Ein Urlaubsort, das Wasser und die Klimagerechtigkeit

Taucher-Inseln-

Auf vielen For Future-Demonstrationen hört man immer wieder die Rufe nach „Climate Justice“. Was aber genau bedeutet das? Was haben wir in Coesfeld mit einem kleinen Inselstaat zu tun? Und warum ist gemeinsames Handeln in einer globalisierten Welt so enorm von Bedeutung? Wir möchten euch aufklären!


„Die Marshallinseln stehen (..) unter den Freunden der Unterwasserwelt für eine hervorragende Urlaubsdestination. Durch die unweit der Küste gesunkenen Kriegsschiffe werden Tauchgänge im Bikini-Atoll zu einem spektakulären Erlebnis. Zudem bieten die Wracks Geschichte zum Anfassen inmitten eines Weltkulturerbes. Die Marshallinseln haben nicht nur eine reiche Unterwasserwelt zu bieten, auch an Land kann man sich kaum sattsehen am Farbenreichtum und dem prallen Leben.“, so beschreibt die Urlaubsplattform Holidaycheck die Marshallinseln.

Perspektivwechsel.

„Die Marshallinseln gehören gemäß einem Bericht des Weltklimarates IPCC neben Kiribati, Tuvalu und den Malediven zu den tiefliegenden Korallen-Atoll-Staaten, die weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Die mehr als 1000 Koralleninseln ragen im Durchschnitt nur zwei Meter über den Meeresspiegel hinaus. Zu den Risiken zählen vor allem Überschwemmungen: Die Erderwärmung lässt Eismassen schmelzen, die wiederum den Meeresspiegel steigen lassen.“ So steht es auf Weatherchannel zu lesen.

Haben wir Glück, weil wir auf diesem Teil der Erde geboren wurden?

Es sind vor allem Länder des Globalen Südens, die am stärksten von der Klimakatastrophe betroffen sind. Laut eineweltfueralle.de sind `Länder des Globalen Südens` die Länder, die früher als Entwicklungsländer oder Schwellenländer bezeichnet wurden. Die Mehrzahl dieser Länder liegen in Afrika, Latein- und Südamerika sowie Asien. Zunehmend müssen diese Menschen aufgrund der Klimakrise ihr Zuhause verlassen. Auch langsame Veränderungen, wie die Versauerung der Ozeane, Wüstenbildung und die Erosion der Küsten, haben eine direkte Auswirkung auf die Existenzgrundlage der Menschen und ihre Möglichkeit, an ihrem Herkunftsort zu überleben. Für Menschen im Globalen Süden ist die Klimakrise bereits jetzt Alltag. Mehr als 90% der Menschen in Chile, Kenia und Südafrika machen sich Sorgen wegen des Klimawandels – denn sie spüren die Folgen unignorierbar. 

Und es könnten immer mehr Menschen werden:

Die Weltbank sagt voraus, dass es bis zum Jahre 2050 rund 140 Millionen Menschen Binnenmigrant*innen geben kann, wenn es keinerlei oder zu wenig Handlung gegen den Klimawandel gibt. 

Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

Der Begriff Klimagerechtigkeit, im Englischen Climate Justice, entstand in den 90er Jahren im Rahmen der wachsenden Umweltbewegung und basiert auf Erfahrungen von UmweltUNgerechtigkeit und Umweltrassismus, die schwarze, indigene und benachteiligte Gemeinschaften in den USA erfuhren. 

In dieser Zeit kämpfte die bürgerliche Mittel- und Oberschicht dafür, dass ihre Wohnorte, Arbeitsplätze und Erholungsgebiete frei von Radioaktivität, Müll und Gift, Lärm, Luft- und Wasserverschmutzung sind. Deshalb wurde veranlasst, dass Sondermülldeponien, Atomendlager, umweltverschmutzenden Fabriken oder Autobahntrassen an den Stadtrand, in Indigenen-Reservate, Arme-Leute-Viertel und unwirtschaftliche oder dünn besiedelte Gebiete verlegt wurden. Oder Giftstoffe halt ganz in Länder des Globalen Südens exportiert werden. (Leseempfehlung: Friday for future.)

Auf den Marshallinseln beispielsweise lagern die USA seit dem Kalten Krieg Atommüll in einem Betonbunker infolge von Atomtests. Laut der Frankfurter Rundschau befinden sich insgesamt auf Runit Island 85 000 Kubikmeter nuklearen Abfalls, darunter Plutonium-239, eine der giftigsten Substanzen der Erde. 

Und jetzt?

Die Vereinten Nationen haben die Dringlichkeit einer klimagerechten Welt erkannt. Sie haben gemeinsam mit allen Mitgliedsstaaten ein Projekt mit dem Namen „17 Ziele“ ins Leben gerufen. Auch die Bundesregierung beteiligt sich daran. 

17 Ziele der UN

„Im Jahr 2015 hat die Weltgemeinschaft die Agenda 2030 verabschiedet. Die Agenda ist ein Fahrplan für die Zukunft. Hiermit will die Weltgemeinschaft weltweit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und dabei gleichsam die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft bewahren. Dies umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Alle Staaten sind aufgefordert, ihr Tun und Handeln danach auszurichten. Deutschland hat sich bereits früh zu einer ambitionierten Umsetzung bekannt.“ heißt es von Seiten der Bundesregierung.

Einen ersten Eindruck, wie wichtig eine geschlossene Zusammenarbeit bei gewissen Themen in einer globalisierten Welt ist, haben die Länder dieser Welt auch beim Thema Corona zu spüren bekommen. Die Pandemie kann nur besiegt werden, wenn sie weltweit unter Kontrolle gebracht wird: Niemand ist sicher, bis alle sicher sind! Für die Beschaffung und gerechte Verteilung der Impfstoffe ist die Plattform COVAX unter der Führung der Impfallianz Gavi, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Forschungsallianz CEPI ins Leben gerufen worden. Laut dem auswärtigen Amt sind bislang 97 Industrie- und Schwellenländer, darunter auch Deutschland, COVAX beigetreten. Zudem ermöglicht COVAX 92 Entwicklungsländern den Zugang zu Impfstoffen. Was Anfangs chaotisch bis sozial ungerecht verlief, soll ab Februar besser laufen. ( Hörempfehlung:“Impf-Egoismus der Reichen“ aus dem Spiegel Podcast „Acht Milliarden“) Laut der Tagesschau hat Ghana im Februar als erster Staat der Welt mit einem Corona-Impfstoff über das Covax-Programm erhalten. 

Und die Marshallinseln?

Laut dem MDR erwägt die Regierung, die Inseln durch Aufschüttungen anzuheben. Ein Vorgehen, das mit Vorsicht zu genießen ist: „Wenn man Sand entnimmt, verändert man die Umwelt. Das heißt, dass sich Strömungen verändern können und Organismen betroffen sind – sowohl an der Entnahmestelle als auch dort, wo man etwas hinschüttet“, sagt Tim Jennerjahn vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen dem MDR. Betroffen sein könnten neben Mikroorganismen zum Beispiel Schnecken, Würmer, im Boden lebende Fische oder Muscheln. Alle leisten einen Beitrag zu einem funktionierenden Ökosystem. Muscheln etwa filtrieren das Wasser, weil sie sich von darin befindlichen Teilchen ernähren. Und, so Jennerjahn: „Wenn man Sand aus Atollen in Riffe pumpt, werden die Riffe unter der Fracht ersticken.“

Auf den Marshallinseln bedeutet Klimawandel im übrigen ukoktak in mejatoto. Zu Deutsch: wechselnde Wolken. 


Unsere Quellen

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.