Gärtnern mit dem Hochbeet: Hier wird jede:r zum Gemüsebauern

Hast du wieder mal im Supermarkt Obst und Gemüse eingekauft und warst erschrocken über die Menge an Verpackungsmaterial, die du schließlich „mitkaufen“ musstest? Oder denkst du ab und zu, wenn du zum Beispiel in eine Tomate oder Gurke beißt, dass die doch nach gar nichts schmecken, obwohl sie so toll aussehen? Als Kind warst du vielleicht in Omas Garten und hast Möhren aus dem Boden gezogen und verputzt, die schmeckten richtig nach Möhren. Ganz zu schweigen von den Erdbeeren. Wo kommen die jetzt her? Aus Spanien?  -ist ein schönes Land. Aber Erdbeeren schmeckten bei Oma besser…

Verpackung, Frische, kurze Transportwege und Geschmack sind schon mal einige Gründe dafür, einen Platz für ein Hochbeet zu suchen. Ein Hochbeet allein kann dabei sicher nicht alle deine Wünsche erfüllen und du wirst dadurch nicht zum Rundum-Selbstversorger, aber die Erfolgserlebnisse lassen bei diesem übersichtlichen Projekt nicht lange auf sich warten.

Welche Vorteile hat ein Hochbeet?

Es gibt viele gute Argumente FÜR ein Hochbeet. Hier findest du vier davon:

  • Du kannst deine Kulturen in Tischhöhe beobachten, jäten und versorgen, auf mögliche Schädlinge kontrollieren, ohne vor oder in deinem Gemüse auf die Knie zu fallen,
  • viele ungebetene Mitesser kannst du leichter auf Abstand halten. Wühlmäusen versperrst du den Zugang durch einen Kaninchendraht unter dem Beet, ein abgewinkeltes Stahlblech am Rand hält Schnecken fern. Kaninchen bleiben (meist) lieber unten.
  • Du kannst selbst da gärtnern, wo wenig Platz ist oder gar kein offener Boden, wo der Boden zu schlecht ist, um darauf einen Versuch zu starten. Wenn du dein Hochbeet mit guter Komposterde füllst, spielt das überhaupt keine Rolle.
  • Du kannst auch dichter pflanzen als in einem Bodenbeet, weil der Boden im Hochbeet die Pflanzen besser ernähren kann, und damit auf der gleichen Fläche eine reichhaltigere Ernte einbringen.

Woraus baue ich ein Hochbeet?

Meistens bestehen die Rahmen aus Holz, aber Metall oder Stein wäre ebenfalls denkbar. Preisgünstig kannst du ein Hochbeet aus alten Paletten bauen, aus Brettern selber einen Holzrahmen herstellen oder die stapelbaren Palettenaufsatzrahmen nutzen, die man in einigen Baumärkten findet oder über Beziehungen gebraucht von Handwerkern bekommen kann. Hier wirst du weniger als 50 – 100 Euro brauchen. Fertig gekaufte Hochbeete sind teurer, aber nicht ertragreicher.

Wo sollte mein Hochbeet stehen?

Erst einmal sollte es einen möglichst sonnigen, ebenen Platz bekommen. Der kann aber auch auf einem Hof, einer Terrasse oder sogar auf einem Balkon oder einer Dachterrasse liegen. Da spielt allerdings die Tragfähigkeit des Untergrundes eine Rolle. Wenn der Wasseranschluss nicht allzu weit ist oder sich eine Regentonne aufstellen lässt, hast du ein wichtiges Problem schon gelöst, denn Gießen bleibt dir nicht erspart.

Wie füllt man ein Hochbeet?

Kurz gesagt: von unten nach oben aufgebaut, von grob nach fein. Unten drin Holz, z.B. vom Gehölzschnitt aus dem Garten zu etwa einem Drittel der Höhe, ruhig ziemlich dicht geschichtet und etwas festgestampft, aber so, dass etwas Luft dazwischen bleibt. Sonst gibt es Fäulnis und keine Verrottung. Verrottung ist, wenn Bodenlebewesen und Mikroorganismen organisches Material abbauen und die kleinsten Teilchen freisetzen zur Wiederverwendung – also als Dünger für dein Gemüse. Fäulnis dagegen geschieht unter Luftabschluss und stinkt, nicht nur dir, sondern auch deinem Gemüse. Das nächste Drittel füllst du mit Laub, abgeschnittenen Stauden und anderen Pflanzenresten, wie bei einem Komposthaufen. Solltest du Bokashi haben, kann er, wie immer zwischen dünnen Erdschichten, auch obendrauf. Solltest du über Kompost verfügen, kommt nun eine Lage grober ausgesiebter Kompost. Der Rest ist gute Komposterde. Die kannst du zum Beispiel preisgünstig vom örtlichen Kompostwerk beziehen, dort wird sie aus Grünabfällen hergestellt. Nimm aber die aus Grünschnitt, nicht aus Haushaltsabfällen, damit überdüngst du dein Beet.

