Wälder im Klimawandel: Warum der Wald so wichtig für uns ist und wie es ihm in NRW geht

Unsere Wälder – prägender Bestandteil des Landschaftsbildes, Lebensraum, Zeitzeugen, Dienstleister und Schutzpatronen in Einem. Diese Funktionen waren aber schon immer an dem wechselnden Nutzungsinteresse und Naturbewusstsein des Menschen geknüpft. Viele Diskussionen und Strategien liegen schon hinter uns, die zwischen der Forstwirtschaft, dem Naturschutz, der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft ausgetragen wurden. Wie sieht es denn nun mit dem Klimawandel und dem Wald aus? Was bringt dieser für Herausforderungen mit sich?

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Ein verstärktes Bewusstsein dieser wichtigen Rollen ist unabdingbar, da die Wirkungen, Leistungen und Nutzungen (siehe 2.) der Waldökosysteme bedroht sind. Somit ist auch der Klimaschutz bedroht. Wälder liefern den nachwachsenden Rohstoff Holz und sind eine natürliche Kohlenstoffsenke.

Der Klimawandel stellt eine neue große Herausforderung dar. Dabei ist für Wald und Forstwirtschaft besonders die Geschwindigkeit des Klimawandels problematisch. Bäume sind langlebig und ortsfest. In ihrer Lebensspanne sind sie ihren Umweltbedingungen ausgesetzt und haben jeweils unter-schiedliche Toleranzbereiche. Wenn sich die Umweltbedingungen zu schnell oder zu stark ändern, könnten die Waldökosysteme in Zukunft immer mehr Probleme mit der Anpassung an ihrem Standort bekommen. Auch die Forstwirtschaft wird durch den Klimawandel risikoreicher.

Das volle Ausmaß der Veränderungen ist nicht einschätzbar und trotzdem sind Ansätze erforderlich, die zur Stabilisierung und Vitalisierung der Bestände beitragen, um die Waldfunktionen zu erhalten (BMEL, 2022[i]).

Was bewirkt und leistet ein Wald eigentlich?

Nach Stinglwagner et al. (2009)[ii] lassen sich vier Hauptfunktionen eines Waldes aufführen, die oft auch gleichzeitig zu erbringen sind:

  1. Nutzfunktionen (Ertragsfunktionen): Holz als Rohstoff, Sicherung von Arbeitsplätzen, Holz als Energielieferant (Verknappung fossiler Rohstoffe) und Ertrag an anderen Wald-erzeugnissen (u.a.: Beeren, Forstpflanzen, Bäume, Pilze, Kräuter, Sträucher, Teile wie Samen, Harz, nichtpflanzliche Waldprodukte: z.B. wilder Honig)
  2. Schutzfunktionen: Erhaltung der Naturgüter und des Naturhaushalts: Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Luft, Klima, Pflanzen- und Tierwelt, Abwehr von Gefahren und Beeinträchtigungen z.B. Lärm, Hochwasser und Immissionen
  • Bodenschutz: Wald verhindert Bodenabtrag und Bodenerosion durch Wasserhalte- und Wasserspeicherungsvermögen und starker Durchwurzelung (besonders in Hanglagen)
  • Lawinenschutz: besondere Form des Bodenschutzwaldes
  • Wasserschutz: trägt zur Sicherung des Wasserhaushaltes (Grundwasser) bei und ist für die Trinkwassergewinnung entscheidend, deswegen sind viele Wälder auch Wasserschutz- oder Wasserschongebiete, Wald dient als „Schwamm“ und wirkt regulierend auf den Wasserhaushalt der Landschaft
  • Klimaschutz: Wald stellt eine entscheidende Kohlenstoffsenke dar, er gleicht Temperatur-schwankungen aus, mindert Verdunstung und erhöht die Luftfeuchtigkeit, in Siedlungs-bereichen lufthygienisch und als Temperaturpuffer wichtig, produziert Sauerststoff
  • Immissionsschutz: Wald hat eine Filterwirkung (filtert Staub, Gase und radioaktive Stoffe)
  • Lärmschutz: sorgt für Lärmreduzierung und Sichtschutz
  • Straßenschutz: schützt Straßen vor Schneeverwehungen, Steinschlag, Seitenwind etc.
  1. Erholungsfunktionen: Wald sorgt für Naturerlebnis, Ruhe, Nah-, Wochenend- und Urlaubserholung, positiv für die physische und psychische Gesundheit der Menschen
  2. Sonderfunktionen: Landschaftsschutz: Wald trägt zum Landschaftsbild bei; Naturschutz: ist oft ein prägendes Element im Naturschutz und deren ausgewiesenen Flächen; Denkmalschutz: der Wald bewahrt viele prähistorische und historische Kulturerzeugnisse (z.B. Hügelgräber); Forschung und Lehre: und dient als Versuchsobjekt zu vielen Forschungs- u. Lehrzwecken

