Zoonosen: Was hat Corona mit effektivem Klimaschutz zu tun?

Da taucht es nun auch in unserem Blog auf – dieses kleine Wort mit C, was so viele gerade verzweifeln lässt. Sind wir nicht alle coronamüde? 
Allerdings müssen wir dieses Thema angehen – denn es hat so unglaublich viel mit unserem dringend benötigten Klimaschutz zu tun!


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Die Zerstörung von Ökosystemen mit der daraus resultierenden Verringerung der Artenvielfalt trägt nämlich direkt zur Entstehung neuer Infektionskrankheiten, wie COVID-19, bei. Laut dem Ärzteblatt stammen rund 70 Prozent der menschlichen Infektionserreger ursprünglich aus dem Tierreich, darunter HIV, Ebola, Vogelgrippe, MERS und SARS. Den Ursprung von SARS-CoV-2 vermutet man auf einem Markt in Wuhan (China), auf dem Wildtiere gehandelt wurden. Mittlerweile hat die chinesische Regierung nationale Wildtiermärkte verboten.

Ebola, Zika oder auch Dengue – die Zoonosen aus der Tierwelt

Ein ganz konkretes Beispiel, so sagt Eberhard Brandes (Vorstand beim WWF Deutschland), ist neben COVID-19 das Ebolavirus. Hier hat der Mensch massiv in den Lebensraum der Wildtiere eingegriffen, ihn vernichtet, indem er Plantagen angelegt hat oder Massentierhaltung betreibt. Deshalb gelingt es Erregern, die normalerweise in abgeschlossenen Ökosystemen leben, dort auf den Menschen oder auf das Nutztier überzuspringen und somit größere Infektionsketten zu initiieren.

Dies nennt man im Fachjargon Zoonosen: Krankheitserregern, die von Wild- und Haustieren auf Menschen überspringen. Gerade in den letzten Wochen sind wieder neue Fälle vom Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo aufgetreten. Das Zika-Virus etwa ist auf den Zika-Wald in Uganda zurückzuführen. Auch Dengue, Chikungunya oder Gelbfieber kamen wahrscheinlich aus den Wäldern zu uns. Die Abholzung von vier Prozent eines Waldes ging mit einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle beim Menschen einher. Die zeigt eine brasilianische Studie aus dem Jahre 2010.Ähnliches wurde in Afrika beobachtet: Durch den Bau von Staudämmen nahm die Population wandernder Süßwassershrimps ab. Das führte dazu, dass sich die Beutetiere der Shrimps, bestimmte Schneckenarten, vermehrten. Die Schnecken wiederum sind Zwischenwirt des Bilharziose-Erregers. In der Folge kam es zu einer Zunahme der Erkrankung beim Menschen. 

Die vorausgesagte Krise

Doch zur bitteren Wahrheit gehört auch: Das ist eine Krise mit Ansage. Seit Jahren warnen Mediziner wie Umweltschützer, dass durch massive Naturzerstörung und den illegalen Wildtierhandel nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr ist. Auch eine neue WWF-Analyse mit dem Titel „THE LOSS OF NATURE AND RISE OF PANDEMICS“ warnt vor wachsenden globalen Gesundheitsrisiken aufgrund von Umweltzerstörung. So nimmt laut dem Papier die Gefahr weiterer Zoonosen zu. Ausbrüche anderer Infektionskrankheiten, wie etwa Malaria, stehen zudem im direkten Zusammenhang mit Waldrodungen. Im schlimmsten Fall sei COVID-19 nur ein Vorgeschmack drauf, was uns drohen könnte, so die Warnung des WWF.

„Wir holzen die Bäume ab, wir töten Tiere oder sperren sie in Käfige und verkaufen sie auf Märkten. Wir zerstören Ökosysteme und wir schütteln die Viren von ihren natürlichen Wirten ab. Wenn das geschieht, brauchen sie einen neuen Wirt. Oft sind wir es.“

— David Quammen, Bestseller-Autor

Damit steht Quammen nicht alleine da. Eberhard Brandse sagt: „Eine intakte Natur ist ein Bollwerk gegen neue Krankheitserreger und Pandemien und muss endlich als entscheidender Schlüsselfaktor für unsere Gesundheit wahrgenommen werden. COVID-19 ist eine globale Gesundheitskrise, verbunden mit dramatischen Einschnitten in unserem Alltagsleben.“

Auch Ursula von der Leyen (Präsidentin der Europäischen Kommission) wurde im Februar 2020 in einem Zeit-Interview deutlich:

„Auch wenn der Kampf gegen diese Pandemie aktuell alles in den Schatten stellt, müssen wir uns parallel der größten ökologischen Krise dahinter stellen.“

Ursula von der Leyen (Präsidentin der Europäischen Kommission)

Der Artenreichtum ist im Grunde nämlich eine gigantische Bibliothek voller Lösungen für biologische Probleme, von der natürlichen Selektion und Evolution eingehend getestet., so sagt es Thomas E. Lovejoy in der National Geographic. Die eigenwillige Biologie der Fledermäuse – die gegen das Coronavirus im übrigen immun sind – könnte beispielsweise zur Entwicklung einer Behandlung für COVID-19 beitragen.

“Die Lektion aus der Pandemie ist nicht, dass die Menschheit nun Angst vor der Natur haben soll. Sie muss sie erneuern, annehmen und begreifen, wie sie mit ihr leben und von ihr profitieren kann.”

Thomas E. Lovejoy, Biodiversitätsforscher und Naturschützer

Wir können die Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs kaum erwarten und die Menschheit respektiert bereits die Bibliotheken, die sie mit ihren eigenen Werken gefüllt haben. Warum begegnen wir nicht der lebenden Bibliothek der Natur mit demselben Respekt und derselben Fürsorge? 

Und JETZT?

Ein weiser Weg in die Zukunft sähe vor, in den Naturschutz und die Wissenschaft zu investieren und die Vielfalt des Lebens zu schätzen, mit dem wir diesen Planeten teilen. 
Eine gesunde Zukunft für die Menschheit und ein gesunder, artenreicher Planet gehen Hand in Hand. Die Gesundheit von Menschen, Wildtieren und Umwelt muss konsequent zusammen gedacht werden. Ein „Weiter so“ darf es nach der Covid-19-Krise nicht geben. Die Zusammenhänge zwischen gesunden, vielfältigen Lebensräumen einerseits und der menschlichen Gesundheit andererseits müssen bei der globalen Gesundheitsvorsorge in den Fokus gestellt werden – damit wir Weihnachten in den kommenden Jahren wieder so feiern können, wie wir alle es gerne würden.


Unsere Quellen

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