3 Fragen an … Ron Keßeler über erneuerbare Energien

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Ron Keßeler (Jahrgang 1975) ist seit dem 1.März 2020 Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Coesfeld, zu denen auch die Stadtwerke Coesfeld gehören, die Stadtwerke Borken und die EMERGY Führungs- und Servicegesellschaft.


Der Januar steht bei uns ganz im Zeichen der erneuerbaren Energien. Nachdem wir euch in der klimachallenge Informationen zum Thema Strom gegeben haben und in unserem Beitrag „Energiewende in coesfeld“ über die Stadtwerke als lokaler Energieversorger geschrieben haben, freuen wir uns, euch heute unser neues Format „3 Fragen an…“ vorstellen zu dürfen. Den Anfang macht hierbei Herr Keßeler.

Herr Keßeler, als Umweltbewegung fordern wir einen schnelleren Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. In Lette entsteht gerade ein Windpark mit 13 Windkraftanlagen, der für die Coesfelder:innen Strom aus erneuerbarer Energie liefern soll. Damit leisten Sie einen wichtigen Teil zum Klimaschutz. Wie wird dies den Anteil an erneuerbaren Energien in Ihrem Strommix verändern können und wie kann ein Energieversorger wie die Stadtwerke es gemeinsam mit seinen Kunden schaffen, komplett grün zu werden und somit z.B. die Ära der Stein-und Braunkohle schneller hinter sich zu lassen?

Wir haben uns als heimisches Stadtwerk auf den Weg gemacht, gemeinsam mit allen Coesfelder:innen einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz vor Ort zu leisten. Um den Erfolg dabei zu erkennen, sollte man den Blick auf mehrere Dinge richten.

  1. Zum einen berichten wir regelmäßig, wie sich in unserem Netz in Coesfeld das Verhältnis von erzeugter regenerativer Energie zu entnommener Energie verändert. Jeder – wir oder andere -, die in Coesfeld in Erneuerbare Energien investieren und mit unserer Hilfe ans Netz bringen, leisten da einen wertvollen Beitrag. Die Quote lag 2019 bei 51%, 2020 bei ca. 56 %. Hier wird man die Steigerung durch die neuen Windkraftanlagen in Coesfeld am deutlichsten erkennen, denn nach Inbetriebnahme der neuen Anlagen wird in Coesfeld übers Jahr gesehen mehr regenerative Energie erzeugt und ins Netz eingespeist als von allen Verbrauchern aus dem Netz entnommen wird.
  2. Zudem ist der Blick auf den Strommix der Stadtwerke eine Kennzahl. Sie zeigt, wie stark unsere Kunden von unseren grünen Produkten Gebrauch machen. Wir können das mit glaubwürdigen, grünen Angeboten anreizen. Da starten wir jetzt gerade mit unserem Regionalstrom: Mit dem neuen Windpark und weiteren Partnern aus der Region, die hier beispielsweise überschüssigen PV-Strom haben, sind wir die Einzigen, die nicht nur 100% Ökostrom labeln sondern Ökostrom mit Herkunftsnachweis aus Coesfeld anbieten. Wir freuen uns, wenn wir damit viele CoesfelderInnen und heimische Unternehmen überzeugen können.
  3.  Letztlich ist es auch wichtig, ob überhaupt und wenn ja, in welche Formen der Erzeugung wir als Energieversorger investieren. Wir als Stadtwerke Coesfeld haben uns 2015 aus unserem letzten konventionellen Kraftwerksprojekt – dem Steinkohlekraftwerk in Hamm – verabschiedet und halten nun ausschließlich Beteiligungen in regenerativen Erzeugungsprojekten. Der Windpark in Lette mit den 125 Mio. kWh grüner Energie ist dabei unser neuer Trumpf.

Die Bilanz für Coesfeld ist also schon sehr beachtlich und ganz weit vorne in NRW und bundesweit. Besser geht immer: Das fängt bei der Ressourcenschonung an. Weiter geht es damit, nicht müde zu werden, das regenerative Potenzial unserer Region noch stärker zu nutzen.

