Die Biene: Viel mehr als schnöder Honiglieferant

Bereits Albert Einstein sagte: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr“. Ein Grund mehr, dass wir die Biene in den Fokus rücken. Warum ist sie so wichtig und warum ist Honig für Veganer:innen tabu?

Deswegen müssen wir darüber sprechen

Seit über 10 Jahren findet fast weltweit ein großes Bienensterben statt, dessen Grund bisher nicht sicher geklärt ist. Komplette Bienenvölker sterben und die Bienenbestände gehen weltweit deutlich zurück. Dies betrifft Honigbienen und Wildbienen gleichermaßen. Die Zahl der Imker:innen und auch derer Bienen in Deutschland steigt zwar, jedoch nimmt die Zahl der Wildbienen ab.

Aus ökologischen- und aus Tierschutzgründen entscheiden sich vor allem Veganer:innen dafür, keinen Honig zu verzehren. Honig ist ein von Tieren hergestelltes Erzeugnis. Genau wie bei Rind, Schwein und Huhn, also Nutztieren, greift der Mensch in die natürliche Entwicklung und Lebensform der Bienen ein und genau wie bei anderen Nutztieren können daraus Probleme entstehen. Beim Konsum tierischer Produkte sollte man immer bedenken, dass dahinter ein Lebewesen steckt, dass bestmöglich behandelt werden sollte. Viele Veganer:innen verzichten darum auf Honig und auch auf Bienenwachs.

Zumindest in Deutschland wird zumindestens ein Großteil der Bienenhaltung auf schonende Weise von Hobbyimker:innen betrieben und „Massenhaltung“, wie es in anderen Ländern verbreitet ist, ist hierzulande sehr selten. Honig ist in Deutschland ein streng kontrolliertes Lebensmittel, das hohe Qualitätsansprüche erfüllen muss.[1]

Warum sind Bienen so wichtig?

Etwa drei Viertel unserer Kulturpflanzen werden von Bienen und anderen Insekten bestäubt.

Rund ein Drittel unserer Nahrungspflanzen würde ohne Bestäubung deutlich weniger oder gar keine Nahrungsmittel mehr produzieren. „Rund 85 Prozent der Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland hängen von der Bestäubung der Honigbienen ab“, bestätigt das Umweltbundesamt. Mit anderen Worten: Unsere Ernährung hängt zu einem guten Teil von den Bienen ab.

Wie viele Wildbienen sterben, ist kaum messbar. Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut der „Roten Liste“ 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet und 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste, beklagt der BUND. Die Gründe sind noch nicht vollständig geklärt, aber fest steht:

  • Eine bedeutende Rolle sollen Parasiten, wie z.B. die Varroamilbe, spielen.
  • Bestimmte Pestizide sind für Bienen gefährlich.
  • Landwirtschaftliche Monokulturen verändern natürliche Ökosysteme und schränken den Lebensraum und die Nahrungsvielfalt und den Zeitraum für die Nahrungssuche von Bienen stark ein. Das betrifft Honigbienen und Wildbienen gleichsam.
  • Vor allem Wildbienen leiden unter dem Verlust von Nistmöglichkeiten, weil große Teile der Landschaft zunehmend versiegelt werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer Honigbiene und der Wildbiene?

Wildbienen sind die wilden Verwandten der „Honigbienen“ aus der Massenzucht. Sie bestäuben erfolgreicher und sind weniger anfällig für Krankheiten. Jedoch „produzieren“ sie auch viel weniger Honig und sind für die Imker:innen deshalb uninteressant.

Wie wird Honig hergestellt?

Pflanzen locken mit ihrem Nektar Insekten, wie die Biene, an. Das tun sie, weil die Pflanze auf die Bestäubungsleistung der Insekten angewiesen ist. Und im Gegenzug brauchen die Bienen den Nektar, denn sie gewinnen aus ihm den Honig, den sie als auch Futtervorrat für den Winter anlegen und der das Überleben des Volkes sichert. Dieser Honig heißt Blütenhonig. Abhängig von den Pflanzenarten, von denen die Bienen sammeln, hat der Honig andere Eigenschaften.

