Heizpilze: Warum wir aufhören müssen unsere Straße zu heizen

Die Abende werden wieder kälter, aber manch einer möchte gerade zu Pandemiezeiten nicht auf das abendliche Treffen mit Freunden verzichten. Insbesondere die Gastronomie, die unter den Coronamaßnahmen große Verluste verzeichnete, versucht mit kreativen Ideen die Menschen weiterhin in die Außenbereiche ihrer Lokale zu locken. Das wird meistens durch Wärmestrahler, auch Heizplize genannt, umgesetzt. Aber sind Heizpilze hier der richtige Ansatz? Und wie sieht ihre Umweltbilanz aus?

Deswegen müssen wir darüber reden

Mittlerweile gibt es Heizpilze in allen möglichen Formen als Standheizstrahler, gasbetriebene Terassenfeuer, Tischheizstrahler oder in der bekanntesten Art: Dem Heizpilz. Doch dieser ist ein wahrer Co2-Fabrikant. Laut BUND-Energieexpertin Colaço verbrauche ein Heizpilz pro Saison so viel Kohlendioxid, wie ein Kleinwagen in einem Jahr.[1]

Wie funktionieren Heizpilze?

Es gibt zwei Arten der Terassenheizstrahler:

  1. Gasbetriebene Geräte. Diese sind meist mobil einsetzbar und erhitzen mit einem Gasbrenner ein gelochtes Blech, das anschließend Infrarotstrahlung emittiert.[2] Gasbetriebene Terrassenheizstrahler nutzen in der Regel sogenanntes Flüssiggas aus 11kg-Druckflaschen. Es existieren auch fest installierte gasbetriebene Systeme. Hierbei wird häufig der Brennstoff Erdgas genutzt.[3]
  • Elektrische Heizstrahler. Diese sind in der Regel fest montiert und benutzen Leuchtmittel, die direkte Infrarotstrahlung erzeugen. Die Infrarotsttrahlung wandelt sich dort, wo sie auftrifft, in Wärme um – zum Beispiel auf der menschlichen Haut. Die erzeugte Infrarot-Strahlung erwärmt die Umgebungsluft allerdings nur in geringem Maße.

Let`s talk real: Wie klimaschädlich sind Heizpilze?

Hierzu hat das Umweltbundesamt im Jahre 2009 ein Hintergrundpapier veröffentlicht. Es wurde gezeigt, dass ein mit Flüssiggas betriebener Heizpilz 234g Co2/kWh als Emissionsfaktor verbraucht und ein strombetriebener sogar 596g Co2/kWh.[4] Dabei stellt das Umweltbundesamt allerdings auch fest, dass diese Gegenüberstellung aufgrund der unterschiedlichen Leistungen nicht sinnvoll ist. Ihre Begründung: „Die tatsächlich entstehenden Emissionen sind sowohl für Strom als auch für Flüssiggas und Erdgas um wenige Prozent höher.“

Die oben genannten Emissionsfaktoren enthielten dabei weder andere Treibhausgase, d.h. Nicht-CO2-Treibhausgase („Äquivalente“) – wie Methan oder Lachgas, noch Energieaufwendungen und mit ihnen verbundene Emissionen für Erschließung und Aufbereitung der Primärenergieträger („Vorketten“), so das Umweltbundesamt.

Eine besser geeignete Bezugsgröße sei die spezifische Leistungsaufnahme, also Leistungsaufnahme pro (laut Anbieter) beheizbarem Quadratmeter. Die mittlere spezifische Leistungsaufnahme der gasbetriebenen Terrassenheizstrahler unterliegt einer weiten Streuung und liegt zwischen 158 W/m² bis 488 W/m² (im Mittel 283 W/m²).7 Die spezifische Leistung der elektrischen Terrassenheizstrahler liegt zwischen 67 W/m² bis 143 W/m² (im Mittel 124 W/m²).

