nachhaltig Grillen – mit diesen 4 einfachen Tricks klappt es

Gegrillte Speisen schmecken fast jedem Menschen gut und da die Art der Zubereitung auch andere, vor allem soziale Aspekte beinhaltet, gehört es bei vielen zu einem gelungenen Sommerfest oder einem besonderen Feierabend dazu. Deshalb beleuchten wir dieses Thema zu Beginn des Sommers und geben euch Tipps, wie ihr am nachhaltigsten grillen könnt.


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Grillen ist weder klimaneutral noch besonders ressourcenschonend. Und es belastet die Atemluft. Das Ergebnis einer Ökobilanz Studie des TÜV Rheinlands zeigt: Beim Grillen entstehen zwischen 17,5 und 18 Kilogramm klimaschädliche Treibhausgase an Emissionen (berechnet in sogenannten CO2-Äquivalenten). Das entspräche immerhin einer Autofahrt von rund 120 Kilometern in einem Mittelklassewagen.

Womit grillen die Deutschen?

Es gibt drei Arten des Grillens:

  1. Grillen mit Holzkohle. Holzkohle ist ein Gemisch organischer Verbindungen mit 81 % bis 90 % Kohlenstoff, 3 % Wasserstoff, 6 % Sauerstoff, 1 % Stickstoff, 6 % Feuchtigkeit und 1 % bis 2 % Asche und nur unbedeutenden Mengen Schwefel. Holzkohle wird durch Erhitzen von Holz bei Luftabschluss hergestellt, es entsteht Holzkohle, Holzessig, Holzgas und Holzteer.
  2. Grillen mit dem Gasgrill. Flüssiggas besteht aus Propan (C3H8), Butan (C4H10) und Gemische beider Gase. Flüssiggas fällt bei der Förderung von Rohöl oder Erdgas und als Raffineriegas an. Seit 2018 ist eine Bio-Variante von Flüssiggas auf dem deutschen Markt erhältlich, hergestellt als Begleitprodukt der Erzeugung von sogenannten hydrierten Pflanzenölen (HVO), wie zum Beispiel Rapsöl.
  3. Grillen mit dem Elektrogrill. Dieser verfügt ähnlich wie der Wasserkocher über eine glühende Heizspirale, die mit Strom aus der Steckdose betrieben wird. Die Heizspirale befindet sich unterhalb des Grillrostes oder der Grillplatte. Wie beim klassischen Holzkohlegrill kommt die Hitze also von unten. Bei Elektrogrills mit Deckel kann außerdem eine Hitzestrahlung von oben erzielt werden. Die Temperatur kann über einen Temperaturregler eingestellt werden.

Welche Methode ist die Besten beim nachhaltig Grillen?

Bei der Ökobilanz Studie wurden rechnerisch die Emissionen und andere Umweltauswirkungen über den gesamten „Lebensweg“ eines Produktes analysiert: von der Herstellung oder Erzeugung über Transport und Verkauf bis zur Verwendung und Verwertung. Dabei ist es für die Umwelt längst nicht so wichtig, welche Art des Grillens (Holzkohle, Gas- oder Elektrogrill) man benutzt. Viel wichtiger sei die Auswahl des Grillguts. Nahezu 95 Prozent der anfallenden klimarelevanten Emissionen werden durch das Grillgut verursacht. Tierische Produkte beispielsweise belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als Gemüse. Somit ließen sich knapp 20 Prozent klimaschädlicher Emissionen vermeiden, wenn man auf Rindfleisch und Grillkäse verzichtet und stattdessen auf Gemüse, Würstchen oder Schweinefleisch ausweicht.

Nachhaltig grillen: Mit diesen Tipps klappt’s

1. Bessere Luft: Umstieg auf Gas- oder Elektrogrill

Der Gasgrill ist klimaschonender als der Holzgrill

Grillen mit Holzkohle führt zu erhöhten Emissionen. Der Grund: Im Qualm stecken Schadstoffe (Feinstaub, Kohlenstoffmonoxid, CO2, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe – kurz ⁠PAK⁠ und andere krebserzeugende Substanzen). Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt, statt eines klassischen Holzkohle-Grills, einen Gas- oder Elektrogrill zu verwenden, um die Luft weniger zu belasten.

Wenn es doch Kohle sein soll, lässt sich die Rauchentwicklung mit einem Anzündkamin und guter Luftzufuhr geringer halten. Davon profitiert nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Atemwege der Grillfest-Teilnehmer und Nachbarn.

Grille nur im Freien bei sehr guter Belüftung. In Innenräumen reichern sich Kohlenstoffmonoxid (CO) und Kohlenstoffdioxid (CO2) schnell an und führen zu ernsthaften Vergiftungen.

2. Achte auf die Art der Holzkohle

Holzkohle aus FSC Forstwirtschaft ist besser geeignet

Über 65 % der Deutschen grillen mit Holzkohle. In fast jeder zweiten Grillkohle steckt Holz aus ökologisch wertvollen Tropenwäldern. Das ist für den Verbraucher oder die Verbraucherin nicht direkt ersichtlich. Daher sollte beim Kauf von Holzkohle unbedingt auf vertrauenswürdige Siegel wie FSC oder Naturland bzw. Bio-Siegel geachtete werden. Diese gewährleisten, dass das verwendete Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Naturland macht sogar strengere Vorgaben für eine nachhaltige Waldwirtschaft als das Label des FSC und regelt auch die Verarbeitung – zum Beispiel, dass die Kohle in einem geschlossenen Verfahren verarbeitet und auch die dabei entstehende Abwärme sinnvoll genutzt wird. Zertifizierte Holzkohle/-Briketts sind in sehr vielen Baumärkten, Supermärkten und Tankstellen erhältlich.