Die Biene saugt den Nektar oder Honigtau mit dem Rüssel auf. Über die Speiseröhre gelangt der süße Saft in die Honigblase der Biene. Im Bienenstock liefert sie den Blaseninhalt an die Stockbienen ab, die wiederum den Inhalt weitergeben. Jedes Mal wird dabei der zuckerhaltige Saft aufgesaugt und wieder abgegeben. Dabei reichert sich der Nektar mit Enzymen, Proteinen, Säuren und anderen Stoffen der Bienen an und dickt ein. Dies geschieht, da er wegen des hohen Wasseranteils sonst gären würde. Somit wird der Wassergehalt reduziert, indem die Biene einen Nektartropfen über den Rüssel mehrfach herauslässt und wieder aufsaugt.

Sobald der Wassergehalt bei 30-40 % liegt, wird der verdickte Nektar in leere Wabenzellen gegeben. Hier verliert er noch mehr Wasser. Die Bienen transportieren den Honig nun in Lagerzellen über dem Brutnest und überziehen ihn mit einem luftundurchlässigen Wachsdeckel. Dieser Vorgang wird von Imker:innen als „Verdeckeln“ bezeichnet.

Wenn der Honig reif ist, also der Wassergehalt niedrig genug ist, ernten die Imker:innen den Honig. Laut dem Deutschem Imkerbund sind 18% der obere Grenzwert. [2]

Warum ist es schlecht für Bienen, wenn wir ihren Honig essen?

Bienen produzieren ihren Honig nicht für den Menschen. Vielmehr dient Honig den Bienen als Nahrungsmittel. Der aus Nektar und einem kleinen Teil Pollen hergestellte Honig enthält Nährstoffe, die vor allem in den kalten Wintermonaten überlebenswichtig für die Bienen sind. Daher dient Honig den Bienen als Schutz vor einem möglichen Befall durch verschiedene Milbenarten und anderen Krankheiten, die unter anderem für das Bienensterben verantwortlich sind. Die von den meisten Honigproduzenten bereitgestellte künstliche Ersatznahrung (zumeist billiges Zuckerwasser), kann die Tiere jedoch anfälliger für Krankheiten machen.

Damit der Imker dien Honig aus dem Bienenstock entnehmen kann, „räuchert“ er sie ein. Der Rauch suggeriert den Bienen einen Waldbrand, und als natürliche Reaktion auf diese vermeintliche Gefahr nehmen sie möglichst viel Honig auf, um sich mit ausreichend Proviant ausgestattet ein neues Zuhause zu suchen. Die Insekten verkriechen sich also voller Panik und sind mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt, während der Mensch den Honig entnimmt. In dieser Zeit sind die Bienchen beschäftigt und ihre „Stechlust“ ist vorübergehend gesenkt.[3]

Da die Honigproduktion profitabel sein muss, kann der Umgang beim Einsammeln des Honigs unachtsam sein. So können Bienen zerquetscht, die Flügel beschädigt oder ihre Beine abgetrennt werden. Außerdem verhindern viele konventionelle Honigproduzent:innen bewusst das „Ausschwärmen“. Der Grund: Der natürliche Prozess des Schwärmens könnte zu einer geringeren Honigproduktion führen und den Profit der Imker:innen schmälern. In der konventionellen Zucht werden Bienenköniginnen künstlich befruchtet.

Ist Honig eigentlich gesund?

Honig besteht aus hauptsächlich aus Zucker und Wasser.Dabei haben 100 g Honig rund 300 Kalorien, somit etwas weniger als Haushaltszucker (100 g = 400 Kcal). Dies liegt daran, dass Zucker kein Wasser enthält und konzentrierter ist. Die Kohlenhydrate teilen sich in etwa 40 % Fructose (Fruchtzucker) und etwa 30 % Glucose (Traubenzucker) auf. Diese beiden Einfachzucker sind auch im normalen Haushaltszucker.

Im Vergleich zu Zucker allerdings enthält Honig mehr Vitamine und Mineralstoffe: Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Eisen. Seinen Bedarf an diesen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen lassen sich allerdings nicht durch normalen Honigkonsum decken.

Ich kann nicht auf Honig verzichten. Welchen Honig soll ich kaufen?

Jede:r Deutsche isst statistisch gesehen 1 kg Honig pro Jahr. Aber nur 20 % davon kommen aus Deutschland. Deutsche Imker:innen können diese Nachfrage nicht bedienen.

Deshalb werden 80 % der Honigsorten, die hier in den Supermarktregalen stehen, laut dem Deutschem Imkerbund, aus dem Ausland importiert. Der Großteil kommt aus Lateinamerika oder China. Dort wird der Honig günstig produziert und bei uns billig verkauft. Die Produktionsbedingungen entsprechen dabei nicht immer den hohen EU-Standards und die langen Transportwege schaden der Umwelt.

