PET, Glas, Dose oder Tetra Pak – welche Getränkeverpackung hat die bessere Ökobilanz?

Plastik – das Thema unserer Klimachallenge im August. Plastikmüll ist allgegenwärtig … in den Weltmeeren und auch als Mikroplastik im menschlichen Blut. Ein nicht unwesentlicher Teil des Plastikmülls fällt im Bereich der Getränkeverpackung an. Sind Flaschen aus 100% Kunststoff-Rezyklat die Lösung? Oder was ist die umweltfreundlichere Alternative? Die Frage nach der Ökobilanz der unterschiedlichen Getränkeverpackungen ist nicht leicht zu beantworten. Es spielen viele Faktoren eine Rolle wie Herstellung, Gewicht, Transportwege, Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit. Wir schauen genauer hin und versuchen eine Empfehlung.  

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Deutsche Verbraucher:innen gaben im Jahr 2020 fast 47 Milliarden Euro für Getränke aus.[1] Mehr als die Hälfte aller verkauften Getränke werden im Einwegsystem angeboten. Allein in Deutschland werden stündlich (!) ca. 2 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht. Auf das Jahr hochgerechnet sind das immerhin 450.000 Tonnen Müll.[2]

Kunststoffflaschen werden aus Polyethylenterephthalat, kurz PET, hergestellt. Für ihre Produktion wird der fossile Energieträger Erdöl benötigt. Erdöl hat nach Kohle die zweithöchste Treibhausgasemission. Wie allgemein bekannt ist, ist PET aber gut recyclebar. Handle ich also klimafreundlich, wenn ich Einwegflaschen kaufe und sie nachher ordnungsgemäß im Pfandautomat meines Discounters entsorge, damit aus ihnen neue Flaschen entstehen können?

Sind Flaschen aus PET nachhaltig?

PET ist doch gut recyclefähig … was spricht also gegen den Kauf von Plastikflaschen? Wenn wir über PET-Flaschen sprechen, müssen wir zwischen den dünnwandigen Einwegflaschen und den stabileren dickwandigeren Mehrweg-Flaschen unterscheiden.

Einweg PET-Flaschen

Auch wenn sie ein Flaschenpfand haben, werden die dünnen PET-Flaschen nur einmal genutzt, dann gesammelt, gepresst und recycelt. Der Anteil an Recyclingmaterial bei der Produktion von Einweg-PET-Flaschen ist noch sehr gering. Nur aus etwa ¼ der alten (vor allem weißen) PET-Flaschen werden neue Flaschen hergestellt. Der Rest wird aus Kostengründen downgecycelt, also zu Fasern oder Folien verarbeitet, ins Ausland verkauft oder verbrannt.[3] Jeder Recyclingvorgang verbraucht Ressourcen und Energie, immer geht auch Material verloren. Einen geschlossen Materialkreislauf gibt es hier noch nicht. Zusätzlich negativ auf die Ökobilanz wirkt sich aus, dass es im Bundesgebiet nur wenige zentrale Abfüllanlagen für Einwegflaschen gibt. [4] Der Vertrieb läuft im gesamten Bundesgebiet, daher legen Einweg-Plastikflaschen durchschnittlich deutlich längere Transportwege zurück als die Mehrweg-Flaschen.

Mehrweg PET-Flaschen

Die dickwandigen PET-Mehrwegflaschen, die vor allem für Wasser oder Softgetränke verwendet und in Getränkekisten angeboten werden, werden bis zu 25 x gespült und wieder befüllt, bevor sie dann in den Recycling-Prozess geführt werden. Die Herstellung und auch der Spülvorgang verbrauchen Wasser und Energie, aber die Mehrfachnutzung und vor allem das geringe Transportgewicht lassen die Mehrweg-PET-Flasche ökologisch sehr interessant werden. Auch werden Mehrweg-Flaschen grundsätzlich eher regional vertrieben, lange Transportwege können so vermieden werden, was sich zusätzlich positiv auf ihre Klimabilanz auswirkt.[5]

Glas – eine nachhaltige Getränkeverpackung?