Achtung: Das DIN-Prüfzeichen (DIN EN 1860-2) stellt sicher, dass die Holzkohle kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe enthält, sagt aber nichts über die Herkunft aus.

3. Überdenke dein Grillgut

Je mehr Gemüse und je weniger tierische Produkte auf den Grill kommen, desto besser ist die Umweltbilanz! Die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch belastet das Klima weniger als Rindfleisch und Käse – aber immer noch um ein Vielfaches mehr als Gemüse. 1 kg Gemüse ist für weniger als 1 kg Treibhausgase verantwortlich, also nur für einen (Bruch-)Teil der Bilanz von Fleischprodukten.

Wenn Fisch – dann aus mit MSC Label
  • Vermeide Rindfleisch. Rindfleisch ist der größte Klimasünder. Die Wiederkäuer stoßen große Mengen des starken Treibhausgases Methan aus. Außerdem verbrauchen sie große Mengen Futtermittel, häufig handelt es sich dabei um Soja, dessen massenhafter Anbau wiederum seine Spuren hinterlässt. 1 kg Rindfleisch verursacht auf diese Weise bis zu 28 kg Treibhausgase.
  • Bemerkungen über Sojasteaks auf dem Grill nach dem Motto „Für den Sojaanbau wird doch auch Regenwald abgeholzt“ entbehren übrigens jeder Grundlage. Gerade einmal zwei Prozent des weltweiten Sojaanbaus werden direkt zu Lebensmitteln für den Menschen verarbeitet. Das meiste landet im Futtertrog der Tiere.
  • Vermeide Grillkäse. Hier wird sehr viel Milch verarbeitet.
  • Bevorzuge Fleisch in Bio-Qualität. Für gewöhnlich haben die Tiere mehr Platz und Auslauf. Dabei ist das EU-Bio-Label unterer Standard – die Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland sind strenger. Auch das Fleisch mit dem Label des Vereins Neuland steht für höhere Anforderungen ans Tierwohl. Würstchen in Bio-Qualität haben noch den gesundheitlichen Vorteil, dass sie frei von Phosphat sind.
  • Grille möglichst ungefährdete Fischarten. Dazu zählen zum Beispiel Karpfen oder Bio-Forelle aus heimischer Zucht sowie Wildlachs aus Alaska mit dem Label des Marine Stewardship Council (MSC).

4. Asche in den Restmüll

Holzkohlenasche sollte ausgekühlt im Restmüll landen. Für Garten und Kompost ist sie nicht oder allenfalls in sehr geringen Mengen geeignet. Schwermetalle aus der Luftverschmutzung, die von den Bäumen aufgenommen wurden, sind in der Asche konzentriert vorhanden und würden sich in Obst und Gemüse wiederfinden. Dazu kommen organische Schadstoffe wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die bei der unvollständigen Verbrennung im Grill entstehen. Viele von ihnen wirken krebserregend.

Was kann ich noch tun?

  • Möglichst keine chemischen Grillanzünder nutzen, sondern z.B. Pappe oder Anzünder auf pflanzlicher Basis (auch hier bestenfalls auf eine FSC-Zertifizierung achten)
  • Alu vermeiden. Unter dem Einfluss von Säure und Salz kann Aluminium auf Lebensmittel übergehen. Nach aktuellem Wissensstand kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine zu hohe Aufnahme von Aluminium gesundheitsschädlich ist. Deshalb sollte der direkte Kontakt von säurehaltigen oder salzigen Speisen mit Aluminiumfolie, Alu-Grillschalen oder unbeschichtetem Alu-Geschirr vermieden werden. Verwende wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl, Keramik oder mit Emaillebeschichtung oder einen Elektrogrill mit Keramikoberfläche.
  • Lass nichts anbrennen. Schwarze Krusten auf Würstchen & Co. enthalten krebserregende Stoffe. Diese entstehen vor allem, wenn Fett oder Bier in die Kohlenglut tropfen und sich der dann aufsteigende Rauch auf das Grillgut legt. Um dies zu vermeiden, solltest du Grillschalen verwenden und nicht mit Bier ablöschen.
  • Verwende Grillgut ohne Nitritpökelsalz. Bei großer Hitze entstehen im Grillgut als krebserregend geltende Nitrosamine, wenn das Grillgut Nitritpökelsalz enthält.
  • Kaufe regional und saisonal. Bioprodukte, möglichst regional und saisonal sind am besten für die Umwelt und die Gesundheit.
  • Mehrweggeschirr benutzen. Dann schmeckt das Essen nicht nur besser, du vermeidest auch unnötigen Müll. Für die Gartenparty gibt es auch wiederverwendbares und spülmaschinengeeignetes Plastikgeschirr.
  • Ein Grill lässt sich gut aus- und verleihen. Schaffe dir einen Grill zusammen mit Nachbarn an oder lade diese gleich mit dazu ein. Gemeinsam schmeckt das Essen sowieso viel besser und so sparst du Ressourcen.

Jetzt hab ich richtig Lust aufs Grillen!

Das haben wir uns gedacht! Um dir die Umsetzung zu erleichtern, haben wir für dich Rezepte vorbereitet. Viel Spaß beim Ausprobieren! 😉


Quellenangaben

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2 Antworten

  1. Frederik Maximilian sagt:

    Als klimafreundliche geht auch Wild. 🙂 Da wird nichts extra gezüchtet, es wächst in Freiheit auf und die Entnahme bedeutet letztlich eine Reduktion von Emissionen. Jedes Stück Wild auf dem Teller ist also ein kleiner Beitrag zum Natur und Klimaschutz.

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