Wieso verändert sich die Wälderlandschaft in Deutschland?

Die Landnutzung des Menschen hat in ihrer historischen Entwicklung die Bewaldungsanteile in Deutschland stark beeinflusst. Nach der starken Nutzung der Wälder im Mittelalter und der industriellen Revolution, stand die Bewaldung im 19. Jahrhundert auf einem Tiefstand. Gleichzeitig wurde aber der Holzbedarf zur Energiegewinnung, dem Bergbau, der Eisenverhüttung und der Bauwirtschaft zusätzlich angetrieben. Schon im 18. Jahrhundert wurden Grundsätze der nach-haltigen Forst- und Waldwirtschaft von Hans Carl von Carlowitz und weiteren Forstleuten formuliert, um der Holznot entgegenzuwirken. Nachhaltigkeit, Waldumbau und Aufforstungen spielen also schon lange eine zentrale Rolle. Mit der Entwicklung neuer Energiequellen wie z.B. der Kohle, konnten sich die Waldflächen etwas erholen. Weiter nahm dann der Zweite Weltkrieg starken Einfluss und es wurde dadurch viel Waldfläche zerstört. Es erfolgten Reparationshiebe und es gab einen großen Bedarf an Holz zum Wiederaufbau. Zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren, waren mit dem sauren Regen, dem sogenannten Waldsterben und großflächigen Waldschäden (Vergilbungen, Schädlinge, Wurfanfälligkeit, Rauchschäden, Baumkrankheiten), Kahlflächen und Aufmerksamkeit geschaffen worden (BMEL, 2018[iii]). Aber wie ist die aktuelle Situation?

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf unsere Wälder?

Es sind die sich multiplizierenden Faktoren und Ansprüche, die die heutigen Herausforderungen für den Waldbau bestimmen:

  • immer knapper werdenden Flächenreserven,
  • vermehrter Bedarf an sauberem Trinkwasser,
  • erhöhte Umweltbelastungen,
  • steigendes Erholungsbedürfnis bei zu-nehmender Mobilität des Menschen,
  • zusätzlicher Verbrauch des Rohstoffes Holz,
  • Waldschäden,
  • Erosion und den Klimaveränderungen.

Hierbei erhöht sich der Druck auf die Waldökosysteme.

Die Standortverhältnisse der Wälder verändern sich. Es kommt zunehmend zu Extremereignissen wie Trockenheit, Dürre, Stürme, Überflutungen, Hagel und Schädlingen.

Zudem sind auch noch hohe Stickstoffeinträge und Säurebelastungen aus der Industrie, dem Verkehr und der Landwirtschaft ein Problem. Die Stickstoffeinträge beeinträchtigen die Bodenfruchtbarkeit, den Nährstoffkreislauf und die natürliche Entwicklung der Lebensgemeinschaften im Wald.

