Böllerverbot: Kann es ein Silvester ohne Knaller geben?

Die Silvesternacht ist wirklich was Besonderes im Jahr. Es wird zurückgeblickt auf das vergangene Jahr, neue Vorsätze geschmiedet, gefeiert und ein schönes Feuerwerk bewundert. Im Jahre 2021 hat die Bundesregierung zum zweiten Mal ein Böllerverbot ausgesprochen. Der Grund ist zwar die Coronapandemie und nicht die Umweltverschmutzung, aber es zeigt: Wir können auch ohne! Aber warum ist das böllern an Silvester eigentlich so schlimm? Das wollen wir in diesem Beitrag beleuchten.

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Unsere Tradition hat leider auch seine Kehrseite. Vor allem Feinstaub und Müll seien nach dem Umweltbundesamt problematisch. Die Kohlendioxid Emissionen sind dabei eher von geringer Bedeutung: Der Anteil der jährlichen CO2 Teibhausgasemmissionen beträgt 0,00013%. In den Auswertungen des Umweltbundesamtes werden jährlich rund 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerk freigesetzt, der größte Teil davon (75 %) in der Silvesternacht. „Diese Menge entspricht knapp einem Prozent der insgesamt in Deutschland freigesetzten Feinstaubmenge.„ und übersteigt damit die Grenzwerte, der EU-Kommission für Feinstaub. „Wie schnell die Feinstaubbelastung nach dem Silvesterfeuerwerk abklingt, hängt vor allem von den Wetterverhältnissen ab.“[1]


Quelle: Umweltbundesamt

Traditionell hat sich das Feuerwerk etabliert, um böse Geister mit Lärm und Feuer zu vertreiben.[2] Im Rahmen der Gesetze ist es für Privatleute erlaubt, Feuerwerk zu kaufen und selbst abzubrennen. Dies regelt das Sprengstoffgesetz in Deutschland. Verboten sind Feuerwerkskörper in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie brandempfindlichen Gebäuden.[3]

A Happy New Year!…really?

Das Jahr beginnt mit Explosionsschäden und Sachschäden an Fahrzeugen oder Gebäuden. Der Eintrag von Müllmengen und Plastik ist enorm. Störung der Wildtiere und ökologische Schäden sind Begleiterscheinungen. Verängstigte Lebewesen und Verletzungen von Mensch und Tier sind weitere negative Auswirkungen unserer Böllertradition.[4] Das alles klingt alles andere als „happy“.

Kann es ein Böllerverbot geben?

Die Deutsche Umwelthilfe fordert seit langem ein gesetzliches Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken. Luftbelastung ist Ursache für eine Vielzahl von Krankheiten. Alle vermeidbaren Belastungen der Luftqualität sollten daher unterlassen werden. 2020 und auch 2021 schloss sich die Bundesregierung den Argumenten der Deutschen Umwelthilfe an und hängte ein Böllerverbot innerhalb der Pandemie aus. Zum ersten Mal wurde ein Verkaufsverbot für Pyrotechnik ausgesprochen und damit haben sich Verletzungen und Feinstaubbelastungen zum Vorjahr stark reduziert.[5]

Ein Komplettverbot hat die Bundesregierung bisher nicht ausgesprochen. Ob es Verbote gibt, hängt auch von den Initiativen vor Ort ab, die Alternativen und organisierte Veranstaltungen in Städten und Gemeinden bieten.[6] Die Pandemiejahre bleiben damit voraussichtlich eine Ausnahme und somit eine Erholung für unseren Planeten. Danach wird es sehr wahrscheinlich Jahr für Jahr weiter gehen: mit 38.000 Tonnen Feuerwerkskörper und 191.000 Tonnen Silvesterabfall.[7]

Und JETZT?

