Winter, Schnee und das Streusalz im Kreis Coesfeld

Auch wenn die letzte weiße Weihnacht in Deutschland im Jahre 2010 war, kommt es teilweise auch im Kreis Coesfeld immer mal wieder kurz zu Schneefall. Die letzte weiße Weihnacht in Deutschland liegt schon etwas zurück: Im Jahr 2010 gab es einen extrem kalten Winter. Und dann heißt es: Straßen und Gehwege freiräumen. Warum Streusalz dabei keine ökologisch gute Lösung ist und wie viel davon im Kreis Coesfeld gestreut wird – das erfährst du hier.

Deswegen müssen wir darüber sprechen

1,5 Millionen Tonnen Streusalz werden jährlich zur Bekämpfung von Glatteis gestreut – bei harten Wintern sogar bis zu 4 Millionen Tonnen.[1] Streusalz hat direkte Umweltauswirkungen, es schadet Pflanzen, Tieren, Gewässern, Fahrzeugen und Bauten.[2]

Was ist Streusalz?

Als Streusalz (auch Auftausalz genannt) werden Salze bezeichnet, die zum Auftauen von Eis oder zur Verhinderung von Eisbildung auf Gehwegen und Straßen verwendet werden. Zu 94 % besteht Streusalz aus Natriumchlorid (NaCI) – jedoch nicht zum Verzehr geeignet(!). Daneben enthält es Begleitstoffe und künstliche Zusätze als Rieselhilfe.[3] [4]

Umweltauswirkungen von Streusalz [5] [6]

Pflanzen und Bäume

Streusalz am Straßenrand schädigt wachsende Pflanzen und Bäume. Bei direktem Kontakt führt es zur Verätzung oberirdischer Pflanzenteile. Über das Schmelzwasser versickert Streusalz auch in die Böden und kann sich über viele Jahre dort anreichern. Um den Salzgehalt im Boden auszugleichen geben die Pflanzen vermehrt Wasser ab und verbrennen dadurch.

Bodenbelastung

Durch das Salz verkrusten die Böden und es kommt zu Verschlämmungen. Die obere Bodenschicht wird schlechter durchlüftet und kann weniger Wasser aufnehmen und speichern. Dadurch versickern wichtige Mineralstoffe in tiefere Bodenschichten und stehen Pflanzen nicht mehr zur Verfügung.

Belastung der Gewässer

Vom Regen weggespült gelangt Streusalz über das Entwässerungssystem auch in Flüsse, Bäche und Seen. Weiträumig betrachtet kommt es zu keinen hohen Salzkonzentrationen, lokal vereinzelt kann es für die in Süßwasser gewöhnten Organismen kritisch werden. In den Wintermonaten stellt man auch in der Nähe großer Straßen erhöhte Salzwerte im Grundwasser fest.

Weitere Folgen von Streusalz

Neben Umweltschäden kann das Streusalz auch bei Haustieren zu Entzündungen an den Pfoten führen. Das Salz beschädigt Autos und Gebäude. Auch Betonbauwerke oder Stahlträger können durch die korrosive Wirkung beschädigt werden. Daneben kommt es zu Straßenschäden durch das Schmelzwasser. Das Wasser sickert durch kleine Risse in den Boden und kann bei erneutem Frost gefrieren – dabei dehnt es sich aus und es bilden sich Schlaglöcher.

Wer ist für die Schneeräumung zuständig?

Für den Winterdienst ist die jeweilige Kommune verantwortlich. Eine Kommune kann aber auch die Pflichten an die Besitzer der Grundstücke delegieren. Geregelt wird der Einsatz von auftauenden oder abstumpfenden Streugut in der Straßenreinigungssatzung.[7] 

Gesetzeslage zur Verwendung von Streusalz auf dem Privatgrundstück

Grundstückseigentümer:innen sind zum Winterdienst auf den Gehwegen verpflichtet. Nach nächtlichen Schneefall muss die Räumung der Wege und Zuwegung beseitigt werden.[8]

