Die Hirse, ihre Kultur und unsere Hirsetaler

Hirse ist ein ganz besonderes Lebensmittel. Lange Zeit war das kleinkörnige Getreide in Vergessenheit geraten, erlebt aber seit einigen Jahren wieder sein wohlverdientes Comeback. Und weil es zudem eine sehr gute Co2 Bilanz und ein attraktiver Fleischersatz ist, hat es ihren Platz in unserer „Coesfeld kocht fürs Klima“ Rubrik verdient.


Deswegen sollten wir darüber sprechen

Hirse ist gesund und in der Küche vielseitig einsetzbar. Sie schmeckt mild bis leicht nussig und kann zu einem süßen oder herzhaften Speisen verarbeitet werden. Durch ihren hohen Nährstoffgehalt und ihre gute CO₂-Bilanz ist sie ein optimaler Fleischersatz.

Was ist Hirse?

Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide, die zur Familie der Süßgräser gehören. Der früher gebräuchliche männliche Vorname „Hirse“ stammt aus dem Altgermanischen und ist von einem indogermanischen Wort für „Sättigung, Nährung, Nahrhaftigkeit“ abgeleitet. Dabei diente dieses Süßgras bereits vor 8.000 Jahren dazu, ungesäuertes Fladenbrot herzustellen. In China wird Rispenhirse seit mindestens 4.000 Jahren landwirtschaftlich genutzt.

Welche Hirsesorten gibt es?

Die wirtschaftlich wichtigsten Hirsesorten sind:

  • die Perlhirse
  • die Sorghumhirse (Zuckerhirse)
  • die Fingerhirse
  • die Rispenhirse
  • die Kolbenhirse
  • der Teff (Zwerghirse).

Hirse ist ein sehr mineralstoffreiches Getreide. Im Handel üblich ist die von Schalen befreite Hirse („Goldhirse“). Daneben gibt es die ungeschälte Hirse, sowie die dunkelschalige Braunhirse.

In vielen Gebieten Afrikas und Asiens sind die unterschiedlichen Hirsearten Hauptnahrungsmittel, weil sie in nur 100 Tagen reifen und selbst extreme Dürrezeiten unbeschadet übersteht. Sie wird allerdings zunehmend durch Mais verdrängt. Kolbenhirse dient zudem als Nahrung und in Osteuropa als Viehfutter, in Europa und Nordamerika als Vogelfutter für die Ziervogelhaltung.

In Deutschland wurde Hirse im Übrigen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kultiviert, bis sie bei der Herstellung von Lebensmitteln durch ertragreichere Lebensmittel, wie Kartoffeln und Mais verdrängt wurde. Inzwischen gibt es Versuche, Hirse hierzulande wieder heimisch zu machen. Bio-Hirse wird heute überwiegend in traditionellen Anbaugebieten in China produziert, wo das Getreide seinen Ursprung hat.

Für die industrielle Nutzung ist vor allem die Sorghumhirse von Interesse. Neben den Samen wird bei ihr auch der Halm zur Herstellung von Naturfasern genutzt (Faserhirse). In den USA wiederum werden große Hoffnungen in die Rutenhirse als Lieferant von Cellulose-Ethanol gesetzt. Die Sorghumhirse gilt aufgrund der großen und kohlenhydratreichen Biomasse als aussichtsreiche Energiepflanze zur Biogaserzeugung, vor allem in trockenen Lagen.

Hirse kann saisonunabhängig angebaut werden.

Warum sollten wir Hirse einmal genauer betrachten?

Hirse und ihre Co2 Bilanz

Mit einem Emissionswert von ca. 0,05 kg CO₂ pro 100 g Hirse, ist die CO₂-Bilanz von Hirse sehr gering. Wenn man es mit 100 g Schweinehackfleisch (0,56 kg CO₂) vergleicht, sieht man deutlich den Unterschied. (Vergleich Hirsetaler/ Frikadelle aus Fleisch)

Kleiner Tipp: Auf der Internetseite von Klimatarier.com kann man experimentieren und anschaulich vergleichen, wie viel CO₂ man gerade auf dem Teller hat.