In welcher Reihenfolge kann ich mein Hochbeet bepflanzen?

Die übliche Art, ein Beet zu bepflanzen, wäre in Reihen, längs oder quer. Breit gestreut, kann eine Salatmischung im Frühjahr auch sehr reizvoll sein, ebenso wie eine Blumenmischung im Sommer. Aber wenn du möglichst unterschiedliche Pflanzen darin haben willst, verschiedene Gemüse, Kräuter, vielleicht noch gemischt mit Blumen, dann probier doch mal Gärtnern im Quadrat (Bild 3) oder Square-Gardening. Das Beet wird in Quadrate eingeteilt mit einer Seitenlänge von 30 bis 40 cm. Man kann das mit Leisten, Stöckchen oder einem Band markieren, und dann wird in jedes Quadrat etwas Unterschiedliches gepflanzt oder gesät. Diese Art des Anbaus gibt dir die Möglichkeit, viel mehr Unterschiedliches übersichtlich anzubauen. Je nach Größe der Quadrate und Platzbedarf der Pflanzen kannst du z.B. eine Kohlpflanze, einen Fenchel, eine Tomate oder Paprika in ein Quadrat pflanzen, 4 Kohlrabi, Salatköpfe oder Grünkohl, 9 rote oder bunte Bete, 16 Radieschen oder 25 Möhren, also immer eine Quadratzahl, gestaffelt jeweils nach dem Platz, den die ausgewachsene Pflanze am Ende braucht. Achte darauf, dass die Pflanzen sich nicht gegenseitig das Licht wegnehmen, dass also die kleinsten auf der Seite stehen, die direkt der Sonne zugewandt ist. Allerdings werden Pflanzen wie Zucchini im Laufe der Saison so üppig, dass sie alles andere überwuchern.

Was pflanze ich in das Hochbeet?

Fang am besten mit einfachen Sachen an, vielleicht im Frühjahr mit etwas Salat, Spinat oder Radieschen und im Sommer 1 – 2 Tomaten und ein Basilikum, vielleicht noch eine Peperoni . Das sind so die Sachen, bei denen man wenig falsch machen kann. Salat, am besten Pflücksalat, Radieschen und Spinat kannst du gut selbst aussäen, die anderen kaufst du am Anfang vielleicht als Jungpflanzen. Ein Tipp dazu: keine Petersilie, die verträgt sich mit Salat ausschließlich in der Schüssel, nicht im Beet.

Wenn das geklappt hat, überlegst du am besten, was du am liebsten ernten möchtest. Möglichst viele verschiedene Gemüse? Kräuter? Immer Salat frisch aus dem Beet? Ein Naschbeet mit Erdbeeren, Erbsen und Möhren? Möchtest du selbst aussäen oder vorgezogene Pflänzchen kaufen?

Was muss ich noch beachten?

Dann gehen aber auch die Fragen los. Bio? Na klar, bei dir im Beet sowieso. Kann man immer wieder dieselben Pflanzen ins Beet setzen? Nein, die Pflanzen sollten  wechseln. Was ist Mischkultur? Welche Pflanzen sind gute oder schlechte Nachbarn, das heißt sie fördern oder behindern sich gegenseitig im Wachstum? Muss ich düngen? Kommt drauf an. (Siehe nächster Abschnitt) Welches Saatgut soll ich aussuchen? Wenn’s geht, samenfeste Sorten, keine F1-Hybriden, regional…

Ich merke, dass ich alle diese Fragen hier schon aus Platzgründen unmöglich beantworten kann. Wenn du dich weiter kundig machen willst und nicht einfach drauf los experimentieren, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im Internet findest du Anleitungen, Blogs, Youtube-Videos, Tutorials und Kurse über alles, was du wissen möchtest und noch viel mehr. Ich habe unten ein paar Tipps verlinkt.

Ich bin gerade auf ein schönes Buch gestoßen, das dir viele weitere Fragen sehr verständlich und ausführlich beantwortet, Schritt für Schritt, siehe unten.

Dieser Beitrag soll ja nur ein Anstoß sein, trau dich einfach und fang an! Grüne Finger sind nicht angeboren, man kann sie auch erlernen!

Und jetzt?

