Gartengestaltung: Mit diesen sechs Tipps Wasser im Garten auffangen und dem Wassermangel entgegenwirken

Zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt, aber weniger als 3 Prozent davon sind Süßwasser. Der größte Teil davon liegt als (immer noch) dicke Eisschicht an den Polen. Ein Teil befindet sich weit unter der Erde in der Lithosphäre (Gesteinsschicht), in unzugänglichen Grundwasserschichten. Nur 0,0001 % (ein Hundertstel Promille), etwa 144.000 Kubikkilometer, sind leicht zugängliches Süßwasser: z.B. Flüsse, Seen, oberflächennahes Grundwasser.[1]  Das würde für die Bedürfnisse von menschlichen und nicht-menschlichen Erdbewohnern eigentlich ausreichen.  Das System des Wasserkreislaufs (Verbrauch und Erneuerung) hatte sich im Verlauf vieler Millionen Jahre ganz gut eingespielt.

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Jahrhundertelang konnte die Einwirkung des Menschen durch die Kräfte der Natur ausgeglichen werden. Inzwischen ist das System durch die Klimakrise jedoch aus der Balance geraten. Wir erleben verstärkt einen Wechsel von zu viel und zu wenig Wasser, ungleichmäßig verteilt über die Erde und über das Jahr. Immer mehr Menschen leiden unter Wassermangel, im Wechsel mit Überschwemmungen oder sie haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.[2] Bei uns in Mitteleuropa schien es viele Jahre noch, als seien wir kaum davon betroffen, aber seit den drei Dürrejahren 2018 – 2020, einigen Starkregenereignissen und der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021 wächst auch hier bei uns die Erkenntnis, dass wir etwas tun müssen, wenn wir überleben wollen. (Leseempfehlung: Unser Wasserfußabdruck)

Worauf es ankommt

Hier wie bei allen Maßnahmen gegen die Klimakrise sind natürlich vor allem die Städte und Gemeinden, Regierungen und übernationalen Institutionen gefordert. Das heißt aber nicht, dass wir nun Däumchen drehen oder die Hände in den Schoß legen sollten. Jede:r von uns kann seinen Beitrag dazu leisten!

Außer den üblichen Regeln zum Wassersparen gibt es auch im Garten und rund ums Haus eine Menge Möglichkeiten, die helfen, die Folgen der Klimaveränderungen abzufedern.

Es geht darum,

  1. Wasser zu speichern,
  2. es zurückzuhalten,
  3. es versickern zu lassen,
  4. den Boden aufnahmefähiger zu machen,
  5. die Bepflanzung anzupassen und
  6. liebe Gewohnheiten zu hinterfragen.

Wasser speichern

Eine einfache und effektive Maßnahme ist das Aufstellen einer Regentonne. Dort „werden große Niederschlagsmengen über Regenrinne und Fallrohr vom Dach in die Regentonne geleitet, die sich daher an regenreichen Tagen äußerst schnell füllt. Damit dir kein Tropfen des kostbaren Nasses entgeht, kannst du gleich mehrere Regentonnen miteinander verbinden, sodass das Überlaufwasser der ersten in die zweite fließt.“[3]

Deinen Wasserbedarf des ganzen Jahres wirst du mit Regentonnen zwar nicht decken können, aber vielleicht kannst du ja sogar einen unterirdischen Wassertank, eine Zisterne, anlegen?[4] Damit kannst du sehr viel mehr Wasser speichern. Weiterer Vorteil: Du entlastest die Kanalisation und deinen Geldbeutel, denn du kannst damit zumindest teilweise deine Pflanzen gießen. Die werden es dir danken, denn Regenwasser bekommt ihnen viel besser als Wasser aus der Leitung. In der Natur wird schließlich auch kein Leitungswasser verwendet. Leitungswasser ist oft zu kalkhaltig. So, wie es aus dem Hahn kommt, ist es oft auch zu kalt.