Der Eintrag von Schwefel in die Wälder konnte durch die Luftreinhaltemaßnahmen reduziert werden. Jedoch tragen die Stickstoff-einträge weiterhin zur Versauerung der Standorte bei (Bartsch & Röhring, 2016[iv]; BMEL, 2020[v] und Bundesregierung, 2019[vi]).

Wie bereits erwähnt ist das Ausmaß dieser Ereignisse nicht genau einschätzbar. Insgesamt gehen Experten:innen davon aus, dass sich die Durchschnittstemperaturen erhöhen und Extremwetterereignisse zunehmen werden. Für Mitteleuropa wird verstärkte Trockenheit in der Vegetationsperiode prognostiziert. Dabei sind die erwarteten Auswirkungen auf die Wälder und ihrer Stabilität komplex. Jeder Organismus im Waldökosystem wird individuell und unterschiedlich beeinflusst (Bundesregierung, 2019).

Nach Bolte et al. (2009[i]) haben die Klimatischen Änderungen folgende Wirkung:

Erwärmung= Höhere MitteltemperaturenErhöhte Evaporation (Abnahme Wasserressourcen)Mobilisierung + Verluste von Kohlenstoff in Waldboden Begünstigung der Vermehrung von Schadinsekten
 = Häufigere HitzeperiodenSchäden an Blatt-/NadelgewebeWaldbrand und (Dürre)Erhöhte Mortalität und Probleme der Waldverjüngung
 = Kürzere Kälte- und FrostperiodenVerringerung der C-Senken durchWinterliche Mobilisierung von KohlenhydratereservenWindwurf
 = Verlängerung der VegetationsperiodeHöhere Produktivität (wenn ausreichend Wasser und Nährstoffe)
Niederschlag= DürreGeringere Produktivität, höhere Mortalität, höhere Anfälligkeit für biotische Gefahren
 = starke NiederschlägeFlutschäden (Sauerstoffmangel)Höhere Mortalität (Wechsel im Wasserhaushalt)
Windereignisse= SturmWindwurf und -bruchErhöhte Evapotranspiration
Biotische Interaktionen= Variationen in der Konkurrenz zwischen und innerhalb von ArtenVeränderte Produktivität und Vitalität, veränderte Gemeinschaftsstruktur
 = Wechsel bei symbiontischen Verhältnissen (u.a. Mykorrhizapilze, Bestäubungssysteme)Veränderte Bedingungen für Produktivität und Reproduktion
 = Angriffe durch biotische GegenspielerAbnehmende Produktivität, höhere Mortalität, höhere Anfälligkeit für biotische Gefahren

[i] Bolte, A., Ammer, C., Löf, M., Nabuurs, G.J., Schall, P. u. P. Spathelf (2009). Adaptive forest management – a prerequisite for sustainable forestry in the face of climate change. In: Spathelf, P. (Hrsg): Managing forest ecosystems. Springer, Dordrecht, S 115–139

Wie geht es dem deutschen Wald?

Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald. Forstliche Umweltmonitorings erheben regelmäßig die Daten des Waldbestandes. Ergebnisse lassen sich z.B. gut bei der Bundeswaldinventur einsehen. Die Vierte Bundeswaldinventur läuft noch bis Ende Dezember 2022. In der dritten Bundeswaldinventur von 2012 waren insgesamt einige Verbesserungen aufgenommen worden. Es war insgesamt mehr älterer Wald dokumentiert worden, der Laubbaumanteil war gestiegen, die Waldstrukturen waren vielfältiger aufgebaut (hin zu Mischwäldern), die Naturnähe der Wälder hatte sich verbessert und der Totholz- und Holzvorrat hatten zugenommen (BMEL, 2018).

Wie sieht der Waldbestand im Kreis Coesfeld/NRW aus?

Laut dem Zustandsberichts von 2021, verfügt NRW über 935.000 ha Wald, was 27 % der Landesfläche entspricht. Besonders waldreich sind die Mittelgebirgslagen der Eifel, des Sauer-, Sieger- und des Weserberglands. Der Wald besteht zu 58 % aus Laubbäumen. Den größten Teil der Laubbäume machen dabei die Buche und die Eiche aus. Auf 42% der Waldfläche wachsen Nadelbäume, vor allem Fichten (MULNV NRW, 2021[vii]).