Glas ist gut  … ist doch glasklar, oder doch nicht?

Einweg Glas-Flaschen

Glas wird hauptsächlich aus Quarzsand und Kalk hergestellt. Beide Rohstoffe schmelzen erst bei sehr hoher Temperatur von bis zu 1500° C. Das macht die Produktion sehr energieintensiv. Bereits produziertes Glas ist wiederum ein sehr wertvoller Recyclingstoff. Glas lässt sich unendlich oft in den Schmelzprozess zurückführen und beinahe ohne Material- und Qualitätsverlust zu neuen Produkten verarbeiten. Hier gibt es also einen geschlossenen Verwertungskreislauf, auch cradle-to-cradle genannt. Beim Recycling muss nicht nur auf Materialreinheit, sondern vor allem auf Farbreinheit geachtet werden, bei weißem Glas sogar bis zu 99,7%. Zwar hat Altglas einen niedrigeren Schmelzpunkt als die o.g. Rohstoffe, doch schneidet Einweg-Glas aufgrund des vergleichsweise hohen Energieaufwands im Schmelzprozess in der Ökobilanz sehr schlecht ab. Das hohe Transportgewicht kommt erschwerend hinzu (6).

Mehrweg Glas-Flaschen

Mehrwegflaschen aus Glas können ca. 50 x wiederbefüllt werden, bevor sie weiter in den unendlichen Recyclingprozess gehen. Für Mehrweg-Glasflaschen in Standardform gibt es viele dezentrale Standorte zur Reinigung und neuen Abfüllung. Auch durch den Kauf regionaler Produkte lässt sich das hohe Gewicht durch kurze Transportwege relativieren. Je näher der Abfüllort, desto besser.[6]

Wie nachhaltig ist Tetra Pak?

Getränkekartons (Tetra Paks) gibt es ausschließlich als Einwegprodukt. Lange galten sie als ökologisch besonders vorteilhaft. Doch das sind sie tatsächlich nur, wenn der Anteil an Plastik und Aluminium gering ist, das Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft kommt und es einen Recyclinganteil gibt. Die Anteile im Materialmix Plastik-Aluminium-Papier sind je nach Hersteller unterschiedlich hoch. Im Laufe der letzten Jahre wurden die Kunststoffanteile immer mehr erhöht und die Anteile an nachwachsenden Rohstoffen entsprechend reduziert. Der Getränkekarton ist heute um ein Drittel schwerer als noch vor 15 Jahren. Durch den Materialmix sind Getränkekartons nicht nur energieaufwendig in der Herstellung, sondern auch schwer zu recyceln. Etwa nur 36 % aller Getränkekartons werden dem Recycling zugeführt, der Rest wird verbrannt. [7]


Quelle: www.mehrweg-mach-mit.de

Sind Getränkedosen eine nachhaltige Variante?

Auch Getränkedosen sind immer Einwegprodukte. Sie bestehen aus Aluminium und/oder Eisen, beides theoretisch bis zu 90-100 % recyclebar. Doch Getränkedosen sind hinsichtlich ihrer Ökobilanz nicht empfehlenswert. Die Erstproduktion von Aluminium ist extrem energieaufwändig. Der Rohstoff Bauxit wird großflächig im Tagebau gewonnen z.B. in Ländern wie Guinea, Jamaika, Indien, Australien oder Brasilien. [8] Für den Abbau werden Landstriche zerstört und (Regen-) Wälder gerodet. Getränkedosen aus Aluminium verursachen bei der Herstellung 3x soviel CO2-Emissionen wie Mehrweg-Glasflaschen und 6x soviel wie Einweg-PET-Flaschen.