Wasser zurückhalten

Beobachte einmal genau, wie das Wasser bei Regen über dein Grundstück fließt: Wo strömt es einfach darüber hin und ist dann verloren, weil es über den Gully abfließt? Wo könntest du es eine Weile zurückhalten, damit mehr versickern kann? Könntest du mit einem kleinen Damm oder mit einigen größeren Steinen den Abfluss lenken? In einer Senke könnte sich aus dem Regenwasser für Stunden oder Tage – oder dauerhaft – ein kleiner Teich bilden. An einer sowieso feuchten Stelle ließe sich vielleicht ein Sumpfbeet mit Pflanzen anlegen, die das Wasser lieben. Dazu gehören u.a. Etagenprimeln, Schwertlilien, Gauklerblumen und Blutweiderich, Brunnenkresse, Baldrian, Mädesüß und viele andere.[5]

Wasser versickern lassen

Kannst du Flächen und Wege, statt sie mit Beton zu versiegeln, einfach durch einen Rasenweg ersetzen oder sie mit Rindenmulch, Holzhäcksel oder Kies bedecken? Das sieht nicht nur natürlicher aus, es ist auch belebend, unterschiedliche Materialien unter den Füßen zu spüren.[6]

Du könntest damit so etwas wie einen Barfußpfad anlegen, der nicht nur die Sohlen, sondern auch die Sinne kitzelt!  Nebenbei hilft es enorm dabei, Wasser an Ort und Stelle zu halten und versickern zu lassen.

Über reine Betonplatten läuft Wasser einfach ab in den Gully. Bei starkem Regen sind dann die Abwasserleitungen überlastet und es kommt zu Überschwemmungen. Stell dir vor, etwa 50 % dieses zu viel an Wasser würde in den Gärten, Grundstücken oder Gründächern aufgefangen werden. Das macht einen enormen Unterschied und hilft bei zukünftigen Überschwemmungen. Das Wasser würde anschließend im Boden gespeichert und könnte von den Wurzeln der Pflanzen aufgenommen werden, wenn es wieder mal zu trocken ist. Ein Teil davon käme sogar im Grundwasser an.[7] Das ist ein wichtiger Kreislauf, den wir wieder herstellen könnten.

Den Boden aufnahmefähiger machen

Die Beschaffenheit des Bodens ist entscheidend für seine Wasserhaltefähigkeit. Räumst du immer jedes Blättchen und Pflänzchen beiseite, das eigentlich den Boden nähren und befestigen sollte? Auch hier können wir erneut von der Natur etwas lernen: Wenn du durch einen Wald gehst, ist überall der Grund, wo er nicht bewachsen ist, mit Laub oder Nadeln bedeckt. Darunter hat sich weicher, lockerer Boden gebildet, der bei Regen wie ein Schwamm wirkt. Niemand räumt da auf und doch funktioniert das System.

Ein bedeckter Boden, humusreich und locker, kann bis zu 20-mal mehr Wasser aufnehmen, als wenn er kahl und ausgelaugt ist.[8] Mit Kompost, Mulch und ständigem Bewuchs kannst du nach und nach deinen Boden verbessern. (Vorsicht: arbeite nicht mit Torf, das nützt dem Garten nichts und zerstört Moore, die unsere wertvollsten CO₂-Speicher sind).

Moospolster im Garten können ebenfalls ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Wasser aufnehmen. Sie reinigen die Luft, halten den Boden feucht und schützen ihn vor zu viel Verdunstung[9]. Ist es da eigentlich sinnvoll, das Moos mit viel Aufwand komplett zu entfernen? Oder kannst du es als willkommenen Mitspieler in deinem Garten akzeptieren?

Die Bepflanzung anpassen

Die Bepflanzung im Garten kann dazu beitragen, dass Menschen und Tiere sich wohlfühlen. Schattige Plätze kühlen im Sommer, Pflanzen verdunsten Wasser, begrünte Wände können sich nicht so stark erhitzen, dicht bewachsener Boden trocknet nicht so stark aus wie kahle Erde. All das trägt auch dazu bei, CO₂ zu speichern. Versiegelte, steinerne Flächen und Wände speichern dagegen Hitze und strahlen sie abends wieder ab, sodass sich die Luft dort weniger abkühlt. Das kann einen Unterschied von einigen Grad ausmachen.[10] Wo das Sonnenlicht auf den unbedeckten Erdboden trifft, verschwindet der Humus, indem er mit Sauerstoff reagiert, und setzt dadurch CO₂ frei. Er löst sich regelrecht in Luft auf. Wo Pflanzen den Boden bedecken, können sie durch das Sonnenlicht Fotosynthese betreiben. Sie binden damit CO₂ und bringen Kohlenstoff über ihre Wurzeln in den Boden ein.

