Welche Schuhgröße hat unser Wasserfußabdruck?

Wasserhahn auf. Hände einseifen und abspülen. Wasserhahn zu. Das macht 2-3 Liter täglich. Wie viel Wasser verbrauchen wir eigentlich so im Jahr und warum sollten wir und unbedingt über unseren Wasserverbrauch Gedanken machen?

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Neben dem Händewaschen, dem Duschen und der Toilettenspülung kommt die Geschirrspülmaschine und die Waschmaschine hinzu. Für viele alltägliche Dinge verwenden wir wertvolles Trinkwasser und das ganz selbstverständlich. In der Bilanz kommt der durchschnittliche Wasserverbrauch einer Person laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf 128 Liter (im internationalen Vergleich) pro Tag. Dieser Wert stellt jedoch lediglich den direkten Wasserverbrauch dar! Deswegen auch unbedingt weiterlesen…

Was ist ein Wasserfußabdruck?

Der Begriff Wasserfußabdruck definiert ein Instrument zur Messung von direkten und indirekten Wasserverbrauch. Eine direkte Wasserentnahmen ist die sichtbare Wassernutzung z.B. beim Trinken, Kochen und Putzen. Der Wasserfußabdruck kalkuliert zu dem direkten Verbrauch auch noch das indirekte bzw. virtuelle Wasser mit ein, das bei der Produktion von Waren und Lebensmitteln eingesetzt, verdunstet oder verschmutzt wird. Somit ist der Wasserfußabdruck ein Indikator für die Ressource “Süßwasser“.

Ist Wasser endlich? 

Wasser ist keine endliche Ressource wie Erdöl und Erdgas, was irgendwann „verbraucht“ werden kann. Das Wasser wird genutzt und gelangt danach in den Kreislauf aus Niederschlag und Verdunstung. Trotzdem gibt es mehrere Probleme:

  1. Verteilung: Trinkwasser ist global ungleich verteilt. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen direkten Zugang zu Wasser. Damit hat mehr als 1/7 der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser! Aufgrund fehlender Wasserversorgung sterben über 2 Millionen Menschen – vor allem Kinder unter 5 Jahren.
  2. Steigender Wasserverbrauch: „Der weltweite Wasserverbrauch hat sich im Verlauf der vergangenen 100 Jahre versechsfacht“ (UNESCO) Der Wasserverbrauch durch Bevölkerungswachstum, wirtschaftlicher Entwicklung und steigendem Konsum nimmt nämlich pro Jahr um 1% zu. Das bedeutet mehr Menschen und mehr Konsum bei unveränderter Wassermenge.
  3. Verdunstung: Mit steigenden Temperaturen – bedingt durch den Klimawandel – verdunstet viel mehr Wasser. Vielerorts wird die Verfügbarkeit von Wasser sich jahreszeitlich verändern und auch zu Extremwettersituationen führen.
  4. Fehlende Selbstreinigung: Die Gefahr von höheren Wassertemperaturen führt dazu, dass Süßwassergewässer sich nicht mehr selbst reinigen können. Krankheitserreger aufgrund von Überschwemmungen oder Schadstoffkonzentrationen während längerer Trockenzeiten werden begünstigt.

“Wasser ist die wichtigste Grundlage für das Leben auf diesem Planeten. Beim Wasser hängt alles mit allem zusammen.“

Svenja Schulze (Bundesumweltministerin)

Wie sieht es für Deutschland aus?

In Deutschland gibt es regionale und saisonale Unterschiede. So ist der Niederschlag in Teilen von Deutschland sehr ungleich verteilt. Generell herrscht vorerst kein Wasserstress. Doch als Produzent:innen und Verbraucher:innen von Lebensmitteln und Konsumgütern aus dem Ausland, nutzen wir indirektes Wasser.

Wir leben auf Kosten anderer Länder und tragen zur Verschmutzung und Wassermangel in fremden Regionen bei. (Leseempfehlung: globaler Süden)

Hier findet der Wasserfußabdruck seine Bedeutung. Dieser macht versteckten Wasserhandel zu Lasten wasserarmer Länder deutlich. Vor allem geht es um eine internationale Verantwortung, für Regionen in denen eine intensive Wasserübernutzung erst durch Export von Produkten zu negativen ökologischen und sozialen Folgen führt.