Bei Weißblech, einem dünn gewalzten und mit Zinn beschichteten Stahl, sieht der Ressourcenverbrauch schon besser aus. Aber im Recyclingprozess werden Weißblechdosen zu Paketen gepresst, geschreddert und von Zinn befreit.[9] Die Entzinnung geschieht aus Kostengründen ausschließlich im Ausland, was lange Transportwege bedeutet. [10] Legierungsbestandteile und Verunreinigungen wie Lacke und Farben sorgen im Recyclingprozess der Getränkedosen für hohe Material- und Qualitätsverluste. Bei der Produktion neuer Getränkedosen muss daher immer wieder das Neumaterial Eisen, Zinn und Aluminium zugemischt werden.[11]

Und JETZT?

Was soll ich denn nun kaufen? Der Versuch einer Empfehlung:

eigene Darstellung

Das Allerbeste, daher außerhalb der Wertung: Wasser aus dem heimischen Wasserhahn … hat bei uns in Deutschland eine sehr gute Qualität, braucht keine Verpackung und keinen Transport. Wer Kohlensäure will, nutzt einen Sodastream. Mit frischem Obst oder Kräutern lassen sich leicht Limonaden machen, Rezepte dazu gibt es ausreichend im Internet.

Darauf kannst Du achten:

  • Vermeide Müll. Kaufe Mehrweg statt Einweg.
  • Kaufe regionale Produkte, dann vermeidest Du lange Transportwege. Bei einer Transportstrecke unter 600 Kilometern ist die Mehrweg-Glasflasche der Mehrweg-Plastikflasche vorzuziehen.[12]
  • Kaufe bei Mehrweg immer Standardformen, das vermeidet längere Transportwege zu Spezialfirmen.
  • Manche Firmen bieten Getränke, die es standardmäßig nur in Einweg-Glasflaschen gibt, auch in Mehrweg an, z.B. Wein in Pfandflaschen bei Weiling. „Vom Fass“ füllt Dir deinen Likör auch in selbst mitgebrachte Gefäße ab.
  • Lässt sich Einweg-Glas nicht vermeiden, dann achte auf ein gutes Sortieren nach Farben.

Keine Frage: Mehrweg – immer die bessere Alternative


Über unsere Gastautorin:

Heike (Jahrgang 1970) lebt mit ihrer Familie in Coesfeld. Neben ihrem beruflichen Alltag als Sozialpädagogin engagiert sie sich bei Coesfeldforfuture. Sie weiß, sie kann die Welt nicht retten, aber sie will zumindest ihren kleinen Beitrag dazu leisten. Denn die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft auch für ihre Kinder und zukünftigen Enkelkinder will sie nicht aufgeben.

Jeder Mensch ist wichtig und sollte sich mit seinen Möglichkeiten einbringen. Denn „viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Angesicht der Erde verändern.“ Es ist 5 nach 12, für Bequemlichkeiten fehlt uns nun wirklich die Zeit.

Heike

Quellenangaben:

[1] https:/de.statista.com/statistik/daten

[2] www.duh.de/mehrweg-klimaschutz0/einweg-plastikflaschen/

[3] www.quarks.de/umwelt/muell/so-werden-plastikflaschen-wiederverwertet/

[4] www.mehrweg-mach-mit.de/getraenkeverpackungen/pet-flaschen/

[5]www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Kreislaufwirtschaft/Mehrweg/190208_FAQs_Klassische_Getränkeverpackungen_FINAL.pdf

[6] www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/glas-altglas

[7] www.duh.de/themen/recycling/verpackungen/getraenkeverpackungen/

[8] www.regenwald.org/themen/aluminium/fragen-und-antworten#start

[9] utopia.de/ratgeber/dosen-recycling-wie-nachhaltig-ist-das/

[10] www.arte.tu-berlin.de/fileadmin/fg301/Archivierungsprojekt/Konservendose_anonym.pdf

[11] www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/umweltschutz-alu-ist-nicht-besser-als-plastik

[12] www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/einzelhandel-und-umwelt/mehrweg/nabumehrwegguide.html

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