Für alle Standorte im Garten gibt es Pflanzen, die sich genau an der Stelle wohlfühlen können – im Laufe der Evolution haben sich unterschiedliche Lebensformen entwickelt, die schließlich jede Nische besetzt haben: feuchte und trockene, sonnige, schattige und halbschattige Plätze.

Solltest du eine Bepflanzung suchen, die besonders gut mit Trockenheit fertig wird, sind Präriegärten ein Vorbild[11]. Die Pflanzen aus diesem Bereich haben oft eine relativ lange und späte Blütezeit und sind deshalb besonders insektenfreundlich.

Wasser sparen und liebgewordene Gewohnheiten hinterfragen

Normaler Rasen statt Golfplatzfeeling

Frage dich, wann und was du im Garten wässerst: Muss dein Rasen aussehen wie ein Golfgreen? Oder ist dir eine grüne Mischung aus Gras, Kräutern und eventuell etwas Moos auch recht?

Kurze Phasen der Trockenheit übersteht ein Rasen ohne Probleme. Er erholt sich schnell wieder, sobald es regnet.  Frisch angelegter Rasen muss natürlich gewässert werden. Gut eingewachsenes Gras kann lange Wurzeln bis in 2 m Tiefe ausbilden, wenn es nicht zu sehr verwöhnt wird. Rasen muss viel weniger gedüngt und gegossen werden, als man so im Allgemeinen glaubt.

Die Kunst des Gießens, aber nicht verwöhnens

In der Sommersonne denkst du vielleicht manchmal, wie schön jetzt eine kühle Dusche wäre. Schaust du deine Pflanzen an, sehen sie oft auch so aus, als würden sie Wasser brauchen. Wenn sie aber nur ein bisschen die Blätter hängen lassen, schützen sie sich selbst vor zu viel Verdunstung. Sie erholen sich schnell, sobald es schattiger und kühler wird.

Durch Gießen in der Mittagssonne riskierst du eher Schäden an den Blättern. Morgens und abends kannst du gießen, wenn es nötig ist, beim Gießen über Tag verdunstet aber mehr Wasser, als im Wurzelbereich ankommt.

Wenn du wässerst, dann reichlich, aber selten.

Coesfeld for Future

Das Wasser kann dann tiefer in den Boden eindringen und das Wurzelwachstum wird angeregt. Eine gute und relativ einfache Methode für bestimmte Pflanzen, neu angelegte Hecken oder Beete ist die Tröpfchenbewässerung. Durch einen Schlauch mit (vielen) kleinen Löchern läuft langsam Wasser und tropft genau dorthin, wo das Wasser benötigt wird.[12] Manchmal hilft es auch schon, wenn du einen Tontopf neben einer Pflanze in den Boden versenkst und dort hineingießt. So dringt das Wasser besser bis zu den Wurzeln und läuft nicht über den vielleicht ausgetrockneten Boden ab.

Mulchen statt häufiges Gießen

Kannst du in Beeten und unter Sträuchern gut mulchen – mit allem, was so im Garten an „Abfällen“ zusammenkommt?  Mulchen hilft die Feuchtigkeit im Boden zu halten und die Verdunstung zu mindern. Du könntest alles, was an organischem Material im Garten übrig ist, zerkleinern und zwischen Stauden und unter Sträuchern liegen lassen, statt alles immer penibel aufzuräumen. Die Lebewesen in deinem Garten finden so einen perfekten Lebensraum. Wenn du das Gefühl hast, du brauchst es sauber und aufgeräumt, dann probiere mal aus, mit Rindenmulch und Holzhäcksel zu mulchen statt mit Pflanzenresten. Dann solltest du aber gelegentlich mit organischem Flüssigdünger nachhelfen, denn die Holzreste brauchen Stickstoff zur Verrottung und nehmen ihn sonst den Pflanzen weg.