Silvester könnte doch der passende Zeitpunkt sein, etwas Neues auszuprobieren?! Hier ein paar Ideen, die wir hätten:

Veränderung der Sprengstoffgesetze

Knapp 60 % der Bundesbürger befürworten ein generelles Böllerverbot.[8] Umweltschützer fordern, dass die Sprengstoffverordnung geändert wird. Mit einer Änderung wird es Städten und Kommunen ermöglicht, erweiterte Sperrzonen für Pyrotechnik auszuweisen und damit gegen Luftbelastung zu wirken.[9]

Handlungsmöglichkeiten von Kommunen

Einige Kommunen haben bereits das Abbrennen und teilweise auch das Mitführen von Feuerwerkskörpern untersagt. Auf kommunaler Ebene besteht bereits jetzt schon die Möglichkeit zur Beschränkung des Abbrennens pyrotechnischer Gegenstände an Silvester. Die Umwelthilfe hat hierzu eine Regelungsvorlage[10] für Kommunen erstellt, um deren Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.[11]

Happy New Year geht auch anders!

Ein schönes Silvesterfest ohne Raketen, Leuchtkugeln und Goldregen ist möglich. Wachsfackeln[12] sind selbst herzustellen. Eine Feuertonne oder ein Schwedenfeuer sorgen für eine besonders gemütliche Atmosphäre. Für Lärm können auch Töpfe und Blechdosen mit Kochlöffel sorgen. So werden die bösen Geister auch in diesem Jahr verjagt.

Wer nicht ganz auf das Feuerwerk verzichten möchte, kann sich einem öffentlichen Feuerwerk anschließen oder sich mit einigen Nachbarn zusammenschließen.[13]

Ein neues Jahr heißt neue Hoffnung, neue Gedanken und neue Wege zu einer klimafreundlichen Welt. Einen guten Start ins neue Jahr!

Das Wissen macht Klima Team

Quellenangaben

[1] Umweltbundesamt 2020: Zum Jahreswechsel: Wenn die Luft „zum Schneiden“ ist

4 Antworten

  1. Dieter Kloos sagt:

    Sogar das Max Planck-Institut spricht in Bezug auf das Feuerwerk von einer „Feinstaubhysterie“ und gibt Entwarnung. Des Weiteren distanziert sich sogar der Deutsche Asthmatiker und Allergiker-Bund (DAAB) deutlich von den Behauptungen der DUH und hält ein Verbot von Feuerwerk für „völlig überzogen“. Wie sicherlich jeder Chemiker bestätigen kann, besteht der Feinstaub aus Feuerwerk größtenteils aus ungiftigen, wasserlöslichen Salzen. Wie das Max Planck – Institut ebenfalls ausführt, verflüchtigt sich dieser Feinstaub schnell wieder. Schon wenige Stunden später ist nicht mehr viel davon vorhanden.

    Verletzte durch legales Feuerwerk gibt es nur sehr wenige, wie die Vivantes Kliniken und die Krankenhausgesellschaft bestätigen. An Silvester 2019/20 gab es in ganz München einen einzigen (!) Fall und in ganz Bayern 25. Keiner davon war intensivpflichtig. Die Notaufnahmen belagern Alkoholvergiftungen und andere durch Alkohol ausgelöste Notfälle, wie Schlägereien und Unfälle.

    Des Weiteren hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass das Feuerwerk in Bezug auf das Klima nahezu irrelevant ist.

    • Susanne sagt:

      Hallo Herr Kloos,
      danke für ihr Interesse an diesem Beitrag und ihre Nachricht. Leider konnte ich jetzt auf die Schnelle ihre Aussage nicht überprüfen, da sie keine Quellenangaben gemacht haben. Das Unweltbundesamt hat eine klare Aussage hier getroffen, die da lautet: „Jährlich werden rund 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern frei gesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht in etwa einem Prozent der gesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland.“ (Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub/feinstaub-durch-silvesterfeuerwerk). Ich finde diese Feinstaubbelastung bedenkenswert, da sie innerhalb weniger Stunden, wenn nicht sogar Minuten entsteht und faktisch NICHT NOTWENDIG ist. Zu einem Zeitpunkt, wo die Klimakrise im vollen Gang ist, gilt es auch diese Dinge zu überprüfen.

  2. Dieter Kloos sagt:

    Seien Sie gegrüßt, werte Dame Susanne!