Ron Keßeler

„heimische Unternehmen, Private und natürlich auch wir sind gleichermaßen gefordert, damit wir alle – auch gemessen an den genannten Kennzahlen – in den nächsten Jahren noch viel mehr zum Klimaschutz vor Ort beitragen.“

— Ron Keßeler

Wir müssen in einer klimaneutralen Welt nicht nur den Strom für die bisherige Verwendung liefern, sondern auch für andere (neue) Sektoren wie Elektromobilität und Gebäudewärme. Die neben der Windenergie bedeutendste Technik gegen den Klimawandel sind Photovoltaik- und Solaranlagen. Dazu gab es im Dezember 2020 eine EEG-Novelle. Wie stehen die Stadtwerke aktuell da beim Thema Photovoltaik und Solar und wie schaffen wir es, den Ausbau dieser Anlagen voranzutreiben?

In der Tat gibt es neben der Energiewende auch die Mobilitäts- und Wärmewende – alle setzen dabei verstärkt auf Strom. Die Nachfrage und Verfügbarkeit lässt sich nur decken, wenn wir verschiedene regenerative Erzeugungsformen bereitstellen, also auch PV, Biogas, Wasser, Geothermie etc. Aufbauend auf einigen bestehenden Projekten packen wir gerade u.a. mit der Stadt das Thema PV neu an und prüfen, auf welchen öffentlichen Dächern wir PV bauen können.Der EEG Rahmen in Kombination mit dem starken Preisverfall und der Leistungssteigerung der Solarmodule lässt mittlerweile allerorts PV-Projekte wirtschaftlich möglich werden – auch hier ist jeder einzelne und sind immer auch wir mit gefordert. Übrigens gibt es auch größere PV-Anlagen, bei denen wir uns um die Direktvermarktung kümmern und auch erste Anlagen, die jetzt auch der EEG-Förderung fallen, wo wir uns als Partner anbieten, um den Weiterbetrieb zu ermöglichen.

Auch Wasserstoff wird als Alternative als Antriebskraft für Autos des Öfteren diskutiert. Wollten wir alle Autos durch Brennstoffzellenautos ersetzen und den Wasserstoff durch erneuerbare Energien in Deutschland gewinnen, müssten wir allerdings fast dreimal so viel Windkraft- und Solaranlagen aufstellen (Quelle). In Coesfeld haben wir zukünftig die Möglichkeit Wasserstoff durch eine bestehende Gasfernleitung, die von Lingen nach Gelsenkirchen führt, zu nutzen. Diese soll künftig auf Wasserstoff umgestellt werden. Welche Bereiche können Ihrer Meinung nach diese Energie in Coesfeld nutzen und wie wird uns das beim Ziel der Klimaneutralität helfen?

Mit dem Thema Wasserstoff werden derzeit sehr hohe Erwartungen verbunden. Eine ganze Reihe von Voraussetzungen angefangen von der Erzeugung, über den Transport und die Nutzung im Bereich Mobilität und industriellem Verbrauch stehen aber noch ganz am Anfang – auch fehlen noch Marktregime und Wirtschaftlichkeit.

Die geplante H2-Trasse durch Coesfeld ist da sicher auch eine tolle Chance. Sicher werden aber noch ein paar Jahre vergehen, bis wir hier erste Anwendungen sehen: Vermeintlich sind diese zunächst in den Bereichen zu suchen, wo es kaum erneuerbare Alternativen gibt und somit ein so kostbarer Energieträger wie H2 in Frage kommt – energieintensive Industriezweige und Schwerlastverkehr als Beispiele. Gemeinsam mit der Stadt sind wir als Emergy hier gerade der H2 Get Initiative beigetreten und insgesamt sehr wachsam, was sich hier für Möglichkeiten ergeben. Bei den kurzfristigen Klimaschutzambitionen der nächsten Jahre wird uns dies allerdings realistisch nicht viel helfen.

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