Wie unser Gehirn unsere Wahrnehmung beim Thema Klimakrise verzerrt und was wir deswegen tun sollten

Die Klimakrise bedroht jegliches Leben auf der Erde. Und obwohl die Wissenschaft alle Erkenntnisse liefert, reagieren wir immer noch nicht genügend. Woran liegt das, dass wir nicht ins Handeln kommen und wie können wir es dennoch schaffen? In diesem Beitrag beschäftigen wir uns daher mit dem Optimism bias, einer kognitiven Verzerrung, die erklärt, warum es uns so schwerfällt unser Verhalten anzupassen. 

Deswegen müssen wir darüber sprechen 

Die Hirnforschung ist sich sicher: Um etwas in der Welt zu verändern, muss man sie verstehen und dementsprechend Entscheidungen treffen. Doch das ist leider gar nicht so einfach, denn die kausalen Zusammenhänge beim Thema Klimakrise sind für viele Menschen nicht greifbar. Unsere unmittelbare Gefahrenwahrnehmung ist zu langsam und die Bedrohung zu komplex. Ein vereinfachtes Bild dazu ist, dass wir nicht glauben, dass ein „Wolf“ kommt, weil wir ihn nicht „sehen“ können. Und wenn kein Raubtier in Sicht ist, stellt es auch keine reale Gefahr für unser psychisches Bedrohungssystem dar. (Dohm, Peter, Rodenstein 2020) 

Die Ursache und die Folgen von Klimawandel und Artensterben sind somit für das menschliche Hirn zu abstrakt. Um dennoch unsere Umwelt zu „verstehen“, scannt das Gehirn nach Hinweisen, mit denen wir Informationen über die Welt verarbeiten und bewerten, findet hierzu aber keine. Bei komplexen Situationen wie dem Klimawandel greift dann unser Gehirn unbewusst auf erfahrungsbasierte Denkschemata zurück. Dies bewahrt uns vor Überforderung und ermöglicht uns Orientierung in der täglichen Informationsflut. Bei diesem Vorgehen kommt es jedoch häufig zu fehlerhaften Schlussfolgerungen – zu sogenannten kognitiven Verzerrungen. (Niebert 2018) 

Optimism bias (deutsch: Optimismusverzerrung) beschreibt in der Psychologie ein Verhalten, dass Menschen für ihre eigene Zukunft die Wahrscheinlichkeit des Eintritts von guten Dingen überschätzen und von schlechten Ereignissen unterschätzen.
Definition: Optimism bias (deutsch: Optimismusverzerrung) beschreibt in der Psychologie ein Verhalten, dass Menschen für ihre eigene Zukunft die Wahrscheinlichkeit des Eintritts von guten Dingen überschätzen und von schlechten Ereignissen unterschätzen. (Schurmann 2022) 

Optimism Bias = Optimismusverzerrung 

Wenn wir uns die Zukunft besser vorstellen, als sie sein wird, dann spricht die Psychologie von optimistischen Verzerrungen (Optimism Bias). Es fällt uns schwer einzuschätzen, wie es uns in Zukunft gehen wird. Das Individuum geht davon aus, dass es mit geringeren Risiken konfrontiert ist als andere, sei es bei Scheidung, Unfall oder Krankheit. Problematisch wird es, wenn dieser Bias (also die Verzerrung) dazu führt, dass machbare und notwendige Maßnahmen unterlassen werden, weil wir Menschen darauf vertrauen, dass alles gut gehen wird. So kommt es, dass Menschen rauchen, oder sich schlecht ernähren – trotz des Wissens um die Gesundheitsrisiken. 

Aussagen oder auch manchmal Klimaschutzausreden wie beispielsweise. „Unsere Region wird es nicht betreffen“ „Das Wetter hat sich schon immer verändert“ “Alles nur Panikmache” zeigen, dass wir die Klimakrise unterschätzen. Optimismus ist gut – keine Frage, jedoch sind wir bei der Klimakrise besser beraten, sie realistisch einzuschätzen und auf die Wissenschaft zu hören. (Schurmann 2022) 

Psychologische Abwehrmechanismen 

Der Philosoph Gunther Anders beschäftigte sich bereits im Jahr 1956 im Zusammenhang mit der Atombombe mit der philosophischen Idee von einer kollektiven Apokalypse-Blindheit. Dieser Begriff meint die Unfähigkeit, sich negative Folgen des eigenen Tuns vorzustellen (Pollmann 2018). Der Politikwissenschaftler Reinhard Steurer ist sogar der Auffassung, dass der Mensch das Klimaproblem psychologisch gelöst habe, statt es physisch zu lösen. Nach seinen Erkenntnissen nutzen wir psychologische Abwehrmechanismen, um das Handeln von unserem Wissen abspalten zu können. Dies zeigt sich dann in Verleugnung von Fakten, Rechtfertigung für negatives Verhalten oder Verdrängung der Gedanken an die Krise (Steurer 2021). 

