Rebound-Effekt: Zwei Schritte vor, einer zurück

In unserer Rubrik „Gemeinsam gegen den Schweinehund“ stellt euch Michaela (Dipl.-Psychologin) Theorien und Gedanken aus dem Bereich der Umweltpsychologie vor und gibt euch Tipps, die euch umweltgerechtes Verhalten erleichtern sollen. Diesen Monat: Der Rebound-Effekt.


Deswegen müssen wir darüber sprechen

Vom Wissen zum Wollen zum Tun. So verläuft vielfach der Weg, wie wir unser Verhalten verändern und anpassen können. Doch auf dem Weg gibt es einige Stolperfallen. Einige davon sind unwillkürlich und passieren unbewusst. Nur, wenn wir uns immer wieder hinterfragen und reflektieren und uns dieser Fallen bewusst sind, können wir wirklich nachhaltig Dinge verändern.

„Seit ich nur noch LED-Lampen benutze, mache ich sie gar nicht mehr aus.“

„Ich habe jahrelang unseren Trockner nicht benutzt, aber seit wir auf Öko-Strom umgestiegen sind, schalte ich ihn wieder regelmäßig an.“

„Jetzt kaufen wir fast nur noch im bioladen* ein, da ist die eine Flugreise nach Barcelona doch okay.“

Was ist der Rebound-Effekt?

Wer an der einen Stelle etwas einspart, verbraucht an anderer Stelle mehr. Das ist der Rebound-Effekt. Dabei unterscheidet man zwischen direktem Rebound (Veränderung der Nutzung des betreffenden Produkts – die LED-Lampe wird länger angelassen) und indirektem Rebound (Öko-Strom führt zu erhöhter Nutzung des Trockners). Einen Zusammenhang zwischen Energie-, Produktivitätssteigerung und Mehrnachfrage wurde bereits 1865 vom britischen Ökonomen Stanley Jevons entdeckt. Er stellte im Zusammenhang mit der dreimal effizienteren Watt’schen Dampfmaschine fest, dass der Kohleverbrauch nicht wie erwartet sank, sondern rasant stieg.

Beispiele für Rebound-Effekte kommen bislang vor allem aus den Bereichen der Politik und Wirtschaft:

  • Zusammenhang zwischen Raumwärmebedarf und Wohnfläche in Deutschland. Durch effiziente Heizsysteme und Gebäudedämmung konnte der Verbrauch von Heizenergie zwischen 1995 und 2005 um 9 % verringert werden. Zugleich stieg der gesamte Energieverbrauch für das Heizen im privaten Raum um 2,8 % an. Der Wohnflächenbedarf stieg um 13 %. Jegliche Einsparerfolge wurden dadurch kompensiert.
  • Weiterentwicklung von PKW-Motoren. Der VW-Käfer von 1955 und der moderne VW Beatle von 2005 verbrauchen mit 7,5 zu 7,1 Litern pro 100 km nahezu gleich viel Benzin. Bislang wurden Effizienzsteigerungen in der Motorentechnologie nur selten genutzt, um verbrauchsärmere PKW herzustellen. Stattdessen werden die Autos leistungsstärker, schneller und schwerer.

Typische psychologische Rebound-Effekte

Konsum-Akkumulations-Effekt

Bei der Ersetzung alter Geräte durch energieeffizientere wird das alte Gerät nicht entsorgt, sondern weitergenutzt. Der Kühlschrank als Zweit-Party-Kühlschrank im Keller, das alte Auto wird an die Tochter weitergegeben, … Somit reduziert sich für den Konsumenten, der ein neues Produkt erwirbt, zwar der Energie- und Ressourcenverbrauch, gesamtgesellschaftlich kommt es jedoch zu einem materiellen Rebound-Effekt.

Moral-Hazard-Effekt

Die Einschätzung, dass etwas umweltverträglicher ist, gibt uns die Erlaubnis, mehr zu nutzen oder zu verbrauchen. Dieser Effekt ist ein direkter Rebound. Menschen, die umweltfreundlichere Autos kaufen, fahren danach bis zu 1,6 Mal so viele Kilometer wie zuvor.

Moral-Leaking-Effekt

Durch den Kauf eines effizienteren Produkts beruhigen wir unser Gewissen. In der Folge wird die vorherige Beachtung von z.B. energiesparendem Verhalten nicht mehr priorisiert. Wenn LED-Lampen verwendet werden, “kommt es nicht mehr so drauf an”, die Lampen auszuschalten. In der direkten Folge steigt der Energieverbrauch.

Moral-Licensing-Effekt

Die Investition in „gute Produkte“ (Fairtrade oder Bio-Lebensmittel) kann dazu führen, dass an anderer Stelle umweltschädliches Verhalten gerechtfertigt wird. Zahlreiche Studien belegen dieses Phänomen. So rechtfertigt man sich zum Beispiel den Kurzstreckenflug dadurch, dass man ja nur noch Bio-Obst und -Gemüse kaufe. Hierbei spielt auch der Umgang mit der kognitiven Dissonanz eine Rolle.

Und JETZT bist du dran!

Während in der Politik über Öko-Steuern, Effizienzstandards oder absolute Obergrenzen diskutiert wird, um Rebound-Effekte einzudämmen, wollen wir jede:n Einzelne:n einladen, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Wie immer geht es uns darum, durch Bewusstwerdung und Reflektieren des eigenen Verhaltens die „blinden Flecken“ zu entlarven und gemeinsam Schritte hin zu einem immer umweltbewussteren Verhalten zu gehen.

Daher laden wir dich an dieser Stelle ein, dein Konsumverhalten zu beleuchten. Folgende Bereiche könntest du dir nacheinander ansehen:

Dir ist das nicht konkret genug?

Ab dem kommenden Monat widmen wir uns in dieser Rubrik Methoden und Möglichkeiten, wie wir uns im Alltag unterstützen können, unser Verhalten nachhaltig und mit Erfolg zu verändern.


Quellenangaben

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