Terra Preta: Die schwarze Erde als natürlicher CO₂ Speicher

Ach, wenn es doch ein Instrument gäbe, mit dem man den Kohlenstoff, den wir Menschen überreichlich in die Atmosphäre emittieren, einfach wieder einfangen und dauerhaft, am besten für Jahrhunderte, im Boden speichern könnte! Aber natürlich, ohne dass dieses Verfahren weitere Schäden anrichtet, vielleicht sogar mit einem zusätzlichen Nutzen? Ob es bereits eine solche Möglichkeit gibt und wie diese aussehen könnte, das erfährst Du in diesem Beitrag. 

Deswegen müssen wir darüber sprechen 

Wenn die Menschen mit den Mitteln der Technik Schäden angerichtet haben, sind sie meist der Überzeugung, diese Schäden auch auf technischem Wege wieder beseitigen zu können. Deshalb wurde im Schatten der aufziehenden Klimakatastrophe oft von Verfahren gesprochen, mit denen man CO₂ aus der Luft filtern und im Erdreich einlagern wollte. Es handelt sich dabei um sogenannte CCS-Verfahren. CCS steht für Carbon Capture and Storage, was übersetzt so viel wie Kohlenstoff-Rückgewinnung und Speicherung bedeutet.  

Allmählich dämmert es vielen Menschen und auch Ingenieur:innen, dass wir das 1,5 Grad – Ziel nur erreichen werden, wenn wir auch CO₂ aktiv aus der Luft entfernen. Wenn man allerdings die Einschätzung des Umweltbundesamts (Carbon Capture and Storage, 2022) dazu liest, ist das Fazit ziemlich ernüchternd: zu schwierig, noch nicht genügend erforscht, nicht im großen Maßstab umsetzbar, zu teuer, zu energieaufwendig oder nicht sicher – überzeugend geht anders! 

Können wir CO₂ dauerhaft im Boden speichern?  

JA – es gibt bereits ein Verfahren, das all diese Anforderungen erfüllt und zusätzlich den Boden nachhaltig verbessert. Man kann sogar stark degradierte Böden, die kaum noch Erträge bringen, damit wieder fruchtbar machen. Dieses natürliche Verfahren nennt sich Terra Preta. 

Definition: Terra Preta heißt auf Portugiesisch „Schwarze Erde“ und bezeichnet einen menschengemachten fruchtbaren, tiefschwarzen Boden im Amazonasgebiet.  (Vgl. Marr, o. D.) 

Was ist Terra Preta? 

Terra Preta besteht aus nährstoffreichem organischem Material wie Küchenabfällen, Grünschnitt aus dem Garten, Tiermist oder Fäkalien, die mit Pflanzenkohle vermischt werden. Pflanzenkohle entsteht aus pflanzlicher Biomasse wie sie in der Landwirtschaft, im Garten- und Weinbau und den Kommunen anfällt. Bei hohen Temperaturen und weitgehend unter Ausschluss von Sauerstoff werden zum Beispiel Holz, Hecken-, Baum- oder Grasschnitt ebenso wie Getreidespelzen karbonisiert. Dieses Verfahren der Pyrolyse kann in jedem Garten z.B. mit einer Bodengrube oder für die industrielle Nutzung auch in Großanlagen angewendet werden. Der Kohlenstoff, der durch die Pflanzenkohle in den Boden eingebracht wird, reagiert nicht mehr mit Sauerstoff, bleibt deshalb dauerhaft im Boden gespeichert und wird so der Atmosphäre entzogen. Mindestens für einige Jahre, je nach dem Ausgangsstoff auch bis zu tausenden von Jahren. Das älteste Pflanzenkohlestück, das man je fand, war 7000 Jahre alt. In der Pflanzenkohle bleiben Nährstoffe gebunden und die Mikroorganismen im Boden finden einen Lebensraum. Dadurch bleibt die Fruchtbarkeit der “Schwarzen Erde” über lange Zeit erhalten. 

Wer hat Terra Preta “erfunden”?? 

Erfunden oder besser gesagt entwickelt wurde Terra Preta von den Ureinwohnern am Amazonas wahrscheinlich schon vor 7000 Jahren. Sie nutzten dieses Verfahren bis vor 500 Jahren die Europäer im Land einfielen. Mit ihren mitgebrachten Krankheiten rotteten diese Hunderttausende von Menschen aus und zerstörten damit auch altes Wissen, das wesentlich wertvoller war als das Gold, das sie raubten.  