Hirse und ihre gesundheitlichen Aspekte

Hirse enthält viele gesunde Nährstoffe:

  • guter Eiweißlieferant
  • Silizium: wichtig für gesunde und stabile Nägel und Haare (und schöne Haut). Das Bindegewebe soll von Hirse positiv beeinflusst werden.
  • Fluor: wichtig für Zahnschmelz und Zahngesundheit
  • hoher Eisengehalt: da das pflanzliche Eisen vom menschlichen Körper aber schlechter verwertet wird, sollte Hirse am besten zusammen mit Vitamin C-reichen Gemüse- und Obstsorten oder Säften verzehrt werden. Das Vitamin verbessert die Eisen-Aufnahme.
  • hoher Anteil an Fluor, Schwefel, Phosphor, Magnesium, Kalium und Vitamin B6
  • Das besondere an Hirse ist, dass sich die Nährstoffe nicht nur in den äußeren Randschichten befinden, sondern im ganzen Korn vorhanden sind.
  • sie ist leicht verdaulich, hat aber leider wenig Ballaststoffe
  • Hirse ist glutenfrei und kann somit von Menschen mit Zöliakie (chronische Darmerkrankung) als Alternative zu Weizen und anderen Getreiden verwendet werden.

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Was kann man aus Hirse zubereiten?

  • süßen Hirsebrei, mit Pflanzenmilch gekocht und frischem Obst serviert
  • Hirsotto (wie Risotto, nur mit Hirse)
  • Bratlinge
  • Gemüsefüllungen (z.B. Paprikaschoten mit Hirsefüllung)
  • Salate
  • Pfannkuchen
  • Aufläufe
  • Nocken als Suppeneinlage

Koch- und Küchentipps für den Umgang mit Hirse

  • Einkauf. Wer ganz sichergehen möchte, dass keinerlei Schadstoffe in der Hirse vorkommen, kauft am besten ein Bio-Produkt.
  • Lagerung. trocken und gut verschlossen
  • Vorbereitung. Hirsekörner vor dem Kochen für 1-2 Stunden in Wasser einweichen. Anschließend das Wasser weggießen, die Hirse in einem Sieb nochmals abspülen und abtropfen lassen. So kann man Schadstoffe entfernen und die reichlich vorhandenen Mineralstoffe besser ausnutzen.
  • Zubereitungstipps für Hirse. Auf eine Tasse Hirse rechnet man 3-4 Tassen Wasser. Die Hirse einmal aufkochen und dann abgedeckt bei kleinster Hitze etwa 30 Minuten ausquellen lassen.

Quellenangaben

Unser Rezept: Hirsetaler

Zutaten

  • 200 g Hirse
  • 400 ml Wasser
  • 2 kleine Möhren
  • 1 rote Paprika
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Erbsen, frisch oder TK
  • 1 EL Tomatenmark
  • Kurkuma
  • geräucherte Paprika
  • Pfeffer
  • Salz
  • Rapsöl zum Anbraten

Zubereitung

  • Die Hirse auf ein Sieb geben, mit fließendem Wasser abspülen und mind. eine Stunde in kaltem Wasser einweichen.
  • Die Hirse abgießen und mit frischem Wasser in einem kleinen Topf zum Kochen bringen. Nachdem die Hirse 2 Minuten sprudelnd gekocht hat, kann sie nun ungefähr 15 Minuten bei wenig Hitze aufquellen. Ab und zu umrühren.
  • Wenn sie weich ist, Topf vom Herd nehmen und die auskühlen lassen.
  • In der Zwischenzeit die Möhre schälen und fein reiben.
  • Die Paprika entkernen und fein würfeln.
  • Die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden.
  • Die Knoblauchzehe schälen und pressen.
  • Die Erbsen auftauen lassen.
  • Nun alle Zutaten miteinander vermengen, bis ein gut formbarer Teig entstanden ist. Falls der Teig zu weich oder klebrig ist, einfach etwas Vollkornmehl dazugeben. Dadurch erhält der Teig zusätzliche Bindung.
  • Mit Salz abschmecken und zu ca. 16 runden Talern formen. Die Taler in der heißen Pfanne in Rapsöl ausbacken bis sie eine schöne, goldgelbe Kruste haben

    Anmerkungen

    • Zu den Hirsetalern passen gut ein Salat aus saisonalem Gemüse und ein herzhafter Dip (z.B. aus Alpro Skyr und frischen Kräutern).
    • Das Rezept ist für das Mittagessen einer vierköpfigen Familie ausgelegt. Bei Bedarf kann es problemlos halbiert werden.
    • Die Hirsetaler schmecken auch kalt am nächsten Tag noch sehr gut und können in einer Butterbrotdose unkompliziert transportiert werden.

    Viel Spaß beim Nachkochen und guten Appetit!

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