„Mehr als die Hälfte des Wassers, für die von uns benötigten Produkte und Güter, stammt nicht aus Deutschland selbst.“

Umweltbundesamt
Quelle: Statista

Was heißt Wasserstress?  

Der Begriff Wasserstress bezeichnet eine übermäßige Wasserentnahme von über 20% des Wasserdargebots (zur Verfügung stehendes Süßwasser). Deutschland liegt bei einem Index von 12 %. Wasserstress mit steigendem Wert, steht für ein steigendes Risiko für Umweltprobleme und wirtschaftliche Schwierigkeiten. So können z.B. Grundwässer in Küstennähe durch eindringendes Meerwasser versalzen oder sinkende Grundwasserstände austrocknen und verloren gehen.

Was hat den größten Anteil bei unserem Wasserfußabdruck?

Das, was wir nicht sehen, hat den größten Anteil! Die Haushalte – also unser sichtbarer Wasserverbrauch- liegt bei 3% vom Anteil des Wasserfußabdrucks in Deutschland. Die Industrie belegt den zweiten Platz mit 23%.

Den ersten Platz und damit den größten Wasserverbrauch stellt die Landwirtschaft mit 74 % dar. Vor allem die tierischen Produkte wirken sich stark auf unseren Wasserverbrauch aus.

„Hinter einem Kilogramm Rindfleisch verbergen sich bei intensiver Haltung sage und schreibe 15.500 Liter virtuelles Wasser.“

WWF

Und JETZT?

Wasser betrifft die Welt in ihrer Gesamtheit. Nach dem Weltwasserbericht gibt es zwei Lösungen:

  1. Anpassung der Wassernutzung an den Klimawandel: Unnötiger Wasserverbrauch und Wasserverluste müssen gesenkt werden! Unter anderem führt das auch zu geringerem Energieverbrauch und weniger Emissionen.
  2. Klimaschutz durch nachhaltiges Wassermanagement: Wasser muss als Teil der Lösung der Klimakrise gesehen werden. Durch die Energiegewinnung von Abwasseraufbereitung wird bereits heute in wasserarmen Regionen viele Tonnen Co2 eingespart und Energie wird günstiger. Daneben stellt ein wesentlichen Beitrag die Wiederherstellung und der Erhalt von Feuchtgebieten dar. Diese sogenannten Land-Ökosysteme speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie Wälder.

Um die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen müssen Wasserschutz und Klimaschutz miteinander verbunden und in staatlicher Verantwortung betrachtet werden.

Jeder Tropfen muss intensiver genutzt werden

In einem Liter Milch versteckt sich 1000 Liter indirektes Wasser.  Eine Jeans benötigt 10.000 Liter Wasser für die Produktion der Baumwolle und zur Herstellung der Jeans.

Also, schau auch mal auf deine Füße! Denn den eigenen Wasserfußabdruck zu minimieren macht definitiv Sinn. Ob beim direkten Wasserverbrauch im Haushalt oder beim indirekten Verbrauch durch den eigenen Konsum.

„Wer den ärmsten Weltregionen helfen will, kann seinen eigenen Wasserverbrauch reduzieren und damit gegen Unterernährung und Sterbefälle aufgrund von Wassermangel beitragen.“

Coesfeld for Future

Und zum Schluss…

Also welche Schuhgröße haben deine Füße? Meine sind definitiv zu groß! https://wfd.de/wasserampel/ oder Personal water footprint calculator

Schreib uns gern in die Kommentare (-:


Quellenangaben:

Weltwasserbericht der Vereinten Nationen 2020. Wasser und Klimawandel. United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO)

Co2online. Klimaschutz der wirkt: https://www.co2online.de/energie-sparen/heizenergie-sparen/warmwasser/wasserverbrauch-singlehaushalt/

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: https://www.bmu.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/trinkwasser

Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasser-bewirtschaften/wasserfussabdruck

Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/daten/wasser/wasserressourcen-ihre-nutzung#wasserreiches-deutschland

Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-nutzung-der-wasserressourcen#welche-bedeutung-hat-der-indikator

Naturefund: https://www.naturefund.de/wissen/atlas_des_wissens/atlas_des_klimas/ursachen/sauberes_wasser

Klimafasten: https://www.klimafasten.de/wochenthemen-2021/1_Wasserfussabdruck

WWF: https://www.wwf.de/themen-projekte/fluesse-seen/wasserverbrauch/wasser-fussabdruck


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