Waldverteilung in Nordrhein-Westfalen (MULNV NRW, 2021)

Weiter ist dem Zustandsbericht zu entnehmen, dass die Wälder weiterhin stark geschädigt sind.

Auch in NRW sind die Klimafolgen zu beobachten. Im Vergleich zum Vorjahr 2020 wären zwar leichte Erholungen sichtbar. Jedoch sei zu berücksichtigen, dass durch Trockenheit und Borkenkäferbefall bereits abgestorbene Bäume keine Berücksichtigung in der jährlichen Erhebung gefunden haben.

Deutlich verbessert hat sich der Zustand der Buche. Eiche und Fichte verschlechtern sich leicht und die Kiefer stagniert. 10% der Waldfläche in NRW sind erheblich geschädigt durch die Vorjahre. Es sind fast ausschließlich Fichtenbestände betroffen. Nach aktuellen Erhebungen sind circa 8,8 Millionen Festmeter Schadholz (seit 2018 insgesamt circa 40 Millionen Festmeter) angefallen. Die gesamte Schadfläche seit 2018 komplett ausgefallener Fichtenbestände umfasst circa 113.000 Hektar (MULNV NRW, 2021 und Wald und Holz NRW 2021[viii]).

Und JETZT?

Was kann ich für den Erhalt der Wälder tun?

  • Generell alles was gegen Holzhunger und Flächenverbrauch wirksam ist: Energie sparen, Ausstoß von Treibhausgasen verringern bei der eigenen Mobilität, Ernährung und Konsum hinterfragen, Langfristige Maßnahmen und Projekte unterstützen (SDW, 2022[ix])
  • Verwendung von Holzprodukten aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Kauf von Produkten aus heimischen Hölzern, Auf forstliche Zertifizierungssysteme wie PEFC und FSC beim Einkauf achten, Nutzung recycelter Produkte mit dem Blauen Engel, Substitution energieintensiver Baumaterialien durch Holz oder Kaskadennutzung von Holz (SDW, 2022)

Was muss sich noch ändern?

  • Standortgerechte strukturreiche Mischwälder müssen das Ziel sein. Sie werden den gegenwärtigen Anforderungen und künftigen Herausforderungen am besten gerecht. Mischwälder bieten bessere Voraussetzungen, sich an Umweltveränderungen anzupassen und waldbauliche Risiken wie Sturm, Schaderreger und Baumkrankheiten auszugleichen. Sie können Artenreichtum und Multifunktionalität (Nutzung und Schutzfunktionen) bieten und dienen der Risikostreuung (BMEL, 2022a[x]).
  • Heimische Baumarten und Laubbäume sind zentrale Elemente im naturnahen Waldbau
  • Anpassung der Waldbewirtschaftung: Ausmaß der Veränderung und die notwendigen Anpassungen sind umstritten. Häufig als Maßnahmen werden genannt: Höhere Anzahl an Baumarten, Auf die Herkunft der Baumarten achten, Unterbau mit fehlenden Baumarten, Kontrolle des Wildbestandes, Erhöhung der Waldstruktur (Ungleichaltrigkeit), Kürzere Umtriebszeit und die gängigen Formen der Waldbehandlung zu überdenken und adaptiv handeln (Jandl & Schüler, 2012[xi]).
  • Langzeitforschungen, Waldökosystemforschungen, Umweltmonitorings und Baumartenforschungen (auch in Bezug auf neu aufgetretene Krankheiten in den Jahren, z.B. bei Eschen und Ulmen)
  • Für die Wiederbewaldung und den Umbau der Wälder braucht insbesondere der private Waldbesitz eine betriebliche Perspektive (Wald und Holz NRW, 2021)

