planetaren Grenzen und die Ressource Erde

In Coronazeiten haben wir auch in Deutschland gemerkt was es bedeutet, wenn man vor einem leeren Supermarktregal steht. Das Toilettenpapier ist leer oder der Kunde oder die Kundin vor einem hat bereits die letzte Packung ergattert. Desinfektionsflaschen – Fehlanzeige und heute im Supermarkt einen Schnelltest zu ergattern – pure Glückssache! Wir leben in einer Welt, in der die Mehrheit der Menschen zumindestens in der EU davon ausgeht, dass es immer Nachschub geben wird. Was passiert aber, wenn dieser Nachschub nicht mehr kommt? Denn auch das hat uns Corona noch einmal vor Augen geführt: Irgendwann kann es durchaus genug sein. Die Reserven aufgezehrt, die Vorräte leer. Das geht nicht nur uns Menschen so, sondern auch unserem Planeten. Denn auch unser Planet hat Grenzen. Er ist nicht beliebig „ausschöpfbar“.


Was sind planetare Grenzen?

2009 haben Wissenschaftler:innen um Johan Rockström vom Stockholm Resilience Center erstmals das Konzept der planetaren Grenzen veröffentlicht. 2015 wurde dieses aktualisiert und umfasst nun neun Einzelbereiche, die alle voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen können. Vier davon wurden bereits stark ausgereizt bzw. gänzlich überschritten – weil der Mensch massiv in die natürlichen Prozesse eingreift. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass die Stabilität der Ökosysteme irreversibel geschädigt und somit die Lebensgrundlage der Menschen dauerhaft gefährdet wird. 

Planetare Grenzen

Auf diese neun kommt es also an

  1. Verlust der Artenvielfalt
  2. Klimawandel
  3. Biogeochemische Kreisläufe
  4. Abbau der Ozonschicht
  5. Abholzung und Änderung der Landnutzung
  6. Ozonversauerung
  7. Süßwassernutzung
  8. Belastung der Atmosphäre mit Aerosolen
  9. Freisetzung von neuartigen Stoffen

Was sind die Faktoren mit dem höchsten Risiko gravierender Folgen?

Besonders in den Bereichen genetische Vielfalt und des Phosphor- und Stickstoffkreislaufs wurden die Belastungsgrenzen bereits stark überschritten. Damit haben Sie den sicheren Handlungsbedarf mittlerweile verlassen.

Stickstoff und Phosphor sind wichtige Elemente für das Wachstum von Pflanzen. Sie sind daher die Hauptbestandteile in Düngemitteln. Düngemittel werden verstärkt aufgetragen, um die Nährstoffverarmung der landwirtschaftlichen Böden auszugleichen und den maximalen Ernteertrag gewährleisten zu können. Dies betrifft also den Pestizidiensatz in der Landwirtschaft. 

Eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft, also die Steigerung der Produktionsmenge und -intensität auf den vorhandenen Flächenkapazitäten, wird die bereits existierenden ökologischen Probleme (zum Beispiel Nitratbelastung des Grundwassers, Nährstoffverarmung der Böden, Biodiversitätsverlust) weiter verschärfen. Es muss daher zwingend verhindert werden, dass artenreiche (Naturschutz-)Flächen für den stetig wachsenden Rohstoffbedarf der Bioökonomie in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden. 

erhöhtes Risiko gravierender Folgen – was bedeutet das?

Neben dem allgemeinen Klimawandel geht es beim Thema Landnutzungswandel um die Wälder dieser Erde. Sie sind für die Bewahrung der Artenvielfalt und des genetischen Reichtums der Erde und als Co2 Speicher unverzichtbar. Doch der Raubbau an diesem einmaligen Naturerbe der Menschheit schreitet mit unverändertem Tempo voran. Durch Trockenlegung, Brandrodung und Abholzung entweichen riesige Mengen des im Boden gespeicherten Kohlendioxids in die Atmosphäre. 

Ganz dramatisch sind die Auswirkungen der Rodungen des brasilianischen Regenwaldes, der eigentlich als „grüne Lunge“ der Erde bezeichnet wird. In den Monaten von Mai bis Juli 2019 wurde in Brasilien viel mehr Regenwaldfläche abgeholzt als in den gleichen Zeiträumen der Jahre 2016 bis 2018. Das geht aus Satellitendaten hervor, die das brasilianische Weltrauminstitut INPE veröffentlicht hat. Dies ist im Übrigen eines der Kippelemente. 

Warum ist dies alles besonders problematisch?

Damit einhergehen gravierende Einschränkungen und Gefahren für den „safe space of humanity“. Dies bezeichnet den Lebensraum, in dem Menschen noch gut und sicher leben können. Wie wir bereits in unserem Beitrag zum Thema Klimagerechtigkeit angemerkt haben, gibt es bereits Menschen auf dieser Erde, die gravierende Veränderungen spüren. Es handelt sich oftmals um reine Existenznot, einhergehend mit der Frage, ob das Land, in dem diese Menschen groß geworden werden es in der Zukunft noch geben wird. 

Was passiert in Zukunft?

Um weitere Erkenntnisse über die Prozesse zu gewinnen, die die Widerstandsfähigkeit der Erde bestimmen, hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ein neues Pilotprojekt gestartet: Der Potsdam Earth Model Planetary Boundaries Simulator (POEM-PBSim) wird erstmals die Auswirkungen des Zusammenspiels planetarer Grenzen im Erdsystem analysieren – und die Veränderungen simulieren, die es dabei durchläuft.

Gerade für die Landwirtschaft müssen diese planetaren Grenzen ein klares Umdenken einlenken. Viele Betriebe gibt es seit Generationen. Viele Landwirtsfamilien streben an, ihr Land der nächsten Generation zu übergeben. Gerade deswegen und auch für uns alle müssen ökonomische und ökologische Grundsätze in Zukunft noch stärker Hand in Hand gehen!


Unsere Quellen

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