Lebensmittelverschwendung und was wir dagegen tun können

„Okay – was kann ich mit 6 Steckrüben oder 5 Blumenkohl anfangen?“ Eine von vielen Fragen, die sich Lisa (28) aus Coesfeld nachts auf Supermarktparkplätzen stellt. Es ist 24 Uhr, es regnet leicht und vor ihr steht ein Container, der zu 70 % mit essbaren Lebensmitteln gefüllt ist. Einige der Obst,- oder Gemüsesorten haben leichte Dellen, aus dem Orangennetz guckt eine schimmelige raus, aber alles in allem ist die Qualität der Lebensmittel gut bis „hätte ich auch im Supermarkt gekauft“.  


Lisa heißt eigentlich gar nicht Lisa. Die Coesfelderin möchte namentlich nicht genannt werden. Denn Containern ist in Deutschland illegal.

Die juristische Grundlage

Laut dem Juraforum können sich Bürger:innen, die Lebensmittel aus dem Mülleimer fischen, wegen Diebstahls gem. § 242 StGB strafbar machen:

„Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

§ 242 Strafgesetzbuch
Lisas Einkaufskorb nach dem Containern

Die Lebensmittel würden, laut dem Forum, eben nicht an der Straße zum Abholen stehen, sondern auf dem Grundstück des Marktes lagern. 5 Jahre Freiheitsstrafe wegen des Diebstahls einer Banane, die immer noch genießbar ist. Fern ab von Supermarktparkplätzen landen ein Drittel der Lebensmittel im Müll. In Deutschland entstehen insgesamt 12 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle. 52% der Abfälle entstehen in privaten Haushalten. Grund dafür sind meistens das abgelaufene Haltbarkeitsdatum. Am Häufigsten landet Obst und Gemüse im Müll. Gefolgt von Zubereitetem, Brot und Backwaren, Getränken und Milchprodukten.

Warum ist das Wegwerfen von Lebensmitteln ein Problem?

Die Folgen von Lebensmittelverschwendung reichen von ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten bis zu sozialen bzw. ethischen Problemen:

  1. Ein Umweltproblem. Hinter der Verschwendung von Nahrungsmitteln steht auch der Verlust von Wasser, Energie, Vitaminen und Mineralien im Boden, Arbeitsstunden, Düngemittel und Anbaufläche. Weltweit sind Lebensmittelabfälle für 240 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen verantwortlich.
  2. Ein wirtschaftliches Problem. Lebensmittelverlust verursacht weltweit einen wirtschaftlichen Verlust von jährlich 940 Milliarden Dollar.
  3. Ein soziales/ ethisches Problem. Jedes Jahr sterben 3 Millionen Kinder an Unterernährung, während bei uns ein Drittel der Lebensmittel im Müll landet. Dabei wird ein Großteil unserer Lebensmittel in Entwicklungsländern hergestellt bei denen Arbeitskräfte und Ressourcen wie Wasser und Fläche verschwendet werden.

Was muss passieren?

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen an eine mögliche Lösung. Zum einen braucht es dringend eine politische Lösung, die das Wegschmeißen von Lebensmitteln verhindert! Diese wurde von anderen Ländern bereits gefunden. So werden in Frankreich beispielsweise Supermärkte bestraft, wenn sie Essen in Container werfen. Nicht andersherum.  Seit vier Jahren gilt hier ein Gesetz, welches Supermärkte mit einer Ladenfläche von mehr als 400m dazu verpflichtet, Lebensmittel selbst weiterzuverwenden oder zu spenden.

Aber bereits JETZT können auch in Deutschland Veränderungen herbeigeführt werden:

  1. In Supermärkten, die abgelaufene oder angeschlagene Lebensmittel verschenken oder reduzieren könnten. 
  2. In der Stadt. Hier könnte man Foodsharing Punkte oder Fairteiler einrichten, bei denen alle Bürger:innen Lebensmittel hinbringen und gratis mitnehmen können. 
  3. In jedem Haushalt. Grundsätzlich müssen Optimierungsmöglichkeiten allerdings im eigenen Verhalten beginnen, da die Hälfte aller Lebensmittel in privaten Haushalten weggeschmissen werden. Mindesthaltbarkeitsdaten geben nur eine grobe Richtlinien, genaues Planen beim Einkaufen und das richtige Lagern kann weiterhin gegen die Verschwendung helfen. 

Schaut man sich das Problem der Lebensmittelverschwendung und die Lösungen dazu auf kommunaler Ebene an, hat die Stadt Coesfeld die Tafel. Die Tafeln laufen in Deutschland als private gemeinnützige Hilfsorganisation. „Aufgabe der Coesfelder Tafel ist es, qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, an Menschen in Not zu verteilen.“ heißt es hier.

Und JETZT?

Die WeltHungerhilfe gibt dir folgende Tipps:

  1. Bewusster einkaufen. Wer vorher überlegt, was auf den Tisch kommen soll, kann besser planen und passend einkaufen. 
  2. Auf den letzten Drücker. Wenn das Gekaufte sowieso für den gleichen oder kommenden Tag gedacht ist, ruhig mal bewusst zu den Produkten mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum greifen. Sie sind schließlich immer noch einwandfrei!
  3. Auf die Sinne verlassen. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, bedeutet das nicht, dass das Produkt nicht mehr genießbar ist.
  4. Reste-Party veranstalten. Beim gemeinsamen Kochen mit Freunden können alle ihre Reste mitbringen und kreative Menüs kreieren.
  5. Besser schnippeln. Was landet beim Gemüseschnippeln im Abfall? Oft vielleicht mehr als nötig. Der Stiel vom Brokkoli zum Beispiel schmeckt genauso lecker wie die Röschen.
  6. Bei foodsharing.de und foodwatch.org mitmachen.
  7. Bei den Nachbarn klingeln. Es geht ab in den Urlaub und der Kühlschrank ist noch voll? Einfach mal bei den Nachbarn klingeln und Reste anbieten.
  8. Haltbar machen. Einkochen rettet Obst und Gemüse vor der Tonne. 
  9. „Doggy Bag“ mitnehmen. Am Ende des Restaurantbesuchs ist der Teller noch halb voll – warum die Portion nicht mit nach Hause nehmen? Die so genannten „Doggy Bags“ sind in den USA üblicher als in Deutschland – aber das können wir ja ändern.

SIRPLUS ist zum Beispiel ein deutschlandweit agierendes Impact-Startup, das sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. Das Berliner Unternehmen bringt somit überschüssige Lebensmittel zurück in den Kreislauf, indem  diese Produkte unter anderem in ihrem Onlineshop zum Verkauf anbieten. Bei Sirplus gilt im übrigen der Grundsatz: „Tafel first“! Das heißt: Die Tafeln haben immer Vorrang.


Unsere Quellen


Dieser Beitrag wurde von Mareike mit viel Sorgfalt recherchiert und erstellt.

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