Und JETZT? 

Unsere psychologischen Mechanismen führen aktuell noch bei vielen Menschen zu schwerfälliger Untätigkeit, ABER wir können sie auch überwinden. Das haben schon viele gezeigt. Hoffnung macht vor allem die immer stärker werdenden Klimaschutzbewegung wie z.B. Fridays for Future.  

Die Klimakrise als eine psychologische Krise anerkennen 

Für ein Bewusstmachen der Klimakrise benötigen wir nicht nur Wissen, sondern auch eine moderate emotionale Aktivierung. „Nur wer weiß, was passieren kann, und gleichzeitig die damit verbundenen Gefühle von Angst und Trauer zulässt, kann aktiv ins Handeln kommen.“ Die Anerkennung der Gefühle ist der erste wesentliche Schritt. 

Wenn dieser Schritt gegangen wurde, besteht die Gefahr, dass die individuellen Handlungsmöglichkeiten angesichts des Ausmaßes gering erscheinen. Um den Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit vorzubeugen, ist es daher wichtig, dass wir uns bewusst machen, wie wir aktiv werden können: auf individueller, gesellschaftlicher oder politischer Ebene. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Klimakrise emotional besser verarbeitet werden kann, wenn wir eine Idee davon haben, WIE wir handeln können. Dies fällt leichter, wenn wir Teil einer Gruppe sind, die die gleichen Werte und Ziele teilt. (Dohm, Peter, Rodenstein 2020) 

Bei der Klimakrise brauchen wir Emotionen, um ins Handels zu kommen.

 Um handeln zu können, müssen wir der Überzeugung sein, dass das, was wir tun Einfluss hat sowie das Gefühl haben, dass unser Tun wichtig ist. 

(Niebert 2018) 

So kannst Du aktiv werden

Auf persönlicher Ebene

  1. Wenn Du noch weiteres Wissen benötigst, kannst Du Deinen CO2-Fußabdruck berechnen, dabei werden alle Lebensbereiche aufgeführt und du kannst dir individuelle Ziele stecken. 
  1. Werde Experte eines spannenden Themas: Lies dich in ein Themengebiet ein und werde Spezialist:in darin. 

Auf gesellschaftlicher & politischer Ebene

  1. Schau dich nach Mitstreiter:innen um! In einer Gemeinschaft lassen sich viel mehr Dinge vorantreiben. 
  1. Verhalte dich nachhaltig in deinem sozialen Umfeld. Jede bereits kleine Verhaltensänderung bei der Arbeit oder im Freundes- oder Familienkreis, kann zu einer Irritation und Umdenken führen – sogenannte „stille“ Wirkung. 
  1. Geh wählen! Drücke deinen Wunsch nach mehr Klimaschutz mithilfe deiner Wahlstimme bei all den Wahlen aus. 
  1. Geh demonstrieren! Sprich dich aktiv für mehr Klimaschutz aus. Im September 2022 sind mehr als 280.000 Menschen bei dem Klimastreik auf die Straße gegangen. Das ist ein wichtiges politisches Signal! 

Aus unserem aktiven Handeln für den Klimaschutz entsteht ein Erleben von Selbstwirksamkeit. Das wirkt den psychologischen Abwehrmechanismen entgegen und stabilisiert unser seelisches Wohlbefinden. (Dohm, Peter, Rodenstein (2020) 

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Mahatma Gandhi 

Literaturverzeichnis

Anita

Anita (Jahrgang 1989) lebt mit ihrer Familie in Holtwick. Neben dem manchmal fordernden Alltag mit drei kleinen Kinder setzt sie sich für ökologische und soziale Werte ein. Besonders die Themen Nachhaltigkeit und Schutz von Mensch und Tier findet die gelernte Sozialpädagogin spannend. Anitas Meinung: "Ja es stimmt, einer allein kann die Welt nicht retten! Aber alles braucht einen Anfang. Natur, Mensch und Tier sind miteinander verbunden. Daher kann auch jede:r von uns etwas beitragen. Die Verantwortung liegt darin, den eigenen Wirkungsbereich nach eigenen Möglichkeiten positiv zu beeinflussen!"

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