Dicht wachsende Bodendecker sind besser angepasst als einzeln wachsende einjährige Sommerblumen, die du dann sowieso am Ende des Sommers rausziehst und wegwirfst. Ein paar dürfen gerne zwischen den Stauden stehen, aber mehrjährige Stauden sind einfach ökologisch nachhaltiger.

Bye bye Hochdruckreiniger

Überdenke den Gebrauch von Hochdruckreinigern. Sie verbrauchen viel Wasser. Wo sind sie unverzichtbar und wo kannst du von ihrem Gebrauch absehen? Manch unscheinbare Lebensräume nehmen wir kaum wahr oder stören uns an ihnen, weil sie unserem Bedürfnis an Perfektion nicht entsprechen. Die Flechten, die ältere Steine besiedeln, sind eine Symbiose aus Algen und Pilzen. Sie sind zu der Zeit entstanden, als es sonst noch keine Landpflanzen gab, weil der Trick mit den Wurzeln noch nicht erfunden war. Also sind sie eine der ältesten Lebensformen des Planeten. Das Alter werden die Menschen nie auch nur annähernd erreichen. Außerdem wachsen sie nur da, wo die Luft noch einigermaßen gut ist.

Und JETZT?

Lass deinen Garten zu einer grünen Oase werden. Versuche, mit den Mitteln, die dir von der Natur zur Verfügung gestellt werden, möglichst effektiv umzugehen. (Leseempfehlung: Klimawandel im Garten)

Wie du oben lesen konntest, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die dir und deinem Garten helfen können, die natürliche Balance in Teilen zu erhalten und zurückzugewinnen. Du wirst sehen, dass du dadurch nur gewinnen kannst: an Erkenntnis, Wissen, Befriedigung und Freude.

An manchen Stellen kannst du etwas tun: Regenwasser nutzen, Böden entsiegeln und verbessern. Und manchmal ist es auch einfach wichtiger, dem Lebensraum Natur einfach so zu lassen. Arbeite mit der Natur, nicht gegen sie. Beobachte, wie Dinge sich entwickeln und versuche nicht, allem deinen Stempel aufzudrücken. Deine Nicht-menschlichen Garten-Mitbewohner werden es dir danken – und du bewegst dich schon ein gutes Stück weit in Richtung Permakultur.


Quellenangaben

  • [1] https://www.oekosystem-erde.de/html/wasser.html
  • [2] 2. https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/weltwassertag-2021-zehn-fakten-ueber-wasser/172968
  • [3] https://www.smarticular.net/regenwasser-sammeln/
  • [4] https://www.mein-schoener-garten.de/zisterne-0
  • [5] https://www.gartenteich-ratgeber.com/pflanzen/teichrandpflanzen/sumpfpflanzen/
  • [6] https://www.plantopedia.de/barfusspfad-untergruende/( -nicht alle Beispiele folgen der Idee der Entsiegelung, aber sie sind so vielfältig, dass du bestimmt etwas Geeignetes findest.)
  • [7] https://www.abwasser-beratung.nrw/wissen/verbraucherzentrale/von-der-versiegelung-zur-entsiegelung-50358
  • [8] https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/duengung/guelle/duenger/humus.htm
  • [9] https://www.24garten.de/mein-garten/gaertnern/moos-garten-unkraut-bedeutung-moor-oekosystem-wald-feuchtigkeit-vertikutieren-koeln-90897528.html
  • [10] https://wetter-wissen.de/stadtklima-so-veraendern-pflanzen-die-temperatur/
  • [11] https://freudengarten.de/show/1450/prariegarten-anlegen-gestalten
  • [12] https://www.hausgarten.net/gartenpflege/bewaesserung/tropfbewaesserung-selber-bauen.html

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Eine Antwort

  1. Thomas Fehige sagt:

    Es wäre schön, wenn die Quellenangaben anklickbare Links wären!

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