Der private Einsatz von Streusalz ist in vielen Gemeinden explizit verboten. Eine einheitliche Regelung auf Bundes- oder Länderebene besteht hingegen noch nicht. Ausnahmen zur Verwendung von Streusalz betreffen meist Treppen und andere kritische Bereiche, jedoch muss eine Ausnahmegenehmigung bei der Kommune angefragt werden, sonst drohen Bußgelder.[9]

Winterdienst im Kreis Coesfeld

Im Kreis Coesfeld wird von November bis Ende März der Winterdienst auf ca. 420 Kilometern Kreisstraßen und 180 Kilometern Radwege mit insgesamt 10 Fahrzeugen sichergestellt. Rund 25 Tonnen Salz werden pro Winterdiensteinsatz benötigt. Im Winter 2020/21 wurden insgesamt 500 Tonnen Salz verbraucht, berichtet der Bauhofleiter des Kreises Coesfeld.[10]

Wie sieht die Reinigungspflicht in Coesfeld und Rosendahl aus?

Im Kreis Coesfeld darf man Salz oder sonstige auftauende Stoffe nicht zur Schneebeseitigung verwenden

In der Straßenreinigungssatzung sind die Reinigungspflichten für Kommunen geregelt. Die Reinigungspflicht in Coesfeld verpflichtet Gehwege und Flächen bei Eis und Schneeglätte mit abstumpfenden Stoffen zu bestreuen. Die Verwendung von auftauenden Stoffen (z.B. Streusalz) ist nur auf Rampen, Brücken und Treppenaufgängen erlaubt. Außerdem ist es verboten begrünte Flächen mit Salz zu bestreuen, salzhaltiger Schnee darf nicht auf ihnen abgeladen werden.[11]

Auch in Rosendahl ist der Einsatz von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen grundsätzlich verboten, die Verwendung ist auch hier nur in kritischen Bereichen erlaubt.[12]

Und JETZT?

Auf winterlichen Straßen unterwegs zu sein, steht auch immer im Dilemma mit einem erhöhten Unfallrisiko. Ein umweltfreundliches Streumittel sowie eine verkehrssichere Alternative zum Streusalz stellt weiterhin Entwicklungsbedarf dar.

Umweltfreundliche Alternativen zum Trockensalz im Straßenverkehr

Splitt

Splitt ist eine umstrittene Alternative, zwar hat es eine gute abstumpfende Wirkung, jedoch bleibt es nach dem Streuen nicht lange auf der Straße. Durch die Autoreifen wird das Streu schnell an den Rand der Straße geschleudert, womit es wirkungslos wird. Das restliche Rollsplitt muss dann später aufwendig zusammengekehrt und von Ruß und Straßenabrieb gereinigt werden. Damit hat es eine sehr schlechte Ökobilanz.[13]

Sole

Zum einen soll Sole eine ressourcenschonende und umweltfreundlichere Alternative sein. Sie zeigt eine sofortige Wirkung und spart durch das im Wasser gelöste Salz bis zu 60 % des Trockensalzes.[14] Der Unterschied zum Trockensalz ist, dass dieser erst durch den Tauprozess in der Umgebungsluft zur punktuellen Sole wird. Dieser Schritt wird bei der Salzsole übersprungen und es wirkt direkt flächendeckend. Auch spare man mit der Salzsole Recyclingkosten die durch Aufkehren von Splitt, Granulat, Sand entstehen. Der geringe Salzanteil soll zudem Bäume und Tierpfoten schonen. [15]

Gurkenwasser

In einem Pilotprojekt in Bayern wurde Gurkenwasser als Streumittel eingesetzt. Bei der Produktion von Salzgurken entsteht normalerweise Salzwasser als Abfallprodukt. Mit Hilfe des recycelten Gurkenwassers konnten bis zu 700 Tonnen Salz und bis zu 4,9 Millionen Liter Wasser gespart werden.[16] Das Ergebnis des Projektes konnte überzeugen und ist anschließend in den Regelbetrieb übergegangen. Aus ökologischer und ökonomischer Sicht sicherlich eine interessante Lösung und ein Erfolg.[17]

Ameisensäure

Ein weiteres alternatives Auftaumittel basiert auf Kalium- und Natriumformiat, den Salzen der Ameisensäure (synthetisch hergestellt). Diese soll zu 100 % biologisch abbaubar und ungiftig sein. Zudem enthält es weder Salz, Chlor noch Stickstoff. Diese Streusalzalternative habe bereits bei kleinen Mengen eine sehr starke Auftauwirkung und ist bis zu -50° wirkungsvoll.[18]

Wie können Kommunen für freie Wege sorgen und sich dabei umweltfreundlich verhalten?