Da der nährstoffarme Regenwaldboden sich nicht für den Anbau von Früchten und Gemüse eignete, sammelten die Menschen ihre Küchenabfälle und Exkremente und hygienisierten sie mit Pflanzenkohle aus den Resten ihrer Kochstellen.  Man nimmt an, dass sie so die Abfälle in Tongefäßen lagerten, anschließend abdeckten und unter Luftabschluss fermentieren ließen. In die schließlich zu Erde gewordenen Überreste pflanzten sie Bäume, Sträucher oder Bananenstauden hinein. Diese wuchsen im nährstoffreichen Boden so kräftig, dass ihre Wurzeln schließlich das Gefäß sprengten. So entstand oberhalb des sonst so nährstoffarmen Regenwaldbodens eine Schicht schwarzer, reichlich mit Tonscherben durchsetzter Erde. Der „Waldgarten“, der auf diesem Boden entstand, ernährte viele Menschen über viele Jahrhunderte zuverlässig, versorgte sie mit Energie und Bauholz, war unglaublich ertragreich und ist bis heute fruchtbar. (Ertomis et al., 2017) 

Nach den neueren Forschungen (Ertomis et al., 2017) kennt man das Rezept, nach dem man diese Bodenart auch bei uns entwickeln kann und weiß, dass diese Erde deshalb so fruchtbar ist, weil sie als Speicher für vielfältige Mikroorganismen, Pilze, Nährstoffe und Wasser dient. So werden nicht in erster Linie die Pflanzen ernährt, sondern der Boden selbst ist ein lebendiges, sich selbst regenerierendes Ökosystem. Das heißt, der Boden ist dauerhaft fruchtbar und Terra Preta kann aus organischen Abfällen sogar nachwachsen. 

Wie wirkt Terra Preta? 

Mit Terra Preta  kann man der Atmosphäre CO2 entziehen und – indem der Kohlenstoff im Boden dauerhaft gespeichert bleibt – gleichzeitig das Bodenleben fördern.  Denn Kohlenstoff bildet eine sogenannte Kohlenstoffsenke im Boden und ist Grundstoff für ein wirklich nachhaltiges Wachstum.  

Als Kohlenstoffsenke (auch Kohlenstoffdioxidsenke oder CO₂-Senke) wird laut Wikipedia in den Geowissenschaften ein Reservoir bezeichnet, das zeitweilig oder dauerhaft Kohlenstoff aufnimmt und speichert. Zwar können auch Wurzeln den Boden mit Kohlenstoff anreichern. Ebenso wirkt die unglaubliche Menge an organischem Material, das abgestorbene Mikroorganismen nach ihrer kurzen Lebenszeit hinterlassen. Aber das dauert einfach sehr viel länger.  

Terra Preta gibt eine wichtige Starthilfe, vor allem bei stark degradierten oder sandigen Böden. Und die Menge des CO₂, welches der Atmosphäre mit diesem Verfahren dauerhaft entzogen wird, ist um ein Vielfaches größer. Untersuchungen und Praxistests (Scheub & Schwarzer, 2017) zeigen, dass man mit lebendigem Boden und Terra Preta Erträge bekommt, die sich mit denen aus konventionellem Anbau nicht nur messen können, sondern diese oft überschreiten.  Man sagt, in einer Handvoll Erde finde man mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde, aber wenn man eine Handvoll Terra Preta in der Hand hat, dann glaubt man das auch. Schwarz, duftend, fein krümelig und voller winziger Lebewesen ist sie. (Pfützner, 2018) 

Was sind die Vorteile von Terra Preta? 

Terra Preta anwenden heißt unter anderem:  

  • Humus aufbauen,  
  • Bodenleben stabilisieren,  
  • Wasser und Nährstoffe speichern,  
  • Grundwasser schützen,  
  • Auswaschungen von Stickstoff und Ausgasungen von klimaschädlichen Gasen vermindern,  
  • Boden vor Erosion schützen  
  • gegen Klimaschwankungen unempfindlicher machen, 
  • der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen, um die Klimakrise abzumildern. 

Und jetzt?  

Kann ich Terra Preta selbst herstellen? 

Will man Terra Preta selbst herstellen, muss man zunächst wissen, welche verschiedenen Zutaten man dazu braucht: 

  • Pflanzenkohle (In Nottuln gibt es einen Anbieter, der Pflanzenkohle aus regionalem Schnitt- und Abfallholz herstellt und verkauft) 
  • Frisches organisches Material wie Grünschnitt oder Küchenabfälle, welches fermentiert wird wie im Bokashi (unter Luftabschluss) oder kompostiert (mit Sauerstoff) 
  • Nährstoffreiches Material wie Tierdung, Fäkalien, Pflanzenjauchen oder Urin 
  • Gesteinsmehl (z.B. aus dem Gartencenter, Landhandel usw.) 
  • Etwas Gartenerde  

 Kann ich statt Pflanzenkohle auch Grillkohle verwenden? 

Nein, das solltest du nicht tun, aus folgenden Gründen: Grillkohle kann aus belastetem Holz hergestellt worden sein. Für zertifizierte Pflanzenkohle dürfen immer nur unbehandelte, natürliche Rohstoffe verwendet werden. 