Linkempfehlungen zu diesem Thema


Quellen

[i] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2022): Dritte Bundeswaldinventur 2012 – Klimaschützer Wald – weiterhin Kohlenstoffsenke

https://www.bundeswaldinventur.de/dritte-bundeswaldinventur-2012/klimaschuetzer-wald-weiterhin-kohlenstoffsenke

[ii] Stinglwagner, G.K.F., Haseder, I.E. u. R. Erlbeck (2009). Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. Kosmos, Stuttgart, S.906-907

[iii] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2018): Bundeswaldinventur – Der Wald in Deutschland: Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur, Berlin.

https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/bundeswaldinventur.html

[iv] Bartsch, N. u. E. Röhring (2016). Wälder im Klimwandel. In: Bartsch, N. u. E. Röhring (Hrsg.): Waldökologie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg, S.345-358

[v] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2020): Am Puls des Waldes Umweltwandel und seine Folgen – ausgewählte Ergebnisse des intensiven forstlichen Umweltmonitorings

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/puls-des-waldes.pdf?__blob=publicationFile&v=15

[vi] Die Bundesregierung (2019): Klima- und Umweltschutz – So beeinflusst der Klimawandel den Wald

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/wald-leidet-unter-klimawandel-1661828

[vii] Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV NRW) (2021): Waldzustandsbericht 2021 – Bericht über den ökologischen Zustand des Waldes in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

[viii] Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen (2021): Waldzustand – Zustandsberichte

https://www.wald-und-holz.nrw.de/wald-in-nrw/waldzustand

[ix] Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e.V. (SDW) (2022): Wald im Klimawandel

https://www.sdw.de/ueber-den-wald/gefahren-fuer-den-wald/wald-im-klimawandel/

(alle Internetquellen zuletzt aufgerufen am: 20.05.22)

[x] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) (2022a): Dritte Bundeswaldinventur 2012 – Lebensraum Wald − mehr biologische Vielfalt im Wald https://www.bundeswaldinventur.de/dritte-bundeswaldinventur-2012/lebensraum-wald-mehr-biologische-vielfalt-im-wald

[xi] Jandl, R. u. S. Schüler (2012): Anpassung der Waldbewirtschaftung an den Klimawandel. BFW-Praxisinformation 30: 29 – 30

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/wald-und-klimawandel

Kira

Kira (Jahrgang 1994) ist angehende Landschaftsökologin.   Kiras Meinung: „Es ist wichtig, neben dem Generellen, alle Stellschrauben eines Systems zu betrachten. Dies gilt gleichermaßen für unsere Ökosysteme, Ernährungssysteme und sozialen Systeme. Dabei ist es wichtig, globale Wirkungen und Ungleichheiten mit einzubeziehen. Klimaschutz, Naturschutz und Gerechtigkeit können nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Wenn eine Komponente fehlt, dann fehlt eine Stellschraube im System“.

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9 Antworten

  1. Herr Fähser wird am 30.8.2022 (19:00 Uhr) zur ökosystem-orientierten Waldnutzung einen Vortrag in Emsdetten halten und auch noch am 31.8.2022 (19:00 Uhr)

    im Cafe Arte im Sandsteinmuseum in Hvixbeck ( https://cafe-arte.de/ ).

    Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Lutz Fähser:

    Auch die Wälder im Münsterland sollen im Klimawandel überleben !
    Die anfälligen Forste müssen sich zu naturnahen anpassungsfähigen Wäldern entwickeln dürfen.