Nehmen wir hierzu und zum besseren Verständnis aber einfach mal einen wesentlich praktischeren Vergleich zur Hand und stellen uns die Frage:

Wie lange könnte man mit der stündlichen Heizwärme eines Heizstrahlers einen Raum in einem Niedrigenergiehaus beheizen, der so groß ist wie die jeweils angegeben beheizbare Fläche?

Betreibt man einen Gas-Terrassenheizstrahler eine Stunde lang, so reicht diese Energie also aus, um einen gleich großen Raum drei- bis zehnmal (im Mittel sechsmal) so lange zu beheizen wie die im Freien befindliche Fläche. Elektrische Heizstrahler mögen zwar zunächst effizienter erscheinen, da deren verbrauchte Energie nur 1,3- bis 2,9-mal (im Mittel 2,5-mal) so lange reicht, um einen gleich großen Raum eines Niedrigenergiehauses zu erwärmen. Ein Niedrighaus ist ein Haus, bei dem der Energieverbauch durch eine gute Isolierung, energiesparende Vorrichtung oder Ähnliches geringgehalten wird. 

Die energieaufwändige und CO2-intensive Stromerzeugung in Deutschland führt jedoch dazu, dass beide Techniken etwa gleich CO2-intensiv sind.

Schon die Idee, „die Straße zu beheizen“, müsste mit gesundem Menschenverstand widersinnig sein. Dabei ist es im Übrigen unwesentlich, ob der Heizpilz in der öffentlichen Gastronomie steht oder im privaten Garten. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der ehrgeizigen Klimaschutzziele in Deutschland und der gesamten Europäischen Union, die der Reduzierung der Treibhausgaseemissionen große Bedeutung zumessen. In Zeiten des intensiven Klimaschutzes gilt es als überholt, Außenbereiche warm zu halten, während wir uns mit großem Aufwand bemühen, beim Beheizen der Innenräume Energie zu sparen.

Heizpilze sind absolute Klimakiller und längst ein Symbol für das Desaster, das wir wissentlich mit diesem Planeten anrichten: Wir verheizen ihn.

Coesfeld for Future

Argumente gegen Heizpilze – auch in Pandemiezeiten

Gerade in Pandemiezeiten gibt es eine weitere Betrachtung, die gegen Heizpilze sprechen:

  • Die Errichtung von beheizten Außenzelten ohne freie Luftzirkulation stellt in der kalten Jahreszeit keine sichere Lösung bezüglich COVID-19 dar.
  • Auch unter einem Heizpilz wird es bei zwei Grad Außentemperatur und Nieselregen nicht unbedingt gemütlich. Hier würden also auch Heizpilze keine Kundschaft anlocken.

Was sind Alternativen zu Heizpilzen?

Wenn nun Heizpilze keine Möglichkeit mehr darstellen, dann stellt sich berechtigterweise die Frage: Was sind die Alternativen zu den Heizpilzen? Ein Blick in die Zeit vor den hippen Heizstrahlern lohnt sich. Angesagte und klimaschützendere Alternativen wären:

  • Kaufe dir einen dicken bequemen Pullover, der trotzdem schick genug ist, um damit mit deinen Freunden ausgehen zu wollen.
  • Dicke Wollsocken über den Fußbund die Mom-Jeans ziehen und dazu ein paar klobige Boots halten die Füße garantiert warm.
  • Decken. Hier können uns die Gastronomiebetrieben einen Gefallen tun und diese bereits in ihren Außenbereich auslegen.
  • Heiße Getränke– sei es ein Glühwein, Kinderpunsch, Kakao oder einfach Tee. Was spricht gegen ein bisschen innere Wärme- das Klima ist schon warm genug.

Quellenangaben:

[1] https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.einbussen-in-der-corona-krise-gastronomiebranche-will-ab-herbst-umsaetze-mit-heizpilzen-retten.ce113aec-d89a-450d-804b-5152dcdb9189.html

[2] https://www.bremer-umwelt-beratung.de/Umwelttipps-Energie-Wasser-Terrassenheizstrahler.html

[3] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3735.pdf

[4] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3735.pdf

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