Familie Eising, ist eine klimaneutrale Produktion auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aktuell möglich?

Seit ca. 25 Jahren betreibt Familie Eising einen mit dem „Naturland“-Siegel zertifizierten Hof in Rosendahl. Haupteinnahmequelle ist die Milchproduktion. In einer GbR angeschlossen halten sie ca. 110 Milchkühe auf dem Hof Barenbrügge. Die landwirtschaftliche Fläche von 40 Hektar wird vor allem zum Anbau für Getreide, Mais oder Kleegras genutzt und dient damit der eigenen Futtermittelherstellung. Auch für die Nachzucht der Milchkühe sorgt man auf dem Hof selbst. Für den Milchverkauf kooperieren die Landwirte mit der örtlichen Biomolkerei Söbbeke in Gronau-Epe.

Ist eine klimaneutrale Produktion auf eurem Hof möglich?

Generell ist es noch schwierig klimaneutral zu werden, vor allem die großen Landmaschinen benötigen viel Energie. Ein Beispiel für den hohen Energieverbrauch im ökologischen Landbau ist: an einem Tag Gras silieren werden 1000 Liter Diesel verbraucht. Es wird viermal im Jahr Gras siliert, dann kommt auch noch anderes Getreide, Bohnen und Unkraut hacken hinzu.

Wir besitzten auch Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen. Der Strom aus der Windenergie darf bisher allerdings nicht für den Eigenverbrauch genutzt werden und wird verkauft. Auf unserem Hof gibt es zudem eine Biogasanlage, hierbei wird möglichst jedes Produkt verwertet.  Aus den Stallabfällen kann z.B. Strom erzeugt werden und Dünger für die Felder.

Die Landwirtschaft wird in den Medien oftmals als Sündenbock einer fehlgeleiteten Agrarpolitik dargestellt. Vor allem trifft es konventionell arbeitende Landwirte. Was wünscht Ihr Euch von der Politik?

Kommunalpolitisch bestehen eher wenige Möglichkeiten. Natürlich könnte es mehr Begegnungspunkte zwischen Landwirtschaft und Konsumierenden geben. Auf Bundesebene wären vermehrt finanzielle Unterstützungen wünschenswert. Vor allem für Kleinbetriebe ist dies notwendig. Aber auch konventionelle Landwirte bemühen sich um nachhaltige Ansätze. Landwirte kämpfen jedoch dabei auch um ihre Zukunft. Es benötigt hohe Investitionen für Land, Maschinen und Ställe und damit gehen auch hohe Risiken einher. Nur mit finanzieller Unterstützung und Agrarsubventionen kann man effektiven Klimaschutz antreiben.

Spürt ihr bereits Folgen des Klimawandels?

Zeitweise Trockenheit gab es schon immer. Die drei Trockenjahre 2018, 2019, 2020 waren aber besonders stark. Vor Herausforderungen stellen uns dann geringere Erträge und finanzielle Verluste. Was die Anpassung an die Erderhitzung angeht, können Landwirte durch breitere Fruchtfolgen,das heißt durch mehrere unterschiedliche Kulturen, für resiliente Böden sorgen. Der Humus stellt eine besondere Rolle bei Bodenfruchtbarkeit und dem Klimaschutz dar.

Probleme gibt es auch mit Pilzen und Getreideausfall. Zwar sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sehr effektiv, aber auf einem „Naturland“-Hof wie unserem werden andere Maßnahmen ergriffen, wie die Nutzung und Förderung von Selbstregulationsmechanismen der Pflanze. Das geschieht durch geeignete mechanische Unkrautbekämpfung wie zum Beispiel striegeln und hacken.

Welche Probleme seht ihr vor allem in Hinblick auf Bodenwirtschaft und dem Klimawandel?

Jedem Erdenbürger stehen momentan 2500qm² für seine Versorgung zur Verfügung. Durch Wüstenausbreitung, Flächenversiegelung und Bevölkerungswachstum werden wir im Jahr 2050 lediglich 1500qm² zur Verfügung haben. Das wird für die landwirtschaftliche Versorgung zu Problemen führen. Ackerböden müssen daher nachhaltig genutzt werden.

Jeden Tag wird eine Fläche von rund 60 Hektar versiegelt und damit fruchtbarer Boden zerstört.

Humus hat ein riesiges Bindungspotential von CO₂, was erhalten und gefördert werden muss.

Die Versiegelung von Flächen ist dabei ein großes Problem, denn der natürliche Wasserkreislauf wird gestört: weniger Regenwasser versickert im Boden und versiegelte Flächen können nicht zur Kühlung der Luft beitragen, was wiederum zu einem Temperaturanstieg führt.

Zwischen billig und Bio – Landwirt:innen sind in einer Zwickmühle. Ein Umdenken ist aber auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Was kann jede:r Einzelne tun, um die Landwirtschaft besser zu unterstützen?

Bei tierischen Produkten sollte vor allem auf Regionalität Wert gelegt werden, die Nähe zum Erzeuger ist wichtig. Dabei ist die Milchtankstelle im besten Fall vorzuziehen. Auch können Konsumierende angebotene Begegnungspunkte nutzen, wie z.B. Wochenmärkte oder Hofbesichtigungen. Daneben ist es möglich, direkt beim Bauern ein Stück Fleisch zu bestellen. Wenn die Milchkühe nach 4-6 Jahren geschlachtet werden müssen, werden unsere Kühe bei einem bio- zertifizierten Metzger zerlegt und verkauft.

Aber auch beim Thema Flächenversiegelung hat jeder Wirkpotential. Hier könnte man  möglichst darauf achten, viele Freiflächen auf seinem Grundstück zu halten. Vielleicht ist an einigen Stellen auch eine Entsiegelung möglich, wie z.B. bei Schottergärten. Eine Dachbegrünung von Haus oder Garage ist eine weitere sinnvolle Maßnahme auch hinsichtlich der Erhaltung von Biodiversität.


Linktipp für interessierte Landwirte

  • Förderung von NABU für angehende Öko-Betriebe, um Umbaukosten zu decken und die Umstellungsphase zu überbrücken, in der sie bereits nach Biokriterien wirtschaften, aber noch keine Biopreise erzielen: www.NABU.de/GBgm

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