Beim Einkauf gilt:

  • regionaler Honig: Hierbei unterstützt du nicht nur regionale Imker:innen, sondern gleichzeitig ist die Klimabilanz besser. Achte einfach auf die Bezeichnung „Echter Deutscher Honig“. Imker:innen in deiner Nähe findest du z.B. unter www.heimathonig.de. Oft ist auch auf dem Wochenmarkt ein:e Imker:in vertreten. In Coesfeld z.B. freitags auf dem Marktplatz.
  • Bio-Honig: Bienenstöcke von Bio-Imker:innen müssen so aufgestellt werden, dass im Umkreis von drei Kilometern überwiegend ökologische Kulturpflanzen oder wildwachsende Pflanzen blühen. Die Bio-Standards bei Honig betreffen auch die Rahmenbedingungen: Die Bienenkästen müssen aus natürlichen Rohstoffen gefertigt sein. Angestrichen werden dürfen sie nur mit schadstofffreier Farbe. Das Winterfutter besteht hauptsächlich aus Honig und Pollen und nur in Ausnahmefällen aus Bio-Zuckersirup. Der Einsatz von chemischen Bienen-Medikamenten ist verboten.Für Bio-Honig gelten dieselben Qualitätsstandards wie bei „Echtem Deutschen Honig“. Bio-Honig ist meist ein bisschen teurer und am EU-Bio-Siegel zu erkennen.
  • Fairtrade-Honig: Da der Großteil des importierten Honigs aus Entwicklungsländern kommt, macht es Sinn, auf die Fairtrade-Zertifizierung zu achten. Er wird in den Entwicklungsländern ausschließlich von Kleinbauern produziert. Für sie ist der Honig ein wichtiges Nebenprodukt. Fairtrade garantiert ihnen Mindestpreise, die ihnen helfen, ihre nachhaltige Produktion aufrecht zu erhalten und die Produktionskosten zu decken. Sie profitieren durch die Fairtrade-Zertifizierung von langfristigen Verträgen und bekommen zusätzliche Prämien für Gemeinschaftsprojekte. Allerdings: der lange Transportweg mit dem Schiff schadet der Klimabilanz des Honigs.
  • Du hast Lust und Zeit selbst zu imkern? Die sogenannte BienenBox von Stadtbienen.org soll es ermöglichen, sogar auf dem Balkon Bienen zu halten. Allerdings sollte man vorher unbedingt einen Imkerkurs besuchen und bereit sein, Zeit und Geld zu investieren.

Bienenwachs

Weil Honigbienen stets neue Waben bauen, bleibt am Ende einer Imkersaison eine große Menge Bienenwachs als Abfallprodukt zurück. Bienenwachs ist vielen Menschen oftmals nur als Kerze ein Begriff. Es wird aber auch im Haushalt, für selbst gemachte Kosmetik und zu Heilzwecken verwendet.[4]

In der Industrie wird Bienenwachs oft als Überzugsmittel in der Süßwarenindustrie genutzt. Es verbirgt sich hinter der E-Nummer 901 (Bienenwachs, weiß und gelb). Gummibärchen, Weingummis, Lakritz und Zuckerstreusel werden mit Bienenwachs ummantelt, damit sie nicht aneinanderkleben.  Auch in Kosmetika (Lippenpflegestift, Handcreme etc.) wird es oft eingesetzt. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich.

Und JETZT?

Was kann ich persönlich für den Bienenschutz tun?

Hier noch mehr Tipps, damit du in Zukunft mehr darauf achten kannst:

  • Lebensmittel, die aus herkömmlichem Anbau stammen, werden auf den Feldern meistens mit Pestiziden behandelt. Einige der Pflanzenschutzmittel töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen. Darum macht es Sinn Bio-Produkte zu kaufen: Die ökologische Landwirtschaft kommt nämlich ohne chemisch-synthetische Pestizide aus.
  • Spritzmittel im Garten und auf dem Balkon vermeiden und die Pflanzen auf natürliche Art schützen: Unkraut jäten, Schädlinge absammeln, Nützlinge pflanzen, natürliche Pflanzenschutzmittel verwenden.
  • Reine Rasenfläche bietet für Bienen keinen Lebensraum und keine Nahrung. Besser: heimische Wildblumen wachsen lassen, Sträucher und Hecken stehen lassen und wilde Ecken sich selbst überlassen.
  • Wildbienen durch Insektenhotels einen artgerechten Unterschlupf bieten.
  • Wenn Honig gekauft werden muss, heimische Imker:innen unterstützen, die sich wiederum um ihre Bienen kümmern.