Toll ist es in jedem Fall, den Gemüseanbau mit dem Bokashi zu verbinden. Wenn du konsequent das Bodenleben fütterst – mit Bokashi, Pflanzenjauche, ständiger Begrünung und Mulchen, dann musst du auch nicht alle paar Jahre die Erde erneuern, das übernehmen dann die Bodenlebewesen für dich, die können das seit einigen Millionen Jahren ganz gut. Ärgere dich nicht über „Unkraut“ – manches wie Vogelmiere oder Schaumkraut ist lecker im Salat, mit dem Rest kannst du mulchen, das heißt du jätest, zerkleinerst es evtl. etwas und lässt es zwischen den Pflanzen liegen als Futter für die Bodenorganismen. Oder mache eine Jauche daraus, einen organischen Flüssigdünger für deine Pflanzen: lege alles in einen Eimer, gieß Wasser darauf lass es zwei Wochen stehen  (häufiger umrühren). Anschließend gießt du dein Beet mit der 1 : 10 verdünnten Jauche einmal in der Woche. Am besten eignen sich Brennnesseln dazu, aber alle anderen Pflanzen kannst du ebenso hineinmischen. Besonders gut: Wurzelunkräuter machst du damit absolut unschädlich, z.B. Giersch.

Wenn du Steinmehl oder Pflanzenkohle darüber streust, vermeidest du, dass deine Jauche stinkt. Sie „duftet“ dann nur dezent.

Das Schöne an der Gärtnerei ist, dass du ganz praktisch etwas tun kannst. Du solltest natürlich weiter für das Klima auf die Straße gehen oder wo du dich sonst immer engagierst, aber hier trägst du nicht nur etwas zum Klimaschutz bei, du hast auch direkt etwas davon: Leckeres Gemüse oder Kräuter, so geschmackvoll und frisch, wie sie dir kein Laden bieten kann, so klimaschonend, wie es nur geht. Du nimmst aktiv teil am Kreislauf des Lebens, nicht nur der Jahreszeiten, sondern du erlebst auch, wie Altes abstirbt und daraus Neues entsteht. Jedes Ende birgt einen neuen Anfang! Entspannung ist allemal im Bonuspaket enthalten. Dass es auch noch sehr schön aussieht, davon reden wir hier gar nicht erst. Für alle Sinne ist etwas dabei!


Quellenangaben

  • Buch: Mit dem Hochbeet durchs Gartenjahr, Die Stadtgärtner, Edition Michael Fischer, Igling 2020
  • Gartenzeitung: Kraut und Rüben 2/2021 und 2/2022
  • https://www.smarticular.net/beetrahmen-bauen-beeteinfassung-aus-holz/
  • https://www.smarticular.net/hochbeet-pflanzen-gemuese-kraeuter-blumen-befuellen/
  • https://www.smarticular.net/hochbeet-paletten-bauen-anleitung-guenstig/
  • https://www.smarticular.net/hochbeet-bauen-vorteile-und-tipps/
  • https://www.smarticular.net/square-foot-gardening-gaertnern-im-quadrat/
  • Die YouTube Videos von Gartengemüsekiosk und von Marie von Wurzelwerk kann ich auch empfehlen, da bekommt man Tipps fürs Gärtnern rund ums Jahr

2 Antworten

  1. Miriam-Katharina Dosch sagt:

    Liebe Christa, ich freue mich und danke Dir sehr für Deinen Hochbeet-Beitrag! Wie schön, dass Du uns Interessierten an Deinem reichhaltigen Wissen teilhaben lässt 😀. Bin gerade in mein 2. Hochbeetjahr gestartet und nutze Deine Ideen. Besonders spannend finde ich den Einsatz von Jauche bei Wurzelkräutern. Ist das auch bei Ackerschachtelhalm wirksam??
    Herzliche Grüsse und bis bald persönlich

    • Christa sagt:

      Liebe Miriam Katharina,
      tatsächlich ist grundsätzlich jedes Kraut für eine Jauche geeignet. Brennessel enthält ziemlich viel Stickstoff und ist deshalb ein guter Dünger, Beinwell enthält relativ viel Kalium, deshalb fördert es den Fruchtansatz zB bei Tomaten. Ackerschachtelhalm enthält Kieselsäure und stärkt damit die Zellwände und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und „Mitessende“ (Als Schädlinge erscheinen sie nur uns Menschen, dabei machen sie uns eher darauf aufmerksam, dass wir irgendwas nicht verstanden haben). Er weist außerdem oft auf einen verdichteten und nährstoffarmen Boden hin. Also: du machst nichts falsch, wenn du ihn für eine Jauche verwendest.

      Viele Grüße,
      Christa

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