    Die Forsten im Münsterland sind sichtbar bedroht vom Klimastress. Die Vielfalt der Lebewesen ist dramatisch abgestürzt. So wie die meisten jetzt strukturiert sind und „gepflegt“ werden, haben sie wenig Überlebenschancen. Seit dem großen Welt-Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 und spätestens mit der Regierungserklärung 2021 der jetzigen Bundesregierung weiß die Fachwelt, dass die überwiegend naturfernen Forsten nur über die Entwicklung zu naturnahen Wald-Ökosystemen zu retten sind. Dieser Prozess hilft gleichzeitig, möglichst viel Klimagas CO 2 aus der Luft abzusenken, die zukünftige Produktionskapazität der Wälder für Nutzholz zu erhöhen und die verarmte Biodiversität wieder zu beleben.
    Im Vortrag werden die Zusammenhänge erklärt und ein bewährtes Konzept vorgestellt, wie es seit 1994 in Lübeck und vielen anderen öffentlichen Forstbetrieben erfolgreich umgesetzt wird.

    Zur Person von Dr. Lutz Fähser:

    Diplom-Forstwirt mit Promotion in Forstlicher Betriebswirtschaft in Freiburg i.Br..
    Forschung und Lehre an den Universitäten Curitiba/Brasilien, Freiburg i.Br. und Kiel.
    Leitung von verschiedenen Forstbetrieben im Landes-, Kommunal- und Privatbesitz,
    zuletzt von 1986 bis 2009 als Leitender Forstdirektor im 5.000 ha großen Wald der Hansestadt Lübeck/ Schl.-Holstein. Einsatz in Wald-Entwicklungsprojekten in 30 Ländern.

  2. Endlich müssen hier die Umweltverbände und alle interessierten Bürgerinitiativen für den Schutz der Wälder koordiniert und gemeinsam in Aktion treten! —- Bewertung/Zusammenfassung zu den Antworten der Parteien zur „Waldwende“: … Offener Brief an die Parteien zur Landtagswahl in NRW 2022 –

    Unsere Forstexperten: „Am kompetentesten und operationalsten die „Piratenpartei“, am allgenmeinsten und wenig ökologisch die FDP….“

    und: „Wie das vor Wahlen so üblich ist, werfen alle Parteien gern mit wohlklingenden Worthülsen um sich. In ihren Aussagen liefern die Grünen aus meiner Sicht noch die meiste „Substanz“, zumal sie interesssanterweise ankündigen, das bestehende Forstgesetz zu einen Landeswaldgesetz ausbauen zu wollen. Da sollte man sie allerdings auf konkrete Forderungen festnageln (siehe Anlage)…“

    Unsere Bewertungen: Bis auf die FDP erkennen alle Parteien eine notwendige „Waldwende“ hin zu mehr „Ökologie“. Die Linke will mit Initiativen zusammenarbeiten und benennt konkrete Ziele (Wildnis, Rückepferde,

    Biodiversitätssicherung und Pestizidverbote…). Mit SPD und mit den Grünen müsste noch genau geklärt werden, dass die derzeitige Praxis von „Wald und Holz NRW“ eben nicht als „naturnahe Waldbewirtschaftung“ bewertet werden kann. Die Verarbeitung der neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Ökosystem Wald für Naturschutz, Artenschutz und „Waldwende“ sollten genau hinterfragt werden. Die Ökologisierung der Naturschutzgesetze und Waldgesetze (auch für NRW) -resultierend aus einem Vollzugsdefizit aus Art. 20 a Grundgesetz- muss klar eingefordert werden.

    Ergänzend zu den Ausführungen der Parteien fordern wir mit den Wald-Bürgerinitiativen:

    -Einschlagstopp für alle etwas älteren und größeren Laubbäume (Buchen/Eichen…),

    -viel mehr alte Bäume im Wald belassen,

    -gesetzliche Verpflichtung zur selektiven Einzelstammnutzung,

    -Ausweisung von mindestens 10% der Waldfläche als geschützten Naturwald,,

    -Vorrang des naturnahen Bürgerwaldes vor wirtschaftlichen Zielen (siehe Bundesverfassungsgericht!),

    -Kahlschlagverbot, Pestizid- und Düngeverbot,

    -bodenschonende Verfahren,

    -Wiederherstellung des Geländewasserhaushalts in Wäldern.