Grillkohle, also Holzkohle, wird zwar auch unter Luftabschluss verschwelt, aber sie wird dann nicht abgelöscht, sondern der Brand wird in einem Meiler durch vollständigen Luftabschluss beendet, also erstickt. Dadurch ist sie viel weniger porös. Schlag mal mit einem Hammer auf ein Stück Grillkohle!  Um den Unterschied deutlich zu machen, benutzt man eben das Wort Pflanzenkohle, obwohl Holz- bzw. Grillkohle ja auch aus Holz, also aus Pflanzen besteht.  

Ein bisschen Zeit braucht es nun: Beim Bokashi einige Wochen, beim Kompost ein paar Monate. Dann kannst du in deinem Garten mit Terra Preta gärtnern – oder auch auf deinem Balkon! Die Bodenlebewesen und die Pflanzen werden es dir danken, und klimafreundlich ist es außerdem.

Wie kann in der Landwirtschaft Terra Preta verwendet werden? 

In der Landwirtschaft gibt es Möglichkeiten, die Pflanzenkohle gleich mehrfach positiv wirken zu lassen (Kaskadennutzung – also mehrfacher Nutzen bei einer Anwendung). Zum Beispiel kann man Tieren Kohle ins Futter geben. Damit wird die Gesundheit der Tiere positiv beeinflusst, man braucht weniger Medikamente. Die Fäkalien stinken nicht mehr, es entsteht weniger Methan und Lachgas, die Fliegen suchen sich ihre Plätze woanders. Der Mist wird zum Bestandteil von Terra Preta und düngt den Boden, ohne dass Nährstoffe ausgewaschen werden. (Die gleichen Effekte ergeben sich für Privatleute bei der Anwendung in Komposttoiletten.)  

Sehr vorteilhaft wäre auch eine Anwendung in Biogasanlagen. Die Ausbeute steigt um ca. 10 %, und die Gärreste verätzen nicht mehr den Boden, sondern sind wirklich wertvoller Dünger. (Pfützner, 2018) 

Insgesamt bietet die Anwendung von Pflanzenkohle und damit Terra Preta so viele Vorteile, dass es nur an den Interessen der Düngemittelindustrie und an der Förderpolitik der EU liegen kann, dass sie nicht öfter eingesetzt wird. Ohne Subventionen ist diese Methode für Landwirte abschreckend und scheint einfach zu teuer. 

Gibt es auch Kritik an Terra Preta? 

Ein Kritikpunkt, der oft genannt wird, ist natürlich wichtig: Es ist nicht sinnvoll, dass für Pflanzenkohle Wälder abgeholzt werden. Besser eignet sich Restholz, das bei Baumpflegearbeiten anfällt, übrig gebliebenes Schnittholz und anderes organisches Material, z.B. Stroh. Aber davon gibt es so viel, das zurzeit ungenutzt irgendwo verrottet. Hier könnte man wunderbar einen Teil davon verkohlen und in den Boden einbringen! 

Wie wäre es, wenn man Terra Preta mit Agroforstwirtschaft kombiniert? Daraus könnte man ein geniales System machen. Bäume und Sträucher, die in das Acker- System eingebunden sind, müssen gelegentlich beschnitten werden. Dann ist genug Holz für Pflanzenkohle und Terra Preta vorhanden. 

Natürlich lässt sich Terra Preta nicht als Allheilmittel zur Weltrettung einsetzen. Aber konsequent angewendet, wo immer es möglich ist, könnte sich ein messbarer Effekt ergeben. Gerade auch in Ländern, in denen die Böden noch viel weiter degradiert sind als bei uns, und die noch viel stärker von der Klimakrise betroffen sind. Beispiele gibt es genug. (Ithaka-Journal Klimafarming, o. D.) 


Quellen: 

  • Carbon Capture and Storage. (2022, 23. Mai). Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/carbon-capture-storage 
  • Ertomis, A. S. &., Scheub, U., Pieplow, H. & Schmidt, H. (2017). Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald: Mit Klimagärtnern die Welt retten und gesunde Lebensmittel produzieren. oekom verlag. 
  • Pfützner, C. (2018). Natürlich gärtnern mit Terra Preta: Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon. Schwarzerde einfach selber machen (3. Aufl.). oekom verlag. 

Christa

Christa (Jahrgang 1949) stammt noch aus der Zeit, als Unverpackt das alte Normal war. Neben vielen anderen Interessen und ihrem eigenen Garten engagiert sie sich besonders in der Letteraner Buddelgruppe, die solidarisch Gemüse anbaut, Artenvielfalt oberhalb und unterhalb der Grasnarbe fördert und die Ideen der Permakultur als Leitlinie ansieht. Christas Meinung: Mit Salat pflanzen allein werden wir nicht das Klima retten, aber in meinen Blogbeiträgen möchte ich zeigen, wie ihr mit einfachen Mitteln kleine Beiträge leisten könnt, die zugleich eure Lebensqualität verbessern.

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