich dieses Kleidungsstück mindestens 30x tragen? Trage ich diese Kleidung auch, wenn ich nicht erst 5kg ab oder zugenommen habe?
  3. Gut kombinierbare, zeitlose Kleidung nutzen. Schlichte T-Shirts kann man mit wesentlich mehr Dingen kombinieren, also die verschnörkelten oder gerade Mode gekommenen Blumen- oder Tigerprints. Deswegen auch der nächste Tipp:
  4. Eigenen Style definieren & Trends ausblenden. Lass dich nicht mehr stressen von den neusten Trends. Finde einfach deinen eigenen Style. Es entspannt dich, die Umwelt und auch deinen Geldbeutel.
  5. Qualität kaufen – also langlebige Kleidung. Das schnelle Primark T-Shirt hat genau denselben Weg hinter sich und oftmals geht es wesentlich schneller kaputt, verbleicht oder sitzt nicht mehr gut. Warum also nicht einfach mal nach Ware suchen, die länger hält und womit man dann auch mehr Freude hat?
  6. Kleidung reparieren, umnähen oder upcyceln. Kennt ihr noch die Bilder oder die Zeiten, in denen die Kinder mit Aufnähern auf ihren Jeans rumliefen? Mittlerweile ist ein Neukauf günstiger als eine Reperatur, aber vielleicht lässt sich aus dem Kleidungsstück ja noch etwas anderes herstellen. Pinterest hat bestimmt eine Idee! Oder einfach mal aus der zerschlissenen Jeans eine kurze Hose machen – schon erlebt die Jeans eine neue Zeit.
  7. Überflüssige Mode tauschen, verkaufen oder spenden.  Vinted ist nach wie vor Trend und auch bei Ebay kann man seine Kleidung sehr gut und einfach verkaufen. Keine Lust auf den Versandrummel? Dann einfach mal bei der Gemeinde oder der Stadt nachfragen, ob es Initiativen oder lokale Vereine gibt, die etwas mit den Dingen anfangen können. Die Flüchtlingshilfe oder die Obdachlosenunterkunft freuen sich bestimmt!

Quellenangaben

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