Ob Streusalz oder Splitt, beides belastet die Umwelt, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Am umweltschonendsten ist es, differenziert – stets an die aktuelle Situation angepasst – vorzugehen. Unter einem differenzierten Winterdienst wird verstanden:

  • Nebenstraßen sollten gar nicht geräumt oder gestreut werden, sogenannter weißer Winterdienst
  • Auf den Hauptstrecken sollte der Schnee schon frühzeitig, bei Schneehöhen ab ca. 1,5 cm, zuerst gründlich geräumt werden, bevor der Winterdienst streut (Schwarzräumen)
  • Je nach Straßen- und Wettersituation sollte zeitnah entschieden werden, ob Splitt oder Salz ausgebracht wird, bzw. ob auf das Streuen ganz verzichtet werden kann.  
  • Bevorzugt soll Schnee geräumt werden. Durch verstärktes „mechanisches Schneeräumen“ werde die nachfolgende Streuung mit auftauenden Salzen deutlich reduziert.
  • Die Salzmenge kann durch die Verwendung von Feuchtsalz und Dosiertechniken erheblich reduziert werden. Damit salzhaltige Straßenabwässer den Boden nicht zu sehr belasten, sollten auch Versickerungen möglichst vermieden werden.
  • Energieintensive Streumittel (z.B. Blähton) sollten nur sparsam eingesetzt werden
  • möglichst kurze Transportwege für das eingesetzte Streumittel
  • Die Feuchtsalz-Technologie sollte konsequent eingesetzt werden[19]

Was kann ich bei Schnee und Glätte tun?

  • Am besten befreist du den Gehweg möglichst schnell mit Schippe und Besen vom Schnee. Je länger man wartet, desto eher ist der Schnee festgetreten und es bilden sich Vereisungen. Zeitnahes Schneeschippen macht den Einsatz von zusätzlichen Streumitteln meist überflüssig. 
  • Nach der Schneeräumung verbliebene Glätte sollte Streumittel verwendet werden, wie z.B. Sand, Splitt oder Granulat.[20] Nachhaltiger und geldsparender ist es, wenn du das Streugut nach der Winterzeit zusammenkehrst und für die nächste Saison wiederverwendest. Daneben kannst du auch Tannenzweige, Holzspäne und Sägemehl verwenden.
  • Verwende ausschließlich Streumittelmittel aus salzfreien, abstumpfenden Streumitteln und achte beim Einkauf auf das Siegel mit dem Blauen Engel, diese können eine umweltfreundliche und sichere Alternative sein.[21]


Quellenangaben


Anita

Anita (Jahrgang 1989) lebt mit ihrer Familie in Holtwick. Neben dem manchmal fordernden Alltag mit drei kleinen Kinder setzt sie sich für ökologische und soziale Werte ein. Besonders die Themen Nachhaltigkeit und Schutz von Mensch und Tier findet die gelernte Sozialpädagogin spannend. Anitas Meinung: "Ja es stimmt, einer allein kann die Welt nicht retten! Aber alles braucht einen Anfang. Natur, Mensch und Tier sind miteinander verbunden. Daher kann auch jede:r von uns etwas beitragen. Die Verantwortung liegt darin, den eigenen Wirkungsbereich nach eigenen Möglichkeiten positiv zu beeinflussen!"

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Eine Antwort

  1. Annette sagt:

    Hallo Susanne, nach unserem Gespräch im Cafe Central habe ich mir vorgenommen, regelmäßig Eure Beiträge zu lesen. So wie heute, Prima und danke, daß Ihr uns das Wissen so bequem vorlegt! Einen schönen Adventssonntag im Kreise der Familie wünscht Annette Tüshaus

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