Vegane Honigalternativen

Lasst euch nicht davon irritieren, dass einige Alternativen in Plastikflaschen sind. Diese sind, zumindest bei den gängigen Bio-Marken, zu 100 % aus recyceltem Plastik.

Honigalternativen
  • Zuckerrübensirup (münsterländisch: Rübenkraut). Ist eine regionale Honigalternative aus eingedicktem Zuckerrübensaft.
  • Agavendicksaft. Vielseitig einsetzbar, aber leider vorwiegend aus Lateinamerika importiert, weil Agaven ein heißes, trockenes Klima benötigen. Zur Herstellung von Agavendicksaft wird hier der Saft mexikanischer Agaven abgezapft und zu Sirup eingekocht. Je dunkler seine Farbe, desto intensiver sein Karamellaroma.
  • Apfel- oder Birnendicksaft. Eigentlich das gleiche wie Rübenkraut – nur aus Äpfeln oder Birnen
  • Ahornsirup. Vielseitig einsetzbar, aber leider oft aus Kanada importiert (d.h. lange Transportwege). Um Ahornsirup zu gewinnen, werden die Stämme des Zuckerahorns angeritzt und der so gewonnene Saft durch Erhitzen eingedickt. Aus etwa 40 Liter Saft entsteht nur ein Liter Sirup, der hauptsächlich Saccharose und Fruktose enthält. Je heller der Sirup, desto besser ist seine Qualität.
  • Löwenzahnhonig. Löwenzahnhonig wird aus Löwenzahnblüten, Wasser, Zucker und Zitronensaft hergestellt und ist somit tatsächlich auch eine regionale Alternative. Du hast viel Löwenzahn am Wegesrand entdeckt? Dann probiere mal dieses Rezept aus.
  • Trockenfrüchte wie Datteln, Rosinen oder Aprikosen verwenden. In Wasser eingeweicht und anschließend püriert, können Trockenfrüchte ein Honigersatz sein.
  • vegane Honigersatzprodukte (z.B. Wonig von Vegablum oder Ohnig von Veganz)

Wodurch kann man Bienenwachs ersetzen?

Es gibt verschiedene rein pflanzliche Wachse, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und je nach Produkt für unterschiedliche Zwecke verwendet werden können:

  • Carnaubawachs: Aus der Carnaubapalme gewonnen. Das härteste pflanzliche Wachs. Es wird vor allem für kosmetische und medizinische Zwecke und im Lebensmittelbereich verwendet.
  • Sojawachs: wird häufig für Kerzen verwendet. Längere Brenndauer und verbrennt rußfrei.
  • Rapswachs: ist Bienenwachs sehr ähnlich, lässt sich gut zu Rapswachstüchern verarbeiten
  • Sonnenblumenwachs: für Kosmetika und Haarpflege gut geeignet
  • Beerenwachs: gelartig, deshalb für Kosmetik und Salben gut geeignet
  • Candelillawachs: meist als Lebensmittelzusatz und für kosmetische Zwecke verwendet [5]

Das Rezept

Hast du Lust bekommen, eine Honigalternative auszuprobieren?

Dann teste mein neues Rezept. Es gibt einen leckeren saisonalen Salat mit einem frischen „Honig“-Senf-Dressing!

Viel Spaß beim Ausprobieren!


Quellenangaben


[1] https://utopia.de/ratgeber/bienensterben-kann-ich-dafuer/

[2] https://honig-und-bienen.de/so-entsteht-honig/

[3] https://www.peta.de/themen/honig/

[4]  https://www.smarticular.net/bienenwachs-rezepte-verwendung-verarbeitung-haushalt-kosmetik/

[5] https://www.smarticular.net/bienenwachs-vegane-alternativen-carnaubawachs-sojawachs/

Stefanie

Stefanie (Jahrgang 1984) ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern im Grundschulalter. Als gelernte Diätassistentin, die derzeit in einem Seniorenstift tätig ist, liegt ihr das Thema Ernährung sehr am Herzen. Sie ernährt sich und ihre Familie seit 2010 vegan. Steffis Meinung: In der Rubrik „Coesfeld kocht fürs Klima“ möchte ich euch näher bringen, wie einfach es ist, Klimaschutz auf den Teller zu bringen und wie man klimafreundliche Ernährung stressfrei ins tägliche (Familien-)Leben integriert.

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