    7.5.2022 ( Waldschutzgruppe Münsterland — https://www.facebook.com/groups/673081750509368/ )

    • Darauf wollen wir drängen: Da es ein Vollzugsdefizit aus Art. 20 a Grundgesetz gibt (staatliche Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen/sh: Bundesverfassungsgericht) müssen nun Regierung im Bund und auch in NRW rasch durch grundlegende Reformen die Ökologiepflichtigkeit auch des Waldeigentums sicherstellen!*

      *Hans Dieter Knapp (Hrsg.), Siegfried Klaus (Hrsg.), Lutz Fähser (Hrsg.)
      Der Holzweg – Wald im Widerstreit der Interessen – ISBN: 978-3-96238-266-7 – Softcover, 480 Seiten
      (39,-€) oekom-Verlag – https://www.oekom.de/buch/der-holzweg-9783962382667

  3. Siehe zu dem Thema in der Region ganz besonders: Waldschutzgruppe Münsterland: https://www.facebook.com/groups/673081750509368/

  4. Der Aertikel geht an der bedrohlichen Situation der Wälder im Münsterland und in NRW vorbei. Es ist schon fast zu spät. Die Klimaschutzfunktionen kann der Wald kaum noch erfüllen. — Angesichts der sich zuspitzenden Krisen (Artensterben/Klima) kann die große Zahl der aktuell gefällten etwas älteren Bäume
    durch Neuanpflanzungen nicht ersetzt werden. Gerade große, alte Bäume (150 +) können in einem intakten Ökosystem viel CO² (auch im Boden) binden und viele „Ökosystemleistungen“ erbringen. — Darauf wollen wir drängen: Da es ein Vollzugsdefizit aus Art. 20 a Grundgesetz gibt (staatliche Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen/sh: Bundesverfassungsgericht) müssen nun Regierung im Bund und auch in NRW rasch durch grundlegende Reformen die Ökologiepflichtigkeit auch des Waldeigentums sicherstellen!* — *Hans Dieter Knapp (Hrsg.), Siegfried Klaus (Hrsg.), Lutz Fähser (Hrsg.)
    Der Holzweg – Wald im Widerstreit der Interessen – ISBN: 978-3-96238-266-7 – Softcover, 480 Seiten
    (39,-€) oekom-Verlag – https://www.oekom.de/buch/der-holzweg-9783962382667

  5. Jürgen Kruse sagt:

    Leider eine sehr einseitige Quellenbasis. Die Profitorientierung der Waldbesitzer (oft Großgrundbesitzer, wie die Katholische Kirche), die Dominanz der Finanzwirtschaft, die Spekulationen am „Holzmarkt“ werden nicht berücksichtigt. Das neuere Wissen um das Ökosystem Wald zeigt, wie sehr der Begriff der Nachhaltigkeit missbraucht und entwertet worden ist. Wichtig wäre die Darstellung der ökologisch orientierten Wissenschaft, der Naturwald-Praktiker und der Positionen der Bürgerinitiativen zum Wald. Eine wunderbare homepage dazu kann doch nicht unberücksichtigt bleiben: https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/
    Ausgerechnet der Landesbetrieb „Wald und Holz NRW“ folgt nahezu immer seiner Profitorientierung und ist keine Naturschutz-Initiative und keine Klimaschutzbewegung! Die Praxis weicht zudem krass von den schönen Bekenntnissen zum Walderhalt ab. Siehe dazu:
    Der Artikel zum Waldverlust im Münsterland bzw. zur notwendigen Ökologisierung der Naturschutz- und Waldgesetze (Vollzugsdefizit aus Art. 20 a GG) :
    „Naturnahe Waldwirtschaft in Zeiten der Klimaerhitzung? Ein Beispiel aus dem Münsterland zeigt die Notwendigkeit des Umdenkens in der Waldwirtschaft auf.“
    https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2022/05/01/naturnahe-waldwirtschaft-in-zeiten-der-klimaerhitzung/

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