4 Möglichkeiten im Umgang mit der Klimakrise und warum die „kognitive Dissonanz“ ein Schweinehund ist

In unserer neuen Rubrik „Gemeinsam gegen den Schweinehund“ stellt euch Michaela (Dipl.-Psychologin) Theorien und Gedanken aus dem Bereich der Umweltpsychologie vor und gibt euch Tipps, die euch umweltgerechtes Verhalten erleichtern sollen. Diesen Monat: Die kognitive Dissonanz, eine psychologische Denkfalle.


Spätestens seit unserem ersten Beitrag dieser Rubrik hast du dir fest vorgenommen, dein Verhalten zu verändern, dir smarte Ziele zu setzen und dich Stück für Stück auf den Weg zu mehr umweltbewusstem Verhalten zu machen? Wunderbar! Da sind jedoch auch einige Fallen, die es zu überwinden gilt. Eine große Denkfalle, die wir alle kennen, schauen wir uns heute genauer an: die kognitive Dissonanz.

Was ist kognitive Dissonanz?

Die kognitive Dissonanz ist dieser unangenehme Gefühlszustand, der entsteht, wenn das eigene Verhalten und die Werte nicht übereinstimmen oder wenn man zwei sich widersprechende Einstellungen hat. Der Begriff ist von Leo Festinger geprägt worden und bedeutet so viel wie „gedankliche Konflikte“.

Wir allen kennen das aus dem Alltag. Zum Beispiel die Raucherin, die genau weiß, dass Rauchen gesundheitsschädigend ist, und die dennoch nur ungern darauf verzichten möchte. Oder die Situation, wenn man sich eigentlich vorgenommen hat, in den nächsten Wochen keine Schokolade mehr zu essen, und dann noch die Lieblingsschokolade in der Schublade findet, die ruft: „Iss mich!“

Kognitive Dissonanz und Klimakrise

Gerade im Umgang mit der Klimakrise kommt es schnell zu sich widersprechenden Gedanken. Im Folgenden werden wir anhand zweier Beispiele schauen, wie sich die kognitive Dissonanz und innere Spannung überwinden lässt:

  • Situation A: Ich möchte mich umweltgerechter verhalten, aber ich fahre mit dem Auto zur Arbeit.
  • Situation B: Fliegen ist schlecht für’s Klima, aber ich möchte eine Fernreise machen.

Innere Spannung(en) fühlen sich nicht nur schlecht an, sie macht uns auf lange Sicht krank und unglücklich. Daher versuchen wir alles, um sie aufzulösen. Das läuft meist ganz automatisch ab. Um nun wieder in einen entspannteren Zustand zu kommen, brauchen wir also eine Alternative.

Welche Möglichkeiten habe ich jetzt?

Die Alternativen abwerten

  • Situation A: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde die Fahrt viel zu lange dauern. Und außerdem ist das viel unflexibler. Und bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad fahren, da bin ich auf der Arbeit schon völlig erschöpft, nass und verschwitzt.
  • Situation B: Bahnfahrten sind viel zu teuer und kosten viel zu viel. Es gibt keine schnellere Möglichkeit, um an mein Reiseziel zu kommen. Bei den wenigen Tagen Urlaub im Jahr muss ich maximal lange an meinem Reiseziel sein.

Relativierung der eigenen Verantwortung

In beiden Situationen gilt: Ob ich nun mit dem Auto fahre/ eine Fernreise mache oder nicht, macht doch für die Welt keinen Unterschied.

Soziale Vergleiche

  • Situation A: Die meisten anderen fahren doch auch mit dem Auto. Warum sollte ich mich mehr einschränken als meine Kolleg:innen?
  • Situation B: Andere Leute essen dafür jeden Tag Fleisch. Immerhin ernähre ich mich vegetarisch, da darf ich an anderer Stelle doch mehr CO2 produzieren. Und manche Menschen fliegen mehrmals im Jahr solche Strecken, da darf ich das ja wohl einmal auch machen.

Veränderung der Handlung

  • Situation A: Stimmt, das ist irgendwie nicht konsequent. Ab morgen nehme ich immer das Fahrrad.
  • Situation B: Jetzt aber wirklich! Ich storniere den Flug und reise woanders hin.

Weil es für uns so schwer ist, unsere Gewohnheiten zu ändern, greifen wir meist auf die ersten drei Optionen zurück. Hinzu kommt, dass Gedanken an die Klimakrise häufig zu Schmerz und Angst führen, und diese wollen wir schnell lindern.

Und wie komme ich jetzt aus der Falle raus?

Je stärker wir uns dieser Denkfalle bewusst sind, desto besser können wir uns hinterfragen und unser Verhalten nachhaltig ändern.

Das Gefühl, etwas bewirken zu können, selbstwirksam zu sein, gibt uns die notwendige Kraft und den Mut, neue Wege zu gehen. Besonders hilfreich kann es dabei übrigens sein, wenn möglichst viele Menschen in deinem Umfeld versuchen, sich umweltgerecht zu verhalten. Und auch dein eigenes umweltfreundliches Verhalten setzt wiederum einen Anker für dein Umfeld. Wie du das geschickt machen kannst, darum geht es beim nächsten Mal.

Wenn du magst, achte in den nächsten Tagen mal bewusst auf deine Gedanken, wenn du einen inneren Konflikt merkst. Denn je besser du dich kennst, desto eher tapst du nicht in deine eigenen Denkfallen.


Unsere Quellen

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