Sarah Albertz und Erich Prinz, welche Themen sind 2022 wichtig im Hinblick auf eine ökologische Nachhaltigkeit? 

Sarah Albertz (Jahrgang 1983) ist seit 2020 im Stadtrat aktiv und Vorsitzende des Ausschusses Umwelt. In ihrer Freizeit setzt sich Lehrerin für den Tierschutz ein und wandert gerne. Gemeinsam mit Erich Prinz bildet sie das Fraktionssprecherteam. Erich Prinz (Geburtsjahr 1954) war bis Mitte 2017 selbstständiger Biomarkthändler und genießt seinen Ruhestand mit Boule (Vereins- und Ligabetrieb) und Wanderurlauben. Seine politische Laufbahn begann im Jahre 1994 als Schriftführer, er war von 2012 bis 2019 sachkundiger Bürger und ist seit 2019 fester Bestandteil des Stadtrates.

Sarah und Erich, auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut): Wie seht ihr persönlich Coesfeld für den Klimawandel gewappnet?

Aktuell gibt es da nur eine 4  – es ist noch viel Luft nach oben,

  • zu viele Schottergärten und versiegelte Flächen, Straßenbäume – die mit Hitze nicht umgehen können,
  • zu viele Flächen, die Starkregen nicht aufnehmen können, Entsiegeln ist das Gebot der Stunde,
  • wichtige Jahre in Klimaschutz wurden verpasst. Die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes erfolgte viel zu schleppend, die Verstärkung mit der zweiten Stelle lässt aber jetzt hoffen und immer mehr Menschen haben verstanden und machen Druck, z.B. Coesfeld for Future.

Der Coesfelder Stadtrat hat gemeinsam mit der Stadtverwaltung im Jahre 2019 ein Klimaanpassungskonzept erstellt. Viele Maßnahmen befinden sich aktuell nicht in dem Entwicklungsstadium, in dem sie sein sollten. Wie erklärt ihr euch das?

2013 wurde der Antrag der Grünen noch abgelehnt, 2015 erreichten wir mit der Lagemann-Allianz gegen die Stimmen der CDU eine mehrheitliche Zustimmung, trotz ständiger Nachfrage dauert es dann bis 2019 bis der Prozess (Workshops usw.) in Gang kam, Klimaschutz stand einfach nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Verwaltung.

Dann dauerte es auch noch bis die Stelle der Klimaschutzmanagerin besetzt wurde, vorher fühlte sich niemand angesprochen und zuständig. Sie musste sich dann einarbeiten und ihren Platz in der Verwaltung finden, dann kam auch noch Corona und bremste einiges aus. Die Kommunalwahl stand auch noch vor der Tür und vieles wurde verschoben und nicht entschieden, es wurden auch falsche Prioritäten gesetzt, viele Projekte waren nur fürs Papier und es gab eindeutig zu wenig Personal.

Mit dem Beschluss eine zweite Stelle zu schaffen, haben wir aber jetzt Hoffnung, dass wir schneller vorankommen, die Einstellung zum Thema hat sich auch in der Politik und der Verwaltung positiv verändert.

Als Mitglied des Stadtrates habt ihr unter anderem Einfluss auf das Thema Verkehr und Bebauung in Coesfeld. Welche Themen erachtet ihr für das Jahr 2022 als wichtig im Hinblick auf eine ökologische Nachhaltigkeit? 

Trotz mal wieder erschwerter Coronabedingungen muss 2022 das Mobilitätskonzept auf den Weg gebracht werden, viele Anregungen aus der Politik sind deswegen geschoben worden.

Schwerpunkt nachhaltiger Verkehrspolitik muss die vorrangige Berücksichtigung der schwächeren Verkehrsteilnehmer sein, die Bevorzugung des motorisierten Verkehrs muss Geschichte sein.

Radfahrer- und Fußgänger:innen müssen wir mehr Platz geben, Sharing voranbringen, Lebensqualität durch innerstädtische Beruhigung erhöhen.

Ökologische Nachhaltigkeit muss als Standard in die städtischen Leitlinien  aufgenommen werden. Die Zeit dies immer wieder bei jedem Projekt und Bauvorhaben einzufordern muss vorbei sein.

Mehr Möglichkeiten regional einzukaufen wären schön, und die Politik muss dringend ein ökologisches Grünkonzept diskutieren und auf den Weg bringen.

Lasst uns gemeinsam in die Zukunft blicken: Was wäre euer Wunsch, wie das Thema ökologische Nachhaltigkeit im Jahre 2030 in der Politik in Coesfeld gedacht wird?

Ökologische Nachhaltigkeit steht bei allen Projekten, Fragen und Beschlussvorlagen – egal bei welchen Themen (Bauen, Verkehr, Wirtschaft, Bildung, Soziales usw.) ganz oben auf der Agenda und wird von der Verwaltung und vor allem von allen Fraktionen von Beginn an mitgedacht.

Klimaschutzvorgaben für Bau- und Gewerbegebiete sind inzwischen fester Bestandteil in allen Bauleitplanungen. Nachverdichtung erfolgt nur noch mit Augenmaß, nach ökologischen Vorgaben und mit mehr Bürgerbeteiligung. Die ökologische Bauweise ist in die Vergabekriterien für städtische Grundstücke aufgenommen worden. Stadtgrün, Fassadenbegrünung und Flächenentsiegelung sind zu einer Selbstverständlichkeit des politischen Denkens geworden. Fairer, regionaler und ökologischer Handel ist ein Markenzeichen der Stadt geworden. „Regionales aus Coesfeld“, alle Fraktionen und viele Initiativen zur lokalen Vermarktung unterstützen dieses Projekt. Die örtliche Politik steht im konstruktiven Dialog mit der Landwirtschaft, die hat inzwischen Wege zu einer naturnahen Bewirtschaftung gefunden. Wiesen, Wege- und Ackerraine bieten jetzt vielen Wildblumen einen angemessenen Lebensraum und bilden somit die Nahrungsquelle für viele Insekten.


Immer wieder stellen wir uns hier auf unserem Blog die Frage: Wie ist der Status Quo beim Thema ökologische Nachhaltigkeit in Coesfeld und was muss und kann sich verändern? Was liegt in Handlungsfeld der Zivilgesellschaft und was muss aus der Politik erfolgen? Zum Jahresstart haben wir deswegen alle Fraktionen im Stadtrat der Stadt Coesfeld angeschrieben und die gleichen Fragen gestellt. Du interessierst dich auch für die Beantwortung dieser Fragen von den anderen Fraktionen im Stadtrat? Dann schau einfach mal hier vorbei:

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