    Es freut mich sehr, dass Sie nach Quellen fragen, die ich Ihnen hiermit sehr gerne nachreiche:

    Max-Planck-Institut zum Feinstaub an Silvester:
    https://www.mpib-berlin.mpg.de/unstatistik-gesundheitsgefahr-durch-feinstaubbelastung

    Der Deutsche Allergiker- und Asthmabund DAAB zu Feuerwerk:
    https://rp-online.de/panorama/deutschland/deutscher-allergiker-und-asthmabund-ueber-verbot-von-silvester-feuerwerk_aid-44644157

    Vivantes Kliniken zum Anteil der durch Feuerwerk verletzten Patienten in der Silvesternacht 5%:
    https://www.vivantes.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/presse-detail/news/silvester-und-neujahr-die-meisten-feuerwerksverletzten-minderjaehrig

    Krankenhausgesellschaft über medizinische Notfälle an Silvester:
    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.silvester-in-deutschland-volle-notaufnahmen-wegen-zu-viel-alkohol.fa7a144f-7ec1-4d72-8517-068bce2b039d.html
    (Der Alkohol ist das Problem, nicht das Feuerwerk)

    Durch Feuerwerk Verletzte in Bayern:
    http://www1.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/18_0006877.pdf
    Seiten 4 und 5 (Ein Verletzter in München und 25 in ganz Bayern)

    Hier noch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zum Feuerwerk:
    https://www.bam.de/Navigation/DE/Aktuelles/Silvester/silvester.html
    „Bei der Prüfung der Feuerwerkskörper nach bestehenden Vorschriften und harmonisierten Normen wird auch darauf geachtet, dass keine Schwermetalle oder andere verbotenen Substanzen verwendet wurden.“ Bei der BAM gibt es auch ein sehr eindrucksvolles Video zur Verletzungsgefahr durch legale und illegale Böller.

    Umweltbundesamt zu diversen Umweltthemen rund um Silvesterfeuerwerk:
    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020_hgp_wenn_die_luft_zum_schneiden_ist_bf_0.pdf
    „Dies ist ein Anteil von 0,00013 % an den jährlichen deutschen Treibhausgasemissionen. “ – Feuerwerk ist also nahezu klimaneutral. Das ist ja auch kein Wunder wenn man bedenkt, dass Feuerwerkskörper weitestgehend aus Altpapier bestehen und der Brennstoff im Pulver Holzkohle ist.

    Vielleicht möchten Sie Ihre Ansicht angesichts dieser Quellen noch einmal prüfen? Leider sind diverse Umweltverbände hierzu keinen Argumenten zugänglich und lehnen jeglichen Dialog rundweg ab. Dabei wäre es doch sicherlich sinnvoller, diesen zu suchen um gemeinsam die Umweltverträglichkeit des Feuerwerkes zu verbessern. Muss es denn gleich der Holzhammer des Totalverbotes sein?

    So manches, was man tut ist „nicht notwendig“. Aber wenn man etwas verbieten will, sollte man die Verhältnismäßigkeiten nicht außer Acht lassen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dieter Kloos

    • Anita sagt:

      Hallo Herr Kloos,
      vielen Dank für die Zusendung der Quellen. Es kann durchaus passieren, dass wir/ich Fehler mache, daher freuen wir uns über Rückmeldungen und vor allem das Interesse an diesem Thema. Ich habe mir die Quellen angeschaut, erkenne keinen wesentlichen Widerspruch zu meinem Beitrag. Ich habe dennoch einige Ergänzungen vorgenommen, wie z.B. die Co2 Belastung. Ihre Quelle vom Umweltbundesamt,belegt auch meine Angaben. Die Quelle von Max-Planck-Institut schaue ich mir gerne tiefergehend nochmal an.
      So wie ich das verstehe, rät der DAAB dem Asthmatiker sich von einem Feuerwerk fernzuhalten, aber -wie Sie richtig sagen- sieht dieser jedoch aufgrund des Schutzes von Asthmatiker kein radikales Verbot vor. Die Verhältnismäßigkeit und die Auswirkungen eines generellen Verbotes sind durchaus noch weiter zu prüfen, dazu zählen z.B. auch die entstehende illegale Einfuhr von Feuerwerk. Da Traditionen einen wichtigen kulturellen Wert haben, benennen wir auch abschließend im Beitrag einige Handlungsmöglichkeiten dafür.
      Ich danke Ihnen für ihre Hinweise.

      Viele Grüße
      Anita

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