3 Fragen an … Norbert Jentsch über Biodiversität und klimaresiliente Pflanzen

Norbert Jentsch (Jahrgang 1958) arbeitet seit 1974 in der Baumschule Gottschling in Harle und seit mehr als 40 Jahren als Kundenberater.


Herr Jentsch, merken Sie anhand des Kundenverhaltens der Coesfelder:innen und der Nachfragen, das die Thematik der Biodiversität in unserer Gesellschaft angekommen ist?

Aus meinem täglichen Geschäft merke ich schon, das ein Umdenken in der Bevölkerung zu spüren ist. Die Fragen zum ökologischen Nutzen der Gartenpflanzen werden häufiger gestellt. Vor einigen Jahren war der Trend noch zum Schotterbeet. Jetzt gibt es glücklicherweise eine Umkehr. Dann heißt es oft

„Ich hätte gerne was für die Bienen!“.

Diese Problematik ist bereits in der breiten Masse angekommen. Manchmal ist es auch so, dass in den Medien eine bestimmte Pflanze aufgegriffen wird. Diese Saison ist zum Beispiel der Salbei sehr aktuell. Viele haben diese als bienenfreundliche Staude im Kopf, weil sie öfters davon in den Medien gelesen oder gehört haben. Da ist der Verkauf aktuell dann wesentlich höher als im Vorjahr und wir kommen nicht mehr so gut an diese Pflanzen ran. Wir brauchen mit unseren Pflanzen ja eine viel längere Vorlaufzeit, bevor diese verkauft werden können. Die Pflanzen, die wir nicht selber produzieren, kaufen wir im Übrigen aus unserer Region bei den immer gleichen Lieferanten dazu. Das ist wie eine Pflanzenbörse untereinander.

Auch eine Baumschule kämpft mit den Veränderungen des Klimawandels. Woran merken Sie dies besonders und was sind die Herausforderungen dabei?

Selbstverständlich erleben wir im Erwerbsgartenbau auch den Klimawandel. Deswegen haben wir seit Jahren ein System zur optimalen Nutzung des Wassers entwickelt. Hierbei wird das Niederschlagswasser gesammelt und zur Beregnung genutzt. Auch testen wir neue Sorten, die besser mit Wetterextremen fertig werden.  

Es wird aber wohl so sein, dass wir uns von althergebrachten Arten über kurz oder lang trennen müssen. Hierbei denke ich an unsere Buchen, die ja doch noch einen prägenden Anteil bei uns im Münsterland habe. Leider braucht dieser Baum eine eher kühle und feuchte Witterung. Ein weiteres Beispiel ist der Buchsbaum. So wie wir ihn im Münsterland kennen, hat er aufgrund von Schädlingen keine rosige Zukunft vor sich. Da ist der Löffel-Ilex eine besser Alternative und er sieht fast genauso aus wie ein Buchsbaum.

Ich denke, dass wir uns auch in den Baumschulen dieser Entwicklung stellen müssen, das wir weiterhin gut beobachten, unsere Rückschlüsse daraus ziehen sollten und flexibel sein sollten.

Wenn Sie sich auf 3 Pflanzen/Stauden festlegen müssten: Was sind ihrer Meinung nach die 3 bestgeeigneten Pflanzen/Stauden, die viel Wirkung diesbezüglich haben und gleichzeitig pflegeleicht sind?

Bäume, die auf Dauer besser geeignet sind, gibt es zum Glück auch. Ahorn, Weißdorn, Scheinakazien, Christusdorn und viele mehr. Auch im Bereich der Stauden gibt es sehr viele Arten, die mit dem sich ändernden Klima gut klar kommen und trotzdem einen hohen ökologischen Wert haben. Man kann sehr gut mit Sonnenhut, Schafgarben, Prachtkerzen, Lavendel, Salbei und vielen anderen Stauden arbeiten.


Kleine Anmerkung der Redaktion: Die Baumschule Gottschling hat ein Pfandsystem. Hier könnt ihr Boxen für den Transport eurer Pflanzen für 3 EUR ausleihen. Und wenn ihr diese wieder zurückbringt, nehmt doch einfach die Pflanzenschildchen und auch die Pflanzentöpfe wieder mit. Die Baumschule verwendet diese einfach wieder! Die Bäume der Baumschule wachsen in Harle, Lette und Gaupel bevor sie dann am Standort